Smartwatch, wie weiter?

Auch die neuste smarte Uhr von Samsung ist noch weit vom Ziel entfernt. Sie zeigt aber, wohin die Reise gehen könnte.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Technologiekonzerne versuchen sich mit immer neuen Smartwatches zu überbieten. Allen voran der Grosskonzern Samsung. Innerhalb von weniger als einem Jahr haben die Südkoreaner vier Smartwatches auf den Markt gebracht. Doch nach einem Wochenende mit ihrem neusten Modell ist klar: Das kann es noch nicht gewesen sein.

Das Design des Gear-Fit-Armbands ist gefällig und wirkt mit seinem gekrümmten Touchscreen ähnlich futuristisch wie das erste iPhone 2007. Etwas dünner hätte die Smartwatch dennoch ausfallen dürfen. Bei den Funktionen enttäuscht die Gear Fit nicht. Das Armband mit Bildschirm zählt Schritte, misst, ob man ruhig schläft, informiert über Anrufe aufs Handy und misst den Puls. Mit dem Pulssensor auf der Innenseite hat Gear Fit, im Gegensatz zu den meisten anderen Armbändern, ein zwingendes Argument, um am Körper getragen zu werden. Andere Fitnessarmbänder messen einfach Bewegungen. Das kann ein Smartphone dank Apps wie Moves kostengünstiger – vorausgesetzt man trägt es mit sich.

Leider macht Samsungs Armband aber zu wenig aus seinen zahlreichen Sensoren. Man muss der Uhr sagen, dass sie jetzt den Puls messen soll, dass man jetzt auf eine Radtour geht und diese bitte aufgezeichnet werden soll und dass man jetzt dann gleich einschläft, damit die Bewegungen im Schlaf gemessen werden. Smart ist das nicht. Mit all den Daten, die die Gear Fit erfassen kann, sollte sie dem Träger immer einen Schritt voraus sein und ihm mit Automatismen Arbeit abnehmen. Zumal es immer noch zwei Hände zum Bedienen einer Smartwatch braucht. Eine untätige Hand mit der Uhr dran, eine zum Drücken der Knöpfe. Im Test war es mangels freier Hand hin und wieder sogar nötig, die Uhr mit der Nasenspitze zu bedienen.

Es wartet noch viel Arbeit

Das Beispiel zeigt, dass bei der Bedienung von Handgelenk-Computern noch einiges an Arbeit auf die Ingenieure wartet. Die einfachste Lösung wäre, die Sensordaten besser zu nutzen und die Funktionen weiter zu reduzieren, sodass komplizierte Menüs mit vielen Klicks oder komplexe Sprachbefehle überflüssig werden. Für alles, was über einen einfachen Klick hinausgeht, käme das verbundene Smartphone zum Zug (auf das fast alle Smartwatches und Fitnessarmbänder sowieso angewiesen sind).

In die Richtung dürfte die Entwicklung weitergehen. Verschiedene Gerüchte deuten darauf hin, dass Apple ebenfalls daran forscht und besonders an Körper-Sensoren interessiert ist. Ob es dann aber eine iWatch mit Touchscreen und Apps oder doch ein simpleres iBand, vielleicht sogar ohne Bildschirm, wird, ist alles andere als sicher.

Interessant ist aber, dass der Sportartikelhersteller Nike laut Medienberichten sein 2012 lanciertes Fitnessarmband einstellen und künftig ganz auf Software setzen möchte. Ob die Nike-Strategen (Apple-Chef Tim Cook sitzt im Verwaltungsrat) bereits gesehen haben, was Apple plant? Fest steht, die Puzzleteile liegen bereit, jetzt muss sie nur noch jemand richtig zusammensetzen. Dass Apple dafür ein Händchen hat, hat das Unternehmen mehrfach bewiesen. Vielleicht führt aber auch die Samsung-Methode zum Ziel: So lange neue Modelle veröffentlichen, bis die Erfolgsformel gefunden ist.

Erstellt: 19.05.2014, 09:46 Uhr

Artikel zum Thema

Der Erste ist nicht immer der Beste

Analyse Was haben Journalisten und Technologiekonzerne gemeinsam? Der Grat zwischen zu früh und zu spät ist schmal. Das zeigt sich an der weltgrössten Handy-Messe mehrfach. Eine Bilanz. Mehr...

Zwischen Schein und Innovation

An der Internationalen Funkausstellung in Berlin werden die neusten Trends der Unterhaltungselektronik vorgeführt. Nicht alle werden halten, was sie versprechen. Mehr...

Das können Samsungs neue Uhren

Hintergrund Nach nicht einmal einem Jahr schicken die Südkoreaner die Nachfolger der Galaxy Gear ins Rennen. Mehr...

Rafael Zeier

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Mit Augenringen: Kinder präsentieren in der Shougang-Eishockey-Arena Bing Dwen Dwen das Maskottchen der Winterspiele 2022 in Peking. (17. September 2019)
(Bild: Xinyu Cui/Getty Images) Mehr...