Die kleinen Tech-Revolutionen

In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Art, wie wir mit Technik umgehen, radikal verändert. Doch das ist erst der Anfang.

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In den vergangen 30 Jahren hat sich die Art, wie wir mit Technik umgehen, radikal verändert. Statt Knöpfe und Tasten zu drücken, winken wir unserem Fernseher zu, sprechen Befehle ins Smartphone oder streicheln erwartungsvoll jeden Bildschirm. Ein Teil dieser Benutzeroberflächen wird sogar in der Schweiz entwickelt.

Erste Computer kannten nur die Tastatur. Dann kam die Maus und mit ihr grafische und bald bunte Oberflächen. Als Nächstes durfte man mit seinem Computer sprechen oder ihm Briefe diktieren. Heute wird man dabei sogar recht gut verstanden.

Die gute Stube bequemer gemacht

Dann entdeckten die Programmierer die Fingerspitzen. Diese und ihre intuitiven Gesten auf einem berührungsempfindlichen Bildschirm lösten den Siegeszug von iPhone und Nachfolgern aus. Neue Benutzeroberflächen haben auch die gute Stube bequemer gemacht.

Bei modernen Fernsehern muss man abends vor dem TV keinen Finger mehr auf der Fernbedienung krumm machen. Die Glotze erkennt aufgrund von Gesten oder Sprachbefehlen, womit man unterhalten werden will.

«Wir müssen hier immer genau abwägen»

Eine gute Benutzeroberfläche hat eigentlich einen simplen Zweck: Ein Ding soll machen, was man will. Die Schwierigkeit hinter dieser Anforderung kennt Olaf Geuer. Er ist Head of User Interface Design bei Swisscom.

Mit einer Gruppe von 10 Personen bestimmt er, wie Kunden die Internetseiten, Produkte und Dienste von Swisscom erleben. «Eine gute Oberfläche erlaubt dem Benutzer, in klarer und angenehmer Weise sein Ziel zu erreichen», erklärt Geuer.

Wie komplex diese Aufgabe ist, zeigt sich beispielsweise beim Produkt Swisscom TV. Auf unterschiedlichen Geräten - von Fernseher über Tablets bis zum Smartphone - kann man damit Live-TV konsumieren, zeitversetzt fernsehen oder Videos mieten. «Wir müssen hier immer genau abwägen, welche Standards und Möglichkeiten der einzelnen Geräte wir nutzen und wo wir unsere eigene Benutzerführung realisieren».

Feldversuche

In Feldversuchen mit Anwendern erproben Geuer und sein Team auch neue Interaktionsformen wie Gesten oder Sprache. «Aber besonders bei Swisscom TV geht es darum, ein immer breiter werdendes Angebot von Unterhaltung so aufzubereiten, dass sich der Anwender darin zurechtfindet. Neue Bedienformen machen nur Sinn, wenn der Anwender sie auch einfach nutzen kann», hält der Spezialist fest.

Am schnellsten verbreiten sich neue Bedienkonzepte via Betriebssysteme auf PC und Smartphones. Eine kleine Revolution bringt Microsofts neues Windows 8, das ab 26. Oktober verkauft wird. Es ist als erstes PC-Betriebssystem für die Bedienung mit der Fingerspitze optimiert.

Maus und Tastatur lassen sich aber weiterhin nutzen. Viele neue Notebooks und All-in-one-PC kommen aber in Zukunft bereits mit berührungsempfindlichen Bildschirmen. Primär erfüllt Windows 8 neue Nutzererwartungen. Eine davon ist, permanent überall online zu sein und dabei über mehrere Kanäle mit verschiedenen Kontakten zu kommunizieren.

Lebendige Kachel

Beim alten Windows wurde jedes Programm durch ein simples unbewegtes grafisches Symbol repräsentiert. Bei Windows 8 hat nun jedes Programm eine «lebendige» Kachel. Diese aktualisiert sich permanent, auch wenn das Programm nicht im Vordergrund ist. Solche Kacheln zeigen beispielsweise neue Mails an, sobald sie eintreffen. Neue Fotos von Freunden erscheinen auf einer anderen Kachel.

Auch die Neuigkeiten von Facebook und Twitter oder Wetterprognosen und Börsenkurse sind auf dem Bildschirm immer aktuell. Windows 8 wird aber auch der Unordentlichkeit der Anwender gerecht. Denn diese speichern Informationen abwechselnd auf PC, Netzwerken oder irgendwo im Internet und wissen oft gar nicht mehr, was wo abgelegt ist.

Windows 8 verhält sich auf allen Geräten identisch

Hier sorgt Windows 8 dafür, dass man beispielsweise ein Foto einfach finden und es dann per Mail verschicken kann, egal ob es vom PC, Facebook oder einem Cloud-Speicher kommt. Letztlich erfüllt Windows 8 auch den Wunsch, auf unterschiedlichen Geräten auf gewohnte Art arbeiten zu können.

Egal ob zu Hause, unterwegs oder im Geschäft; egal ob mit Smartphone, Tablet, Notebook, Küchenrechner oder Heim-PC: Windows 8 verhält sich auf allen Geräten identisch. Und wenn man sich mit seinem persönlichen Nutzernamen anmeldet, sorgen Internetdienste wie Microsoft-ID und Skydrive dafür, dass man überall seine gewohnte Arbeitsoberfläche vorfindet und alle persönlichen Daten jederzeit und überall vorhanden sind.

Wenn das Handy mitdenkt

Neue Ideen bringt auch Apple. Das sogenannte Passbook kümmert sich um Billetts, Mitgliederkarten und Gutscheine des Gerätebesitzers. Die immer häufiger anzutreffenden digitalen Eintrittskarten werden von Passbook nicht nur automatisch gespeichert, sondern auch zur rechten Zeit wieder angezeigt.

Beim Theaterbesuch befreit so das Smartphone vom Horror des vergessenen Billetts. Auch die Flut der Plastikkärtchen im Portemonnaie soll Passbook eindämmen. Aufgrund von Datum und Standort kann das iPhone immer die passenden Mitglieder-, Rabatt- und Punktesammelkarten oder Gutscheine am Bildschirm anzeigen.

Diese werden dann im Laden durch übliche Strichkartenleser genutzt. Leider hat Apple aber auch beim neusten iPhone 5 keinen Chip für die drahtlose Geldbörse (NFC) integriert. Das einfache Zahlen mittels «Handy-Auflegen» an der Kasse bleibt deshalb Besitzern von Telefonen mit Android oder Windows 8 vorbehalten.

Erstellt: 21.09.2012, 08:17 Uhr

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