Die kompakte Foto-Alternative

Die spiegellose Systemkamera ist zur Alternative zur Spiegelreflexkamera geworden: Sie ist klein und leicht. Trotzdem macht sie gute Bilder. Selbst Fotoanfänger finden sich damit sofort zurecht. Für Profis eignet sie sich aber nicht. Noch nicht.

Treue Begleiter: Systemkameras - im Bild die Lumix GF2 – überzeugen vor allem durch ihre kompakte Bauweise und dennoch überzeugende Bildqualität.

Treue Begleiter: Systemkameras - im Bild die Lumix GF2 – überzeugen vor allem durch ihre kompakte Bauweise und dennoch überzeugende Bildqualität. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Problem ist bekannt: Man schiesst gerne qualitativ hochwertige Fotos, wie sie Spiegelreflexkameras mit einem guten Objektiv liefern können. Doch eine solche Ausrüstung ist gross, schwer und mitunter auch teuer.

Als kompaktere und preislich zunehmend attraktivere Alternative bieten sich die spiegellosen Systemkameras an, die wie geschrumpfte «normale Kameras» aussehen: Sie können weitgehend mit den gewichtigen Spiegelreflexkameras mithalten. Der Bildsensor ist bloss minim kleiner als bei diesen. Im Vergleich zu Kompaktkameras, in denen oft sehr kleine Sensoren stecken, bieten sie eine Menge: Das Rauschen bei schlechten Lichtverhältnissen ist tiefer, und das Spiel mit der Schärfentiefe gelingt besser. Auch das Filmen geht mit Systemkameras leicht von der Hand. Der Autofokus wird dabei kontinuierlich nachgeführt.

Ohne Spiegel, dafür leichter

Doch woher kommt der Grössenvorteil der neuen Geräte? Anstelle eines Schwingspiegels und eines voluminösen gläsernen Prismasuchers besitzen die spiegellosen Systemkameras elektronische Sucher (EVF: Electronic Viewfinder). Diese sind mittlerweile so gut, dass der Unterschied zu den Glaspendants nicht mehr ins Auge sticht. Einzig bei schlechten Lichtverhältnissen ist das Sucherbild nicht ganz so klar wie bei einer Kamera mit Spiegel.

Ein weiterer Vorteil der spiegellosen Systemkameras: Sie liefern auch in der Vollautomatik gute Bilder. Das kommt vor allem Neulingen zugute. Diese können sich – je nach Kamera – auch über integrierte Filter freuen, dank denen sie Fotos im Retrolook und in Schwarzweiss machen können oder Miniaturbilder, die an Modelleisenbahnlandschaften erinnern. Auch engagierte Amateure haben ihre Freude: Neben der manuellen Kontrolle lassen die Kameras neben komprimierten Bildern im JPG-Format auch Aufzeichnungen im Rohformat zu, das vielfältige Bearbeitungsmöglichkeiten am PC zulässt.

Aufrüsten je nach Gusto

Meistens werden Systemkameras als sogenannte Kit-Variante mit mindestens einem Objektiv für einige Hundert Franken angeboten. Aufrüsten kann man je nach Gusto: mit Blitzgeräten, die auf den Zubehörschuh passen, sowie mit Macro- und Teleobjektiven oder mit lichtstarken Festbrennweiten. Allerdings gilt auch hier: Gutes Glas kostet Geld. Das kürzlich vorgestellte Objektiv von Panasonic mit einer Brennweite von 12 bis 35 Millimeter – was beim Kleinbild 24 bis 70 Millimeter entspricht – und einer durchgehenden Lichtstärke von 2,8 markiert derzeit das oberste Preissegment und kostet knapp 1500 Franken.

Nichts für Sportfotografen

Als Schritt in die richtige Richtung bezeichnet der bekannte Blogger und Fotopionier Tray Ratcliff auf seiner Website Stuckincustoms.com die Systemkameras: «Spiegelreflexkameras sind am Aussterben», erklärt er. Der Grund: «Der Spiegel ist ein mechanisches Überbleibsel, das man längst durch Elektronik ablösen kann.» Dennoch würden die grossen Kamerafirmen weiter Einsteiger-Spiegelreflexkameras verkaufen, «einfach, weil sie ein gutes Geschäft sind». Er glaubt allerdings, dass es noch eine Weile dauert, bis Profifotografen mit elektronischen Suchern Bilder machen werden. Für schlechte Lichtverhältnisse und Bewegungsabläufe, die einen schnellen Autofokus benötigen, sind Systemkameras den Spiegelreflexkameras noch unterlegen.

In der Schweiz werden in diesem Jahr rund 50'000 Systemkameras verkauft, so eine Schätzung des Marktforschungsinstituts GfK. Das entspricht einem Volumen von 31 Millionen Franken. 2013 sollen die Käufe weiter zunehmen. Allerdings ist der Anteil am Gesamtmarkt von 443 Millionen Franken inklusive Objektiven eher gering. Anderswo, etwa in Japan, ist schon jede vierte verkaufte Kamera eine Systemkamera. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.09.2012, 16:59 Uhr

Artikel zum Thema

Facebook überrascht mit eigener Kamera-App

Das soziale Netzwerk überrascht mit dem Release einer eigenen Foto-App fürs iPhone. Sie bietet ähnliche Funktionen wie Instagram, das man vor wenigen Wochen gekauft hat. Mehr...

Nie mehr unscharfe Bilder

Die Lytro-Kamera tanzt nicht nur optisch aus der Reihe: Mit der neuartigen Lichtfeld-Technik kann man nachträglich bestimmen, welcher Teil des Fotos scharf sein soll. Wir haben das aussergewöhnliche Gadget getestet. Mehr...

Android@Kamera

Samsung spielt mit dem Gedanken, seine Kameras mit dem Google-Betriebssystem auszustatten – und so mit Apps die Anwendungsmöglichkeiten zu erweitern. Mehr...

Babylonisches Systemwirrwarr

2008 stellte Panasonic die erste Systemkamera vor. Mittlerweile ist darum herum ein komplettes Zubehörsortiment entstanden, das vom Ultraweitwinkel bis zu Teleobjektiven oder Blitzgeräten reicht. «In der Schweiz haben wir gegen 20 Prozent Marktanteil», sagt Bruno Wüst von Panasonic.

Die Konkurrenz hingegen hat sich Zeit gelassen. Der Kameramarktleader Canon etwa stellte erst im Juli eine erste Systemkamera vor, die Canon M. Hauptkonkurrent Nikon war etwas früher dran und präsentierte im September 2011 die Nikon 1. Samsung und Sony haben ebenfalls eine eigene Linie (NX, NEX) mit verschiedenen Kameras im Angebot. Auch Pentax und Ricoh bieten Modelle an. Etwas unschön: All diese Kameras haben eigene Bajonettanschlüsse.

Einen anderen Weg geht die Firma Panasonic: Sie hat den offenen Objektivstandard Micro-Four-Thirds geschaffen. Dieser wurde von Olympus übernommen – einem Anbieter, der das Systemkamerasegment mit der PEN-Serie intensiv beackert. Ein Panasonic-Objektiv passt also an die Olympus und umgekehrt. Zudem sind Objektive von Sigma und Voigtländer erhältlich.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Adieu und Adiós: Die Matrosen des mexikanischen Segelschulschiffs Cuauhtémoc haben für die grosse Parade auf der Seine die Masten erklommen. Die Fahrt zum Meer bildet den Abschluss der Armada von Rouen, eine der wichtigsten maritimen Veranstaltungen Frankreichs. (16. Juni 2019)
(Bild: Charles Platiau) Mehr...