Spielkonsole: Apple wagt den nächsten Anlauf

Der iPhone-Konzern hat schon mehrfach versucht, die Hersteller von traditionellen Konsolen unter dem TV zu verdrängen. Dieses Mal sieht es vielversprechender aus.

Doch noch Freunde geworden: Sonys Playstation-Controller und der Apple TV.

Doch noch Freunde geworden: Sonys Playstation-Controller und der Apple TV. Bild: Rafael Zeier

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Wenn es um die grössten Technikflops aller Zeiten geht, taucht regelmässig auch der Apple Pippin in den Listen auf. Die Spielkonsole sollte Mitte der 90er-Jahre den Playstations, Segas und Nintendos Konkurrenz machen. Doch das gelang nicht. Der Pippin wurde 1997 eingestellt.

In der Folge baute der zurückgekehrte Steve Jobs die Firma um und landete mit dem iMac den ersten Erfolg. Es folgten iPod, iPhone, iPad usw.

An einer Spielkonsole versuchte sich Apple erst 2015 wieder. Der damals vorgestellte Apple TV (die Box, nicht der fast gleichnamige Streamingdienst) wurde an der Präsentation ausführlich als Spielkonsole vorgestellt. Ja, man kann damit Filme schauen, aber schaut mal, er ist auch ein Nintendo Wii, war die Botschaft von Apple. Möglich machten das Apps.

Dank dem App Store und unzähligen Spiele-Apps war Apple längst eine Macht im globalen Spielemarkt geworden. Da müsste es doch ein Leichtes sein, diesen Erfolg bei mobilen Geräten auch auf den TV zu bringen, dachte man sich wohl in Cupertino.

Gute Box, enttäuschende Konsole

Der Apple TV wurde eine gute TV-Box, aber eine enttäuschende Spielkonsole. Einerseits scheuten Entwickler den Aufwand, ihre Spiele für den TV anzupassen, und vor allem machte den Nutzerinnen und Nutzern die Bedienung keine Freude. Die beigelegte Fernbedienung eignete sich ausgesprochen schlecht für Spiele und einen richtigen Controller, wie bei anderen Konsolen im Preis inbegriffen, musste man sich extra kaufen. Dass Apple auch nur speziell lizenzierte Controller zuliess, kam bei Spielern ebenfalls schlecht an.

Ein Jahr später präsentierte Nintendo die Switch, eine Mischung aus Tablet und Spielkonsole. Anders als Apple gelang es Nintendo, alles unter einen Hut zu bringen: einfache Bedienung, mobiles Spielen, stationäres Spielen, Entwickler und vor allem Gelegenheitsspieler. Genau das, was Apple ein Jahr früher versprochen hatte, löste Nintendo ein. Apple hatte das Nachsehen.

Doch nun wagt Apple nochmals einen Anlauf. Und dieses Mal sieht alles nicht nur vielversprechend aus, die Vorzeichen stehen bedeutend besser. Besonders drei Ankündigungen (und keine davon ein neues Apple-Gerät) könnten das Blatt doch noch wenden:

  • Im März kündigte Apple nebst einem TV-Streamingdienst auch ein Abo für iOS-Spiele an. Apple Arcade bietet (voraussichtlich) ab Herbst gegen eine (noch unbekannte) Monatsgebühr Zugang zu (anfangs) «über 100» werbe-, abzock- und spionierfreien Spielen. Anders als beim letzten Anlauf arbeitet Apple nun mit zahlreichen Entwicklerstudios zusammen, um Exklusivtitel speziell für die neue Plattform zu produzieren. Laut Medienberichten soll der Konzern dafür rund eine halbe Milliarde Dollar in die Hand genommen haben.

  • Diesen Juni präsentierte Apple an der eigenen Entwicklerkonferenz das Projekt Catalyst. Damit wird es für Programmierer möglich, iOS-Apps mit relativ wenig Aufwand auch auf den Mac zu bringen. Gerade für Spielehersteller könnte das verlockend sein. Man entwickelt das Spiel wie gehabt für iOS und kann es dann auch auf dem Mac anbieten.

  • Am lautesten wurde an derselben Entwicklerkonferenz aber eine andere Neuerung bejubelt: Mit der neuen Softwareversion iOS 13 wird es möglich, die Controller der Playstation und der Xbox mit iPhones, iPads und vor allem dem Apple TV zu verbinden (Controller von Nintendo allerdings nicht). Wer schon eine aktuelle Sony- oder Microsoft-Konsole hat, kann denselben Controller ab Herbst auch mit seinen Apple-Geräten nutzen. Und wer einen Controller kaufen möchte, hat nun mehr Auswahl und vor allem auch günstigere Optionen.

Insbesondere die letzte Neuerung klingt auf den ersten Blick eher nebensächlich, doch seit Apple das neue iOS als Vorabtestversion veröffentlicht hat, sind schon zahlreiche Videos und Erfahrungsberichte ins Netz gestellt worden: So wird etwa das iPad zur mobilen Spielstation für den Welterfolg «Fortnite» oder auf dem Apple TV bekommen Spiele, die mit der Fernbedienung mehr Ärger als Spass waren, doch noch eine zweite Chance.

Wenn es Apple gelingt, dieses Momentum mitzunehmen, sich der Start von Apple Arcade nicht verzögert und der Abopreis nicht zu hoch ist, könnte es dieses Mal tatsächlich noch etwas werden mit Apple, Spielen und Konsolen.

Falls nicht, dürfte Apple dank Spielen wie «Candy Crush» aber auch weiterhin reichlich Geld verdienen. Da wurde gerade gestern bekannt, dass von den 270 Millionen weltweiten Spielern rund 9 Millionen täglich zwischen 3 und 6 Stunden spielen und 400'000 sogar über 6 Stunden. Dabei dürfte auch der eine oder andere Dollar für Apple abfallen.

Erstellt: 27.06.2019, 18:26 Uhr

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