Die Airpods Pro im Alltagstest

Apples drahtlose Kopfhörer gibt es nun auch in einer teureren Ausführung mit mehr Funktionen. Wir haben sie getestet.

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Design ist bekanntlich nicht nur, wie etwas aussieht, sondern vor allem auch, wie es funktioniert. Gerade was Letzteres angeht, sind Apples Airpods von 2016 ein Volltreffer. Wenn man bedenkt, wie komplex drahtlose Kopfhörer sind, ist es erstaunlich, wie erfreulich, zuverlässig und vor allem kinderleicht die Airpods funktionieren.

In unserem Haushalt sind die Airpods gerade beim Jüngsten (bald zwei) sehr gefragt. Wenn man nicht aufpasst, schnappt er sie und kann die längste Zeit mit dem Schächtelchen und den magnetischen Kopfhörern spielen.

Auf, zu, auf, zu...

Airpods rein, Airpods raus, Airpods rein, Airpods raus...

Klipp, klapp, klipp, klapp...

Dass man damit auch Musik hören und sie in die Ohren stecken könnte, interessiert ihn kein bisschen. Aber wehe, man nimmt ihm das geliebte Spielzeug weg.

Tauschen?

Da trifft es sich gut, dass wir aktuell mit den Airpods Pro ein zweites Kopfhörer-Schächtelchen von Apple haben. Würde der Junior im Tausch dafür die geliebten Uhi (so nennt er die Airpods; wie er auf den Namen kam, wissen wir auch nicht) ohne Protest abgeben?

Fehlanzeige. Das etwas grössere Schächtelchen der Airpods Pro interessiert ihn nicht. Legt man ihm beide hin, schnappt er sich zuverlässig das kleinere. Gibt man ihm nur das grössere Schächtelchen, verliert er schnell das Interesse. Denn die neueren, teureren und besseren Kopfhörer hüpfen nicht mehr wie fast von selbst in die richtige Ladeposition.

Was der Junior bemerkt hat, ist mir natürlich auch aufgefallen. Die neuen Airpods Pro (oder müsste es nicht eigentlich Airpod Pros heissen?) sind durchs Band nicht mehr so elegant und einfach wie ihre günstigeren, nicht Pro-Geschwister.

Sie sind komplexer und erinnern mich daran, wie ich mir Apple-Kopfhörer vorgestellt habe, bevor die Airpods im September 2016 der Welt präsentiert wurden. Ich dachte damals, die Airpods könnten mehr, wären teurer und würden konventioneller aussehen.

Raumschiff Enterprise lässt grüssen

Die Pro-Airpods sehen futuristischer und etwas mehr nach Raumschiff Enterprise aus. Der kürzere und leicht gebogene Stummel ist etwas weniger auffällig.

Deutlich auffälliger sind die neuen Gummispitzen. Die kann man nun austauschen. Je nach Ohr kann man sich für gross, mittel oder klein entscheiden. Wer bislang Mühe mit den Airpods hatte, dürfte nun mit grosser Wahrscheinlichkeit ein passendes Paar finden.

Garantiert ist das aber nicht. Darum empfiehlt es sich, auch die Airpods Pro vor dem Kauf zu testen, so man die Möglichkeit hat. In meinem Fall sassen schon die normalen Airpods perfekt. Auch bei den Pro-Airpods habe ich nichts auszusetzen.

Passen perfekt

Die schon vormontierten mittleren Silikonspitzen passen perfekt. Ich komme also gar nicht auf die Idee, die mitgelieferten anderen Grössen zu probieren. Wer sich nicht sicher ist, ob die Airpods perfekt sitzen, kann das kontrollieren. In den Bluetooth-Einstellungen (ohne einen Tipp hätte ich dort nie danach gesucht) kann man neben den Airpods Pro auf das kleine «i» drücken und findet ein ausführliches Menü und die Option «Passtest für Ohreinsätze».

Der Test dudelt etwas Musik und vermeldet dann entweder, dass die Ohreinsätze korrekt sitzen oder man sie etwas anders ins Ohr drücken oder gar andere Aufsätze wählen soll.

Der grosse Wow-Moment kommt aber, noch bevor man auf die Idee kommt, die Passgenauigkeit zu testen. Setzt man die Kopfhörer das erste Mal ein, wird es schlagartig still. Die Lärmunterdrückung (Noise Cancelling) setzt sofort ein und funktioniert viel besser, als ich es von so kleinen Kopfhörern erwartet hätte.

