Interview

«Ein Apple-TV für unter 1500 Franken ist eine Illusion»

Der iPhone-Hersteller drängt wahrscheinlich spätestens 2013 in den Fernsehmarkt. Welche Folgen hätte dies für SF und Co.? Und welchen Nutzen hat der Zuschauer vom Zusammenwachsen von PC und TV?

Tatsächlich «Coming soon»? «Der Fernsehmarkt ist Apples letzte Bastion, die es zu erobern gilt», sagt Strategieberater Frank Rothauge.

Tatsächlich «Coming soon»? «Der Fernsehmarkt ist Apples letzte Bastion, die es zu erobern gilt», sagt Strategieberater Frank Rothauge.

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Herr Rothauge, nicht wenige Experten/Analysten gehen davon aus, dass Apple spätestens 2013 ein eigenes Fernsehgerät einführen wird. Wie lautet Ihre Prognose?
Die Indizien sind erdrückend – natürlich drängt Apple auf den Fernsehmarkt. Mit der Lancierung des Cloud-Computing-Dienstes iCloud hat Apple einen ersten Schritt gemacht, Inhalte wie Bilder, Videos und Apps auf verschiedenen Geräten jederzeit verfügbar zu machen.

Würde ein iTV ins Apple-Portfolio passen?
Der Fernsehmarkt ist Apples letzte Bastion, die es zu erobern gilt. Aber man muss die Relationen wahren: Der TV-Markt wird nie der grösste Gewinnbringer für das Unternehmen werden. iTV wird ein Ergänzungsprodukt sein, nicht mehr.

Warum?
Ein Apple-Fernseher für unter 1500 Franken ist eine Illusion. Apple TV wird im Hochpreissegment angesiedelt sein. Das hat zur Folge, dass in diesem Markt, wo sich die Anbieter seit Jahren Preisschlachten liefern, dieses Gadget nicht von der breiten Masse gekauft werden wird. Das ist indes auch nicht Apples Wunsch: Apple stellt ja auch keine Billighandys her, sondern High-End-Mobiles mit einer hohen Marge. Diese ist viel wichtiger als ein hoher Marktanteil.

Apple setzt gemäss durchgesickerten Informationen auf LCD-Displays. Diese sind in der Fertigung aber teuer.
Apple wird die Bildschirme nicht selber fertigen, dafür gibt es Zulieferer. Die hohen Kosten werden im Endeffekt an den Kunden weitergegeben. Wie gesagt: Der Apple-Fernseher wird nicht günstig.

Sie wirken sehr optimistisch, was die Zukunft von Apple-TV angeht. 3D-TV wird seit Jahren der grosse Durchbruch vorausgesagt, er ist aber nicht eingetreten. Warum sollte es bei Apple-TV anders sein?
Warum hat sich 3D-Fernsehen nicht durchgesetzt? Nicht weil es keine Hardware gibt, sondern weil der Content fehlt. Es gibt zu wenig 3D-Filme, welche die Anschaffung eines 3D-Fernsehgerätes rechtfertigen würden. Apple verfolgt einen anderen Ansatz: Es muss nur die bestehenden Systeme iTunes und die iCloud ausbauen und neue Hardware liefern.

Irgendwann wird es also so weit sein, dass ich mein Fernsehprogramm ganz einfach selber zusammenstellen kann und das Internet auf das Fernsehgerät kommt. Das wäre dann wohl das Ende der traditionellen Fernsehsender.
Sie werden sich auf jeden Fall etwas einfallen lassen müssen! Studien zeigen, dass, wer Geld ausgibt für Pay-TV, dieses auch ausgiebig nutzt – etwa die Hälfte der Zeit, die solche Kunden vor dem Fernseher verbringen, schauen sie Pay-TV. Ähnliches wird bei der Einführung von Smart-TV passieren, also der Zusammenführung von Internet und TV auf einem einzigen Gerät. Der Nutzen für den Konsumenten ist riesig - anders als bei 3-D, das sich bis auf weiteres mit der «Nice to have»-Rolle begnügen muss.

Der Markt für SF, ARD, ZDF und Co. wird einbrechen.
Ja, weil Apple sicher, wie bereits gesagt, nicht nur neue Hardware lancieren wird, sondern mit eigenen Inhalten dem Pay-TV den Rücken stärken wird. Die Sender müssen darum aktiv werden und unbedingt auf den Zukunftsmarkt Fernseh-Apps setzen.

Was hätte der Nutzer davon?
Vorausgesetzt, dass der Gesetzgeber mitspielt, ist es künftig etwa möglich, auf den Zuschauer zugeschnittene Fernsehwerbung zu liefern.

Wie im Internet, wenn ich als Amazon-Kunde Produktvorschläge geliefert bekomme, die mir das Unternehmen aufgrund meiner früheren Einkäufe liefert.
Genau. Sollte es irgendwann einmal eine Fernseh-App des Schweizer Fernsehens geben, wird der Sender sehen: Aha, dieser Nutzer hat mit seinem Fernsehgerät auf Autoseiten gesurft, also liefere ich ihm Auto-Werbung und vielleicht einen Hinweis auf die Formel-1-Berichterstattung. Ein anderes Beispiel: Sie schauen «Wer wird Millionär» und können via Einblendung auf einer Fernsehleiste mitraten und etwas gewinnen. Ich bin sicher: In ein paar Jahren wird es völlig archaisch anmuten, dass das Schweizer Fernsehen es bei Länderspielen ermöglicht hat, via Telefon auf den Gewinner der Partie zu setzen. Dieser Medienbruch wird bald Vergangenheit sein. Internet, TV, Telefon – dies alles wird in einem einzigen Gerät zusammenlaufen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.11.2011, 12:06 Uhr

Frank Rothauge (42) ist Director Strategy Advisory bei der Berenberg Bank in Frankfurt.

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