Interview

«Games kosten – mehr als Hollywood-Blockbuster»

Microsoft hat die neue Xbox vorgestellt. Aber haben Gamekonsolen überhaupt noch eine Zukunft? Und wenn ja, welche? Dazu die Schweizer Game-Experten Marco Schmid und Markus Obrist.

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Die Bewegungssteuerung Kinect war für viele ein Überraschungserfolg. Auch für Sie?
Markus Obrist: Wir waren ebenfalls überrascht.

Weshalb?
Obrist: Wir hatten zwar grosse Erwartungen an die Erweiterung, als man dann aus Kostengründen aber die Auflösung der Kamera reduzierte und somit Handbewegungen nicht mehr erkannt wurden und sich Berichte über Verzögerungen in der Bewegungserkennung häuften, wurden wir skeptisch. Vor allem die Sport- und Fitness-Spiele halten die Gamer-Gemeinschaft bei Laune..
Marco Schmid: Kinect hat vor allem die Game-Abende mit Freunden wieder aufleben lassen. Es gibt nichts Lustigeres, als den Freunden beim Rumzappeln vor dem Fernseher zuzuschauen, wenn sie beispielsweise beim Baseball von einer Base zur nächsten rennen müssen.

Sie sind beide seit über 20 Jahren leidenschaftliche Gamer. Welches sind die Stärken der Konsolen Xbox (Microsoft), Playstation (Sony) und Wii (Nintendo)? Obrist: Die Playstation hat dank freierer Preisgestaltung bei Downloadspielen die besten Preise und Onlineangebote...
Schmid:...zudem dient die Playstation auch als Blu-Ray-Player.
Obrist: Für die Xbox konnten dank einfacher Programmierung für Entwickler viele Titel früher veröffentlicht werden als für die PS3. Dank simpler Spieleinstallation wird sie oft von Besitzern beider Konsolen bevorzugt.
Schmid: Der Name Nintendo ist spätestens seit der Wii wieder ein Synonym für Spielspass, vor allem bei Eltern und Kindern.

Bei Ihnen nicht?
Obrist: Nintendo war führend in der letzten Generation. Das Unternehmen hat mit dem Tablet der Wii U aber eine nicht zu vernachlässigende Hürde für Spieleentwickler geschaffen. Es ist oft nicht einfach, dieses Gadget vernünftig und kreativ in die Spielmechanik einzubauen. Und Spiele, die das Tablet nicht unterstützen, werden von vielen Gamern ignoriert, da man doch das neue Spielzeug auch benutzen möchte. Zudem ist die Grafik im Vergleich mit Sony und Microsoft, wie auch schon bei der Wii, (bewusst) nicht konkurrenzfähig.
Schmid: Immerhin – Nintendo war stets auf dem richtigen Weg. Dies zeigen die Wii-«Nachbauten» namens Kinect und Move.

Und wo müssen Microsoft und Sony nachbessern?
Obrist: Sony hat mit der PS3 die am schwierigsten zu programmierende Plattform veröffentlicht. Ebenfalls sind die langen Installationszeiten der Spiele ein Nachteil gegenüber der Konkurrenz. Diese Probleme will Sony mit der PS4 nun aber beheben.
Schmid: Bei der Xbox waren die diversen Hardwaredefekte unverzeihlich. Diese waren extrem schädlich für den Ruf. Hier muss Microsoft, wie auch bei der Lautstärke des Laufwerks, dringend nachbessern. Auch die eigene Währung der Microsoft-Points hat nicht nur positives Feedback geerntet, da sie nur in bestimmten Mengen gekauft werden kann und nicht rückerstattbar ist. Jegliche Beträge sollten direkt via Kreditkarte bezahlt werden können, um das Handling auf Xbox Live zu vereinfachen.

Haben Konsolenhersteller überhaupt noch eine Zukunft angesichts der zunehmenden Konkurrenz durch Gameapps auf Tablets und Smartphones?
Obrist: Nicht nur die mobilen Gadgets sind eine Gefahr, sondern auch das unfassbare Niveau der Grafik.

Die Verbesserungen sind doch toll.
Obrist: Natürlich finden Sie das toll. Aber die Entwicklung der Spiele kostet. Mehr als die Produktion eines Hollywood-Blockbusters. In der letzten Generation konnten die hohen Kosten noch knapp durch die wachsende Anzahl Spieler ausgeglichen werden, eine Sättigung des Markts macht das aber in Zukunft schwierig. Viele Experten sind inzwischen der Meinung, dies könnte die letzte Konsolengeneration sein und in Zukunft werde alles von der Cloud direkt ins Wohnzimmer gestreamt. Services wie Onlive bieten dies schon seit ein paar Jahren an.
Schmid: Ohne Entwicklung für unterschiedliche Plattformen entfallen einerseits hohe Kosten und anderseits ist ein grösseres Zielpublikum erreichbar. Die Spiele laufen dann alle auf Servern, was auch dafür sorgt, dass das Aufrüsten der Hardware zu Hause wegfällt. So werden immer bessere Spiele ohne neue Konsolengenerationen direkt ins Wohnzimmer geliefert.

Erstellt: 21.05.2013, 16:07 Uhr

Markus Obrist (30, links) und Marco Schmid (32) sind Co-Gründer von Videogameshop.ch in Winterthur. Sie sind leidenschaftliche Gamer seit 1989.

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