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«Datenverkauf ist ein absolutes No-go»

Am zweiten TA-Forum «Algorithmus» stand das die Datensicherheit im Zentrum der Referate und Debatten.

Geheimdienst-Chef Markus Seiler gibt im Gespräch mit Michael Marti Einblick in die Arbeitsweise des Nachrichtendiensts des Bundes.

Big Data schreibt die Businessregeln neu: Big Data wird zur Schlüsseltechnologie und zwingt KMU ebenso wie Konzerne, bestehende Prozesse und Strategien zu überdenken. Denn Big-Data-Quellen wie Smartphones oder Sensoren sind bereits allgegenwärtig und tief in Gesellschaft und Wirtschaft vorgedrungen. Jeder Klick wird gespeichert, jeder Warenkorb – egal ob on- oder offline – analysiert. Keine Branche, die nicht neue disruptive Geschäftsmodelle hervorbringt. Keine Branche, für die Big Data nicht wirtschaftliches Potenzial und juristische Fragen bedeutet.

Im Kunsthaus in Zürich sprechen am 5. November hochkarätige Gäste über die neue Herausforderung. Moderiert wird der Anlass von den «Tages-Anzeiger»-Mitarbeitern Michael Marti, Leiter Digital und Mitglied der Chefredaktion, und Michèle Binswanger, Autorin und Bloggerin, sowie von Barnaby Skinner, Journalist bei der «SonntagsZeitung».

Auftakt: Der NDB-Chef im Gespräch

In seinem Referat sprach NDB-Chef Markus Seiler über die Folgen der NSA-Affäre. Die klassische Abwägung zwischen Sicherheit und Kosten tendiere zurzeit zur Seite der Sicherheit – die Anforderungen würden steigen. Darauf zielten auch die politischen Akteure, so Seiler.

Die Menge der durch den Bund fichierten Daten habe abgenommen, so Seiler.

Laut Seiler ist die Schweizer Gesetzgebung von der Fichenaffäre geprägt, gerade bei Themen wie Abhören und Verwanzen. Mit einem neuen Nachrichtendienstgesetz wolle man hier Hürden abbauen. Wenn ein Gericht und der Bundesrat es wollten, solle dies in «wenigen Fällen» vereinfacht werden. Man wolle mit dem neuen Gesetz aber nicht in Richtung Big Data gehen. «Wir wollen die Nadel, nicht den Heuhaufen.» Ein «grosser Lauschangriff» sei kein Thema.

«Wir sind nicht die Feinde des Datenschützers»

«Wir sind nicht die natürlichen Feinde des Datenschützers», so Seiler. Der Geheimdienst sei auch Kontrollen unterworfen. Durch den NDB erhobene Daten müssten regelmässig auf «Erheblichkeit» und «Richtigkeit» geprüft werden. Man operiere in einem engen rechtlichen Korsett und setze sich gerade nicht über die Gesetzgebung hinweg.

Wenn es um Sicherheit der eigenen Daten gehe, seien Firmen und Nutzer selbst in Pflicht, so Seiler. Dies gerade in der Frage, welchen Dienstleistern sie vertrauen.

Frage: Datensicherheit als Standortfaktor? Laut Seiler könnte die Schweiz ein attraktiver Hort für Daten sein, die besonders gesichert gelagert werden sollen.

Best Practices

Anschliessend wurden unterschiedliche Big-Data-Anwendungen aus der Schweiz präsentiert und von juristischen Experten kommentiert.

Big Data im Unternehmenseinsatz

An der Paneldiskussion nahmen teil: Nicolas Bürer von Joiz, Jean-Pierre König (YMC und Swiss Big Data User Group), Gabriele Ottino von Tamedia und Wolfgang Zimmermann (Migros Genossenschaftsbund). Es moderiert Michèle Binswanger. Die Kernfrage des Panels: Wie wird Big Data zu «Big Business»?

Gabriele Ottino sieht Anwendungen im Kennenlernen der Bedürfnisse von Kunden.

Im Einzelhandel ist mit dem sogenannten Geofencing ein Trend zur Beobachtung von Kaufverhalten im Anzug:

Es gibt auch kritische Fragen aus dem Twitter-Publikum, etwa: Ab wann ist das Sammeln von Daten blosser Selbstzweck?

Für den Jugend-TV-Sender Joiz stehen eine Modernisierung des Fernsehverhaltens und die Interaktion mit den Zuschauern im Fokus.

Wenn ein Unternehmen Big Data als Thema entdeckt, löse das oft erst einmal Reibung in der Firmenkultur aus, so Jean-Pierre König.

Bei der Frage nach konkreten finanziellen Gewinnen aus dem Sammeln von Daten sehe es bislang noch mager aus.

Gefragt danach, ob es legitim sei, gesammelte personenbezogene Daten weiterzuverkaufen, ist sich die Runde einig: Das sei ein No-go.

Live-Tweets zum Forum Algorithmus

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