«Der Sensor unter der Matratze merkt, wenn man einschläft»

Digitalredaktor Rafael Zeier hat sich an der IFA in Berlin nach Gadget-Trends umgesehen. Und viel Miniaturisierung entdeckt.

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Dein Spezialgebiet sind ja Smartphones und Smartwatches. Was gab es da Neues zu sehen?

Grosse Sprünge auf jeden Fall nicht. Eher kleine Neuerungen wie der druckempfindliche Touchscreen von Huawei oder der 4K-Bildschirm beim Sony-Smartphone Z5 Premium. Da merkt man schon, dass ein Entwicklungsplateau erreicht wurde. Bei den Uhren sieht man das Gegenteil. Da experimentieren alle munter weiter. Am besten sieht man das bei Samsung; dessen siebte und achte Smartwatch in zwei Jahren haben mit den Vorgängern kaum noch etwas gemein.

Sonys neues Riesenhandy mit seiner 4K-Auflösung – wird das der neue Standard?

Ich muss ganz ehrlich sagen, hätte da nicht gross «4K» daneben gestanden, ich hätte es wohl nicht gemerkt. Klar, das Bild ist sehr scharf. Aber ich bin mit meinem normalen HD-Bildschirm noch immer ganz zufrieden. Da sich Hersteller allerdings ständig mit noch höheren Werten übertreffen wollen, wird 4K wohl irgendwann auch auf Handys Einzug halten. Entscheidend wird dabei sein, dass der Bildschirm nicht den Akku leersaugt. Da darf man gespannt sein, wie gut das Sony gelungen ist.

Welches war dein Lieblingsmodell?

Ich habe eine Schwäche für das nüchterne Sony-Design. Darum verwende ich privat immer noch das inzwischen zweijährige Z1. Die neuen Z5-Modelle gefallen mir deutlich besser als die runderen Vorgänger vom letzten Jahr. Auch Huawei hat ein schönes und hochwertiges neues Handy gezeigt. In dem Bereich haben Android-Hersteller in den letzten Jahren wirklich zugelegt.

Bei den Smartwatches: Zeichnen sich da mehr Alltagstauglichkeit, längere Batteriezeiten oder anderes ab?

Von allem ein bisschen. Es gibt viele spannende Neuerungen. Aber die sind über verschiedene Geräte und Hersteller verteilt. Die Lünette, also der Drehring um das Zifferblatt, ist bei Samsungs Galaxy Gear S2 wirklich gelungen. Damit bedient man die Uhr schnell und intuitiv. Sollte die Uhr tatsächlich zwei bis drei Tage ohne Aufladen auskommen, wäre das auch sehr willkommen. Andererseits machen beide Ausführungen keinen hochwertigen Eindruck. Ich als Uhrenfan bin da natürlich etwas überheikel. Sie erinnern mich vom Gefühl und vom Gewicht eher an Swatchmodelle als an teurere Uhren. Da Samsung den Preis noch nicht verrät, kann man dazu aber nicht viel mehr sagen.

Und die anderen Hersteller?

Insgesamt fällt auf, dass die Miniaturisierung grosse Fortschritte gemacht hat. Die Pulssensoren bei zahlreichen Smartwatches sind deutlich kleiner geworden als noch vor einem halben Jahr. Das lässt Platz für mehr Akku oder andere Chips. Ingenieure von Sony haben sogar ein Crowdfunding-Projekt vorgestellt, bei dem in einem Metallarmband, das man an seiner mechanischen Uhr befestigen kann, smarte Funktionen verbaut wurden. In den einzelnen Gliedern des Armbands findet man die ganze Technologie.

Die IFA ist auch eine Fernseher-Ausstellung – was konntest du da sehen?

Symptomatisch für die Sparte war LG, das als Neuerung nun auch flache Fernseher angekündigt hat. Im letzten Jahr war gebogen Trumpf – heuer wieder flach. Da kann man sich als Kunde getrost zurücklehnen und abwarten, der alte Fernseher in der Stube ist sicher noch eine ganze Weile gut genug. Dazu gabs auch erste 8K-Geräte zu sehen und das Modewort der Stunde ist HDR. High Dynamic Range soll das TV-Bild lebendiger machen.

Stichwort vernetztes Zuhause: Die Hersteller bringen mehr und mehr Haushaltsgeräte ans Netz, oder?

Samsung wirbt schon damit, dass der Fernseher im Schlafzimmer dank einem Sensor unter der Matratze merkt, wenn man eingeschlafen ist und sich dann automatisch ausschaltet. In dem Bereich gibt es bei Grosskonzernen wie kleinen Start-ups allerhand vernetzte Geräte und Sensoren zu sehen. Von der Waschmaschine bis zum Türschloss: Überall versucht jemand, eine smarte Lösung anzubieten.

Hat das denn Chancen?

Die Frage ist, wie gut die unterschiedlichen Geräte harmonieren. Es gibt viele Bestrebungen von Google, Apple oder Samsung, eine Plattform für diese Dinge zu entwickeln. Aber das sind erst Pläne. Es gilt dasselbe wie bei den Fernsehern: abwarten. Ich möchte ja nicht einen smarten Kühlschrank, der in vier Jahren nicht mehr smart ist, weil ein Hersteller die Software nicht mehr unterstützt oder sich ein anderer Standard durchgesetzt hat.

Du bist ein passionierter Selbst-Tracker – Fitnessarmbänder und so weiter – irgendwelche Hingucker?

Nicht wirklich. Motorola respektive Lenovo hat eine Variante der Moto360-Smartwatch speziell für Sportler angekündigt, die ist interessant. Und Sony hat seinen austauschbaren Smartband-Sensor mit einem Pulssensor ausgestattet: Man behält sein altes Band und kauft nur den etwa 3 Zentimeter grossen Sensor. Auch hier profitieren die Hersteller von der Miniaturisierung.

Erstellt: 04.09.2015, 13:00 Uhr

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