Haben Konsolen bald ausgespielt?

Sony und Microsoft lancieren in der Schweiz neue Spielkonsolen. Smartphones und Tablets haben die Konkurrenz verschärft.

Microsoft möchte seine neue Konsole als zentrale Multimediakiste im Wohnzimmer positionieren: Kinder spielen mit der Xbox 360.

Microsoft möchte seine neue Konsole als zentrale Multimediakiste im Wohnzimmer positionieren: Kinder spielen mit der Xbox 360. Bild: Keystone

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Auf den ersten Blick ist alles wie gehabt: Erst wird an der Spielemesse E3 in Los Angeles die neue Hardware vorgestellt, dann kommen die Konsolen zum Weihnachtsgeschäft in den Handel. So läuft es auch bei Microsofts Xbox One und Sonys Playstation 4 ab. Echte Premieren waren es aber nicht: Die Hersteller informierten bereits vor Wochen erstmals über ihre Hardware. Das zeigt auch, wie nervös sie sind. Die neuen Spielkonsolen kommen in einem Umfeld auf den Markt, wo sie nicht mehr unbedingt erste Wahl sind. Seit der Lancierung der aktuellen Konsolengeneration (2005 mit der Xbox 360) sind neue Konkurrenten hinzugekommen. Vor allem Gelegenheitsspielern bieten sich wesentlich günstigere Alternativen mit Smartphones, Tablets und Browsergames.

Das Ende prophezeit

Womöglich ist in der Spielewelt auch in Zukunft Platz für beides – Apps für Tablets und Smartphones einerseits, die Spielkonsole andererseits. Für Letztere werden auch Blockbuster mit Hollywoodbudget entwickelt, an deren Qualität die mobilen Games nicht heranreichen. Doch letztlich zeigt die Nutzung von Smartphones und Tablets vor allem eines: Das Spielvergnügen wird mobiler, die Hardware unwichtiger. Dazu passt, dass populäre Smarpthone-Games wie «Angry Birds» oder «Plants vs. Zombies» auch für die neuen Spielkonsolen erhältlich sind.

Der legendäre Spieleentwickler Richard Garriott, dessen «Ultima»-Spiele viele Fans haben, prophezeite Konsolen im April ein baldiges Ende: «Ich sehe in der Zukunft keinen Platz mehr für sie», sagte er in einem Interview. Man sei heute ja bereits online mit Smart TV, und in der Cloud habe man viel mehr Speicherplatz. Man brauche also nur noch das Steuergerät, um die Games zu spielen. Er sehe keinen Grund, alle paar Jahre eine neue Konsole zu installieren, wenn TV und Cloud alles übernehmen könnten. Die aktuelle Generation werde wohl noch funktionieren. Wie es in fünf Jahren aussehe, sei eine andere Frage.

Microsoft versucht deshalb, die Xbox One als zentrale Multimediakiste im Wohnzimmer zu positionieren. Sie soll ausser Games auch TV, Filme, Musik und Livesport vereinen. Nutzer sollen ohne Verzögerung zwischen den Funktionen wechseln können. Abzuwarten bleibt, welche On-Demand-Inhalte in der Schweiz verfügbar sein werden. Die Xbox One wird auch Videotelefonate via Skype ermöglichen – und mit der mitgelieferten Sprach- und Gestenerkennung Kinect auch gesprochene oder gezeigte Befehle.

«Der Spieler kontrolliert das System, nicht umgekehrt»

Ob der Multimedia-Ansatz zum Erfolg führt, muss sich weisen: Fernsehen, ­On-Demand-Angebote und Musik anderer Features stehen in vielen Haushalten bereits in Form von Smart TV und Set-Top-Boxen zur Verfügung. Pitsch Kaufmann vom Schweizer Gamefachhändler Alcom glaubt, dass der Multimedia-Ansatz für die Mehrheit der Konsolenspieler «eine untergeordnete Rolle» spiele: «Viele Käufer wollen einfach eine Gamekonsole.»

Die Xbox-One-Präsentation lief nicht ohne Komplikationen ab: Microsoft sorgte mit der Ankündigung für Aufregung, dass die Konsole eine Onlineverbindung benötigt. Sie braucht alle 24 Stunden eine Verbindung zum Web. Zudem muss Kinect ständig eingeschaltet sein. Die regelmässige Internetverbindung ist laut Microsoft nötig, weil die Konsole so entwickelt wurde, «dass sie überprüft, ob System, Anwendungen oder Spiele ein Update brauchen». Microsoft-Manager Marc Whitten weist die Kritik von Datenschützern zurück: «Der Spieler kontrolliert das System, nicht umgekehrt.» Unmut erregt bei Gamern aber auch, dass man gebrauchte Spiele nur beschränkt nutzen kann. Dies und die Pflicht zur Netzverbindung nützen vor allem den Herstellern, wie in den Webforen beanstandet wird.

Mitstreiter erwünscht

Das Ganze war eine Steilvorlage für Konkurrent Sony: An der Spielemesse in Los Angeles verkündete Sony-Manager Jack Tretton unter Applaus, dass man Play­station-4-Spielern erlauben werde, Spiele nach Gebrauch auch weiterzugeben oder zu verkaufen. Sie hätten das Recht, ein Spiel «zu nutzen, zu verkaufen, an einen Freund zu verleihen oder für immer zu behalten». Die Konsole könne zudem auch offline genutzt werden.

Die Playstation 4 setzt den Fokus eher auf neue Spielfunktionen: «Nicht mehr das Wohnzimmer steht im Mittelpunkt, sondern der Spieler», sagt Sony-Manager Andrew House. Konkret wird es mit der Playstation 4 möglich sein, Spiele auch auf der portablen Konsole PS Vita weiterzuspielen. Dabei will Sony mit sozialen Features punkten. Aus dem Spiel heraus kann man Freunden Informationen über den aktuellen Spielstand mitteilen, Spielszenen direkt aufnehmen und weiterverschicken. Mitstreiter können sich von ihrer Konsole in der Ferne auch direkt ins Spiel einklinken, um einander bei der ­Lösung einer Aufgabe zu helfen. 2014 soll ausserdem der Cloud-Dienst Gaikai starten. Dann können zum Beispiel PS3-Spiele auf die aktuellen Playstation-Konsolen gestreamt – und Spiele schon während des Downloads begonnen werden.

Erstellt: 17.06.2013, 10:36 Uhr

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