Grosse Sony, kleine Airpods

Privat habe ich mir vor einem Jahr die Sony MX3 gekauft und gäbe sie nicht mehr her. Ihr einziger Nachteil: Es sind Bügelkopfhörer, und als solche sind sie gross und häufig im Weg. Darum entschied ich mich häufig dann doch lieber für die Airpods und verzichtete auf Lärmunterdrückung zugunsten von Bequemlichkeit.

In meinen bald zwei Wochen mit den Airpods Pro war ich mit der Lärmunterdrückung mehr als zufrieden. Aus Jux war ich damit sogar am 11. November am Fasnachtsanfang. Ganz weg brachten die Airpods die Guggenmusik zwar nicht, aber beeindruckend war die Leistung alleweil.

Fast wie ohne Kopfhörer

Eine andere Funktion der Airpods Pro ist aber noch beeindruckender. Wie meine grossen Sony-Kopfhörer haben auch die Apple-Kopfhörer einen Modus, bei dem Aussengeräusche verstärkt werden. So kann man etwa in der Stadt gut Musik hören und läuft nicht Gefahr, ein Auto oder Fahrrad zu überhören.

Bei Apple heisst das Transparenzmodus, und es funktioniert gefühlt noch besser als bei Sony. Während ich bei den Sony-Kopfhörern das Gefühl habe, via die Mikrofone würden einfach Aussengeräusche über die Musik gelegt, klingt es bei Apple, als würde alles noch mal neu abgemischt. Musik und Aussengeräusche stören sich weniger. Ja, es ist richtig angenehm. Man kann im Transparenzmodus gut mit Leuten sprechen und parallel Musik hören.

Einzig, wenn man eine Kappe trägt und die an den Airpods scheuert, stören Ripsch- und Kratzgeräusche den Transparenzmodus. Auch ein Ohrring (wie beim Kollegen Matthias Schüssler beobachtet), der an die Airpods schlägt, kann den sonst gelungenen Eindruck stören.

Komplexere Bedienung

Mit diesen verschiedenen Klang-Modi steigen auch die Ansprüche an die Bedienung der neuen Kopfhörer. Bislang waren die Airpods angenehm minimalistisch. Man konnte dran klopfen, und Siri meldete sich oder der nächste Song wurde eingespielt. Je nachdem, wie man es in den Einstellungen konfiguriert hat.

Nun kann man so viel an die Airpods Pro klopfen, wie man will, es passiert nichts. Stattdessen muss man den Stummel zusammendrücken. Einmal drücken startet oder pausiert die Musik, zweimal hüpft einen Song weiter und dreimal startet den Song erneut oder hüpft zum vorangegangenen Lied. Drückt man lang, wechseln die Kopfhörer zwischen dem Geräuschunterdrückungs- und dem Transparenzmodus.

Griff an den Stummel

Auch mit nun bald zwei Wochen Übung hadere ich noch immer mit dieser neuen Bedienung. Der Stummel der Airpods ist nun bedeutend kürzer, und ich treffe die richtige Stelle mehr schlecht als recht.

Immerhin hat Apple bei der Akustik tolle Arbeit geleistet. Einerseits gaukelt einem ein Klickgeräusch sehr realistisch vor, man habe einen Knopf gedrückt. Andererseits künden zwei leicht verständliche Klangsignale an, welchen Modus man gerade aktiviert hat.

Für Geräuschunterdrückung gibt es einen dumpfen Gong und für Transparenz einen hellen offenen Klang. So ist sofort klar, welchen Modus man aktiviert hat. Bei meinen Sony-Kopfhörer kommt jeweils eine Frauenstimme, die den jeweiligen Modus ankündet. Das dauert länger und kann bei Podcasts schon mal einen entscheidenden Moment übertönen.

Aber die Stummelbedienung ist zum Glück nicht die einzige. Auf dem iPhone kann man in den Lautstärke-Einstellungen zwischen Transparenz, Geräuschunterdrückung und «Aus» wählen. Die letzte Option bieten die Kopfhörer selber nicht.

Ach, Siri!

Noch bequemer ist nach meiner Erfahrung allerdings die Bedienung über die Apple Watch. Da wechsle ich bequem zwischen den Modi, ohne am Ohr herumfummeln zu müssen. Etwas Glückssache ist es, den Modus per Siri zu wechseln. Die Sprachassistenz reagiert mal schneller, mal langsamer und hin und wieder gar nicht auf den Zuruf «Hey Siri». Im Test liess sich nur der Transparenzmodus aktivieren. Auch nach mehreren Versuchen wollte Siri nicht in den Geräuschunterdrückungsmodus wechseln.

Was Siri angeht, bieten die Pro-Airpods keine spürbare Verbesserung gegenüber den günstigeren Airpods. Wenn Siri sofort reagiert und alles richtig macht, ist das so komfortabel wie futuristisch. Allzu oft geht das mit den Sprachbefehlen aber immer noch in die Hose, dass man schon sehr technologiebegeistert sein muss, um es nach einer Panne noch mal zu versuchen.

