Mit Komfort gegen Piraterie

Mit seiner neusten Serie zeigt Netflix, wie es dubiosen Streaming- und Downloadportalen Paroli bieten will.

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Im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet nannte der Netflix-Chef Reed Hastings die Piraterie seinen grössten Konkurrenten («Die Schweiz kriegt mehr als andere Länder»). Schlagen wolle er diesen mit Komfort. «Bei Netflix muss man nur klicken, und es geht los.»

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt «Better Call Saul», die neue Serie der Macher von «Breaking Bad» (Der Anwalt, der mit Pissoirs spricht). Die erste Folge der Serie wurde am Sonntag im US-TV gezeigt. Schon im Verlauf des Montagvormittags (Schweizer Zeit) war die Folge im Angebot von Netflix Schweiz.

Aber nicht etwa nur in Englisch, sondern ebenfalls synchronisiert in Deutsch und Französisch. Auch das Untertitel-Angebot lässt nicht zu wünschen übrig. Deutsch, Englisch und Französisch gibt es auf Knopfdruck.

Keine Warterei, keine Werbung, keine Schadsoftware

Was den Komfort angeht, schlägt das Netflix-Angebot die dubiosen Download- und Streaming-Dienste um Längen: keine Warterei, keine aufdringliche Werbung für allerhand zwielichtige Dienste, keine Sorge um illegale Uploads und keine Angst vor Schadsoftware. Gratis ist es allerdings nicht.

Ein HD-Abo kostet 13 Franken im Monat. Es darf daher auch nicht überraschen, dass «Better Call Saul» in den Charts von Torrentportalen wie Piratebay zusammen mit anderen US-Serien-Hits und Kinofilmen in den vordersten Rängen platziert ist.

Das ungelöste Problem

Dennoch zeigt Netflix mit der Verbreitung von «Better Call Saul» eine Alternative zu Verboten und Kontrollen, wie sie im Kampf gegen Piraterie häufig gefordert werden. Wer die Serie sehen will und bereit ist, dafür zu bezahlen, kann das. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Spätestens im April, wenn die nächste Staffel der Serie «Game of Thrones» beginnt, werden Schweizerinnen und Schweizer wieder in Scharen zu den dubiosen Portalen strömen, um mühsam, aber häufig legal die neusten Folgen zu sehen (Filesharing feiert ein Comeback).

Und da liegt nach wie vor das Hauptproblem. So lange das offizielle Angebot von Diensten wie Netflix klein und zerstückelt bleibt, bleiben die dubiosen Downloadportale attraktiv. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn dereinst mehr Serien und Filme auf offiziellen Plattformen angeboten werden.

Wenn man dann für «Better Call Saul» ein Netflix-Abo, für «Game of Thrones» ein HBO-Abo und für «Big Bang Theory» ein CBS-Abo braucht, ist das wenig kundenfreundlich und Wasser auf die Mühle dubioser Portale mit ihrem umfassenden Angebot. Für dieses Problem müssen Netflix und Co. nach wie vor eine Lösung finden.

Erstellt: 10.02.2015, 14:10 Uhr

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