Profi-Funktionen zum Mittelklasse-Preis

Sonys neuste Kamera ist nicht die spektakulärste im Sortiment, aber eine der vernünftigsten. Wir haben sie ausprobiert.

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Mist! An alles hatte ich gedacht. Ja sogar ein Micro-USB-Kabel hatte ich dabei. Doch dann will ich spätabends die Videodateien von der A6400 aufs iPad Pro übertragen und merke: Ich hätte auch ein Micro-USB-auf-USB-C-Kabel einpacken sollen. Mist! Würde mein Alltagstest an so was Dummem scheitern?

Ein paar Tage vorher bekam ich von Sony die neue A6400 (ab 1000 Franken). Die spiegellose Systemkamera fällt bei Sony in die Kategorie der Mittelklasse. Sie ist ein Nachfolger der A6000 (ab 400 Franken) von 2014, die ich auch heute immer noch für preisbewusste Anfänger empfehle.

Bald ein Budget-Tipp?

Die Rolle der neuen A6400 im komplexen Kamerasortiment von Sony zu erklären, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Nur so viel: Es gibt sowohl schon für weniger Geld eine Kamera mit einem grösseren Vollformatsensor als auch für mehr Geld noch teurere Kameras mit dem gleich grossen (aber moderneren) Sensor im APS-C-Format.

Die A6400 hat allerdings das Zeug dazu, in den nächsten Jahren, wenn der Preis noch etwas weiter sinkt, der neue Budget-Tipp im Sony-Sortiment zu werden. Sie hat alles, was Anfänger und ambitionierte Hobbyfotografen gleichermassen schätzen. Der Fokus ist rasend schnell, zuverlässig und kann bequem auf Augen scharf stellen (siehe Box). Die Bildqualität genügt auch hohen Ansprüchen und lässt jedes Smartphone deutlich hinter sich.

Der Bildschirm klappt

Zum ersten Mal in dieser Preisklasse hat eine Sony-Kamera einen Bildschirm, den man so kippen kann, dass man sich selber filmen oder fotografieren kann. Das motivierte mich dann auch zu meinem Alltagstest. Ich wollte herausfinden, ob sich die Kamera dank dem Kippbildschirm für mich als Anfänger dazu eignet, ein kleines Reportage-Filmchen von der Präsentation des Galaxy Fold zu machen.

An der Veranstaltung selbst gefiel die Kamera sehr. Sie ist leicht, schnell und zuverlässig. Dank dem Klappbildschirm gelang es mir ohne Stativ, ein paar Sätze in die Kamera zu sagen, und dank dem Mikrofonanschluss konnte ich mein bewährte Ansteckmikrofon ohne Probleme nutzen.

Ein Objektiv für alle Fälle

Gefallen hat in dem Zusammenhang auch das zusammen mit der Testkamera ausgeborgte Objektiv. Das 18–135mm-Zoomobjektiv meisterte alle Anforderungen und gefiel mir deutlich besser, als ich es anfangs vermutet hätte. Schliesslich bin ich kein grosser Fan von Zoom-Objektiven, und schon gar nicht von solchen, die einen so grossen Zoom-Bereich abdecken. Aber als Allrounder kann man das Objektiv gut empfehlen. Einzel kostet es etwas über 600 Franken. Wenn man es zusammen mit der Kamera kauft, ist es etwas billiger.

Mit den geschossenen Fotos und den Videoaufnahmen kam ich spätabends im Hotel an – und dann landete ich in der Sackgasse. Anders als meine private Sony-Kamera hat die A6400 (aus Kostengründen?) keinen USB-C-Anschluss und nur den veralteten Micro-USB-Standard.

Kabelärger

Um die Dateien damit auf mein iPad zu bringen, hätte ich ein Micro-USB-auf-USB-C-Kabel gebraucht. Zu nachtschlafender Zeit war das nicht zu beschaffen. Einen SD-Karten-Adapter fürs iPad hatte ich auch nicht.

Doch halt, das war die Lösung! Ich hatte ja meine private Kamera auch dabei. Also die SD-Karte aus der A6400 in meine Kamera und per USB-C-auf-USB-C-Kabel alles aufs iPad übertragen.

Geschnitten waren die Aufnahmen schnell, die 4K-Qualität gefiel, und so war das Video, wie den Kollegen auf der Redaktion versprochen, in den frühen Morgenstunden online.

Fazit: Die A6400 ist nicht die spektakulärste Kamera im Sony-Sortiment, aber eine der vernünftigsten. Wenn der Preis noch weiter sinkt und Sony sie weiter produziert, könnte sie die A6000 in den nächsten Jahren als meine Budget-Empfehlung ablösen. Auch im Konkurrenz-Vergleich braucht sich die Sony nicht zu verstecken. Sie kann in allen Kategorien mithalten, und gerade beim Autofokus dürfte sie in der Preisklasse auch noch eine ganze Weile zum Spitzenfeld gehören.

Haben Sie Fragen zur neuen Sony-Kamera oder zu Kameras im Allgemeinen? Unser Autor beantwortet sie gerne auf Twitter.

Erstellt: 09.05.2019, 18:16 Uhr

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Augen-Autofokus

Die A6400 ist die erste Sony-Kamera, die den verbesserten Augen-Autofokus bereits eingebaut hat. Wenn man die Funktion aktiviert hat, reicht es, den Auslöser halb zu drücken und die Kamera stellt automatisch auf das prominenteste Auge im Bild scharf. Das ist ausgesprochen praktisch, wenn man Porträtfotos schiesst oder einen Kindergeburtstag dokumentiert. Das Tempo ist enorm und die Fehlerquote tief. Dank der Funktion kann man auch als Anfänger – ohne Fokuspunkte auszuwählen, manuell scharf zu stellen oder per Touchscreen den Fokus zu setzen – mit einer weit geöffneten Blende fotografieren.

Besonders löblich: Der neue Augen-Autofokus wird per Firmware-Update auch auf die neusten Top-Kameras von Sony ausgeliefert. Wer eine A7III, die A7RIII oder die A9 hat, sollte