Samsung vernetzt die Kameras

Nach den Telefonen und den Fernsehern werden nun auch die Kameras smart. Wir haben uns das Modell NX20, das Flaggschiff der Samsung-Kameras, näher angeschaut.

NX20: Auch für Makroaufnahmen beweist die neue Samsung-Kamera einen guten Riecher.

NX20: Auch für Makroaufnahmen beweist die neue Samsung-Kamera einen guten Riecher. Bild: Roger Zedi

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Die Menschheit knipst, als ob es kein Morgen gäbe. Seit Louis Daguerre in den 1830er-Jahren die ersten Bilder belichtet hat, sind geschätzte 3,5 Billionen (eine 1 gefolgt von 12 Nullen) Fotos geschossen worden. Die grösste Fotosammlung, die es je gab, ist Facebook. Rund 160 Milliarden Fotos sind dort bisher hochgeladen worden. Der populäre Foto-Sharing-Dienst Flickr bringt es immerhin auf 6 Milliarden Schnappschüsse und Instagram (das mittlerweile zu Facebook gehört) ebenfalls bereits auf über 1 Milliarde. Diese Zahlen wachsen weiterhin exponentiell.

Smartphones, die neuen Kameras?

Das Geknipse nimmt nicht zuletzt deshalb zu, weil wir ständig eine Digitalkamera mit uns herumtragen, namentlich unsere Smartphones. Die am häufigsten verwendeten Kameras auf Flickr sind das iPhone 4 sowie das 4S, erst dann folgt die erste «richtige» Kamera, die Canon 5D Mark II.

Smartphones punkten gegenüber Spiegelreflex- und Systemkameras (mit Wechselobjektiven, aber ohne Spiegelverschluss) vor allem bei der Portabilität, aber auch bei der Vernetzung. Die ständige Internetverbindung macht es unschlagbar einfach, Fotos mit Freunden zu teilen. Hinzu kommen populäre Apps von Drittherstellern wie Instagram oder Hipstamatic. Diese Vorteile übertrumpfen in vielen Situationen die Vorzüge herkömmlicher Kameras, namentlich die überlegene Optik, die grösseren und besseren Bildsensoren sowie unkomprimierte Bildformate (RAW).

Digicams unter Zugzwang

Die herkömmlichen Kameras sind also unter Zugzwang. Der koreanische Hersteller Samsung hat dies als einer der Ersten erkannt. Mit nur sechs Jahren Erfahrung im Bereich Endanwenderkameras belastet ihn keine lange Vorgeschichte. Man setzt fortan voll auf netzwerkfähige «Smart-Kameras», bis Ende Jahr sollen neun Modelle mit integriertem WLAN erhältlich sein. Samsung baut ausschliesslich Kompakt- und Systemkameras, denn Letztere sollen in den kommenden Jahren umsatzmässig den Spiegelreflexkameras den Rang ablaufen.

Smartcams vereinen die Vorteile zweier Welten. Sie verfügen über eine ausgewachsene Optik mit Wechselobjektiven und sind gleichzeitig fähig, Bilder drahtlos mit der Welt zu teilen. Unterwegs muss man sich entweder einen WLAN-Hotspot suchen (was auf Reisen oft nicht so einfach ist, wie man denkt), oder man verknüpft die Kamera mit seinem Smartphone und belastet das Datenguthaben seines Handyabos (was im Ausland aus Kostengründen erst recht keine valable Option ist).

Via Mobile Link direkt aufs Smartphone

So sind es denn primär die heimischen Vorteile, welche diese neue Kamerageneration attraktiv machen. Fotos gelangen kabellos auf den PC/Mac und können direkt auf dem Smart-TV angezeigt werden (sofern dieser DLNA unterstützt). Auf Reisen praktisch ist, dass man die Fotos automatisch im Netz hinterlegen kann, beispielsweise abends im Hotel via WLAN. Samsung bietet Neukunden 7 GB Speicher auf Skydrive (dem Cloud-Dienst von Microsoft) an. So kann man Fotos auf der Kamera wieder löschen, etwa wenn die Speicherkarte voll ist. Und wer möchte, kann Fotos auch direkt ab der Kamera auf Facebook oder Picasa hochladen und selbstverständlich per E-Mail versenden.

Mit Smartphones verstehen sich die Smartcams ebenfalls gut. Mit der App Mobile Link (gratis für Android und iOS) kann man Fotos direkt auf das Smartphone übertragen, was reibungslos funktioniert. Witzig und spannend für kreative Anwender ist die App Remote Viewfinder (gratis für Android und iOS). Damit wird der Bildschirm des Handys zum Sucher der Smartcam, die man auf diese Art fernsteuern und fernauslösen kann.

Keine Apps von Drittherstellern

Wir haben uns das Modell NX20, das Flaggschiff der Samsung-Kameras, näher angeschaut. Überzeugend sind dessen Handlichkeit und Leichtigkeit, gemeinsam mit dem 18-bis-55-Millimeter-Zoom-Objektiv bringt sie 625 Gramm auf die Waage, sowie der schwenkbare Amoled-Bildschirm. Die Bildqualität lässt dank dem CMOS-Sensor (23 × 15 Millimeter, 20 Millionen Pixel) nichts zu wünschen übrig. Auch Bedienung und Menüführung sind intuitiv und verständlich.

Zu den Schwachpunkten zählt allerdings die relativ lange Zeit (gefühlt eine gute Sekunde), bis eine Aufnahme gespeichert und die Kamera wieder parat für den nächsten Schnappschuss ist. Ausserdem fehlt ein integriertes GPS-Modul, das die Bilder automatisch mit den Ortsdaten der Aufnahme versieht (Geotagging). In Zeiten, in denen jedes Smartphone über GPS verfügt, dürfte man diese Funktion auch bei so einer Kamera erwarten. Und da die Kamera mit einem eigenen, spezifischen Betriebssystem läuft, gibt es auch keine Apps von Drittherstellern – eine Gelegenheit, die bisher alle Hersteller verschlafen haben. Dieser Vorteil bleibt weiter den Smartphones vorbehalten.

Die Smart-Kameras dürften dennoch ihre Fans finden. Bei den Fernsehern und bei den Smartphones hat Samsung das Feld in den letzten Jahren äusserst erfolgreich von hinten aufgerollt, es spricht wenig dagegen, dass sie dies auch bei den Digitalkameras wiederholen könnten.

Erstellt: 23.07.2012, 14:51 Uhr

Die NX20 ist das Flaggschiff unter den Smartcams. (Bild: PD)

Samsung NX20

Systemkamera, 20 Megapixel, mit WLAN, Blitz, 3-Zoll-Amoled-Bildschirm, diversen Aufnahme-Modi, inklusive 18-bis-55-Millimeter-Objektiv, 1199 Fr.

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