In Sachen Klangqualität mag ich persönlich die günstigeren Airpods etwas lieber. Dort habe ich das Gefühl, näher an der Musik dran zu sein. Das ist jedoch ein hoch subjektiver Eindruck. Andere Testpersonen fanden die Pro-Airpods um Welten besser. Auch bei anderen Testberichten liest man unterschiedliche Eindrücke. Darum, wenn immer möglich, vor einem Kauf ausprobieren oder in einem Shop kaufen, wo man die Kopfhörer bei Nichtgefallen zurückgeben kann. Für mich persönlich wiegen der Lärmschluck- und vor allem der Transparenzmodus das etwas andere Klangbild mehr als auf.

Negativpunkte zu finden, ist bei den Airpods aber nach wie vor schwierig. Die erste Version war eines der besten Erst-Generationen-Techgeräte aller Zeiten. Kein Wunder, stecken Airpods heute in so vielen Ohren.

Weniger Akku

Dass der Akku mit 3,5 Stunden eine halbe Stunde weniger lang hält als bei den günstigeren Airpods, wäre mir im Alltag nie aufgefallen. Ich trage die Kopfhörer nie so lange am Stück, und im Schächtelchen laden sie jeweils flink wieder nach. Da ich das Schächtelchen im Büro immer mal wieder auf ein Drahtlosladedock lege, habe ich so gut wie nie Akkumangel. Wenn doch, kann man immer noch einen Kopfhörer nachladen und den anderen im Ohr behalten und dann nach einer Weile wechseln.

Mein Hauptproblem mit den Airpods lösen aber auch die Airpods Pro nicht. Ich habe ständig Angst, sie zu verlieren oder liegen zu lassen. Diesen Sommer war ich mir sicher, die Airpods verloren zu haben. «Finde mein iPhone» meldete, sie seien noch immer in einem Museum, obwohl wir längst zu Hause waren. Zum Glück hatte sich die Funktion gehörig vertan, und die Kopfhörer tauchten dann doch noch in einer Jackentasche auf.

Das alles müsste nicht mehr sein. Apple hat im September mit den neuen iPhones den U1-Chip vorgestellt. Der hilft, Gegenstände präzise zu orten. Aktuell kann man damit nicht viel anfangen. Bei der Airdrop-Funktion kann man einzig auf ein anderes iPhone 11 zeigen, auf das man zum Beispiel ein Foto senden möchte.

Viel nützlicher wäre so ein Chip in den Airpods. So würde man sie sofort finden und würde gewarnt, wenn man sich zu weit entfernt. Etwa, wenn man sie im Zug oder im Büro liegen lässt.

Sofern Apple den U1-Chip nicht doch noch in den neuen Airpods versteckt hat (und danach sieht es aktuell nicht aus), kommt der dann wohl in der nächsten Version der Apple-Kopfhörer. So lange muss man also noch mit der Angst leben, die fast 300-fränkigen Kopfhörer zu verlieren.

Fazit: Die Airpods Pro werden dem Pro im Namen gerecht. Sie bieten mit Lärmunterdrückung, Transparenzmodus und flexibler Passform deutlich mehr als die Standard-Airpods. Das Pro im Namen signalisiert aber auch deutlich: Das sind Zusatzfunktionen. Wer einfach nur bequeme iPhone-Kopfhörer ohne Schnickschnack möchte, fährt mit den Standard-Airpods nach wie vor sehr gut.

Ausblick: Apples Quartalszahlen zeigen es immer wieder, die Airpods sind ein Hit. Zusammen mit der Apple Watch sorgen sie immer wieder für Erfolgsmeldungen. Dass Apple konsequenter als alle anderen Techkonzerne auf tragbare Technologie setzt, zahlt sich aus. Sollte dereinst ein Sammelsurium an Geräten das Smartphone ablösen, müssen diese perfekt harmonieren. Von den grossen Techkonzernen ist Apple aktuell am nächsten an so einer Zukunft dran. Gerade der Transparenzmodus zeigt, wie künftig Computerkopfhörer funktionieren könnten, die man den ganzen Tag im Ohr hat. Wo Apple die nächsten Jahre nachbessern muss, ist bei der Software (oder künstlichen Intelligenz), die all diese Geräte verbindet. Die muss noch bedeutend schlauer und benutzerfreundlicher werden. Aber so viele Minicomputer an Handgelenken und in Ohren sind schon mal ein vielversprechender Anfang.

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Erstellt: 13.11.2019, 13:12 Uhr

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