Auf dem Weg zum Apple-Mega-Abo

Nach der Präsentation von TV+ und anderen Services bleiben viele Fragen offen. Ein grosser Trumpf bleibt dem Konzern.

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Das Erstaunlichste am Apple-Event vom Montag war einerseits die markante und symbolträchtige Kurskorrektur weg vom Gadget-Verkäufer hin zu einem Dienstleister und Serviceanbieter. Andererseits aber auch, wie unkonkret alles blieb. Bei Technik-Experten wie bei Hollywood-Kennern waren nach dem Event mindestens so viele Fragen offen wie vorher.

Gerade was Preise, Umfang und Verfügbarkeit angeht, hat sich Apple auffällig und ungewohnt ausgeschwiegen. Ist Apples TV-Dienst nun ein Netflix-Konkurrent mit allem drum und dran, ein kleiner, aber feiner Streamingkanal mit ein paar wenigen, dafür hochwertigen Serien oder doch eine Plattform, auf der sich verschiedene Anbieter tummeln können?

Je nachdem, wen man fragt, fällt die Antwort anders aus. Die Wahrheit wird wohl irgendwo dazwischen liegen, aber solange man das komplette Angebot und den Preis nicht kennt, ist und bleibt alles Spekulation.

Noch nicht fix?

Branchenkenner munkeln aber auch, dass Apple wohl selbst noch nicht alles fix entschieden hat und dass wohl noch verschiedene Verhandlungen im Hintergrund laufen. Letzteres könnte auch erklären, warum Apple mit der Präsentation der neuen Dienste nicht bis im Herbst gewartet hat. Der Event im architektonisch beeindruckenden Steve Jobs Theatre mit dem Schaulaufen der Hollywood-Stars als Beweis, wie ernst man es mit dem Fokus auf Services meint, und um Verhandlungspartner zum Einlenken zu motivieren?

Fest steht nun auf jeden Fall, dass es Apple ernst ist mit der neuen Strategie. Services sollen nicht länger Beigemüse zu Hardware-Verkäufen sein. Ob diese Strategie aufgeht, ist freilich offen. Apple hat zwar mit Apple Music gezeigt, dass der Konzern einem etablierten Streamingdienst, in diesem Fall Spotify, Paroli bieten kann.

Andererseits ist Apple schon mehrfach an der Lancierung von Services und Diensten gescheitert. So gelang es dem ersten iPad nicht, Magazine ins Digital-Zeitalter zu überführen, und Apple Music wurde nie zum sozialen Netzwerk für Musikfans.

Risiko-Spiele

Von den drei vorgestellten Abos dürfte das rund um Games das riskanteste Unterfangen sein. Gegen eine noch unbekannte Monatsgebühr bekommt man Zugang zu einem Katalog von erst mal 100 Spielen für iOS, macOS und die Apple-TV-Box. Dass Leute für Musik und Videos Abos abschliessen, haben Spotify und Netflix längst bewiesen. Bei Computerspielen wird Apple gerade im Massenmarkt Pionier- und Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Schon einmal hat sich Apple in neuerer Zeit vorgenommen, den Spielemarkt umzukrempeln. Bei der Lancierung der aktuellen Apple-TV-Box hat der Konzern ausführlich vorgeführt, wie damit ähnlich wie mit der Wii-Konsole von Nintendo gespielt werden kann.

Doch daraus ist bis heute nichts geworden. Die Fernbedienung eignet sich denkbar schlecht für Spiele, und speziell lizenzierte Controller muss man sich extra kaufen. Doch vor allem blieb die Unterstützung der App-Entwickler aus. Nur wenige machten sich die Mühe, ihre Spiele für die TV-Box anzupassen und freizugeben.

Zweiter Anlauf

Nun will das Apple mit einem zweiten Anlauf und einem sicher beachtlichen Budget selber in die Hände nehmen. In enger Zusammenarbeit mit Spieleentwicklern werden die Exklusivspiele hergestellt.

Die ersten Titel des Game-Abos namens Apple Arcade sehen bereits vielversprechend und massentauglich aus. Ob sie für Gelegenheitsspieler aber nicht zu ambitioniert und für Hobbyspieler zu wenig ambitioniert sind, wird sich zeigen, wenn der Dienst voraussichtlich im Herbst auf den Markt kommt und nicht, wie bei Computerspielen nicht selten der Fall, Verspätung hat.

Ein interessanter Nebenaspekt von Apple Arcade: Voraussichtlich werden die darin enthaltenen Apps nicht einzeln zum Verkauf angeboten. Wer eines der Spiele will, braucht ein Abo.

Aus 5 mach 1

Sollten dereinst alle angekündigten Abos hierzulande erhältlich sein, kommt man auf insgesamt fünf Apple-Abos. Nämlich: Musik, Video, News, Spiele und Cloudspeicher.

Die Vermutung liegt auf der Hand, dass Apple diese Abos zu einem grossen, vielleicht Apple+ genannten Abo bündeln wird. Ja, die Präsentation vom Montag schien genau auf diese Ankündigung hinauszulaufen. Doch stattdessen stellte Oprah Winfrey zum Finale ein paar wohltätige TV-Projekte vor.

Man hätte sich stattdessen sehr gut vorstellen können, wie Tim Cook zum Schluss auf die Bühne kommt und sagt: «Wow, was für tolle Dienste wir heute gesehen haben. Aber wir haben noch one more thing. Alle Dienste zusammen würden 100 Dollar pro Monat kosten. Doch dank Apple+ sind es nur 50 Dollar! Kein Konkurrent hat ein vergleichbares Angebot. Das ist etwas, was nur Apple kann.»

Tatsächlich könnten Amazon, Google oder Microsoft auch etwas Vergleichbares auf die Beine stellen. Aber Anbieter wie Netflix, Spotify oder Nintendo können das nicht.

Apples bester Trumpf

So gesehen ist klar, dass Apple diesen Trumpf eher früher als später spielen wird. Wenn man dann als Abonnent einen vielleicht nicht so umfangreichen Streamingdienst wie Netflix automatisch dazu bekommt, dürfte sich die eine oder der andere zweimal überlegen, ob man das Netflix- oder Spotify-Abo noch braucht. Apple+ reicht ja eigentlich, nicht?

In einem zweiten Schritt könnte Apple gar den besten aller Trümpfe in das Abomodell einbringen: die Geräte. Mit iPhone+ bekommt man alle zwei Jahre ein neues iPhone und hat alle Abodienste des Konzerns auch schon dabei. Natürlich gegen einen saftigen Aufpreis.

Noch teurer wäre dann das Apple++-Abo mit Macs, iPads, Uhren und Kopfhörern auch noch dabei. Das Rundum-sorglos-Abo für die grössten Apple-Fans wäre die Vollendung der Wandlung des Konzerns vom Gadgets-Verkäufer zum Dienstleister.

Erstellt: 26.03.2019, 16:28 Uhr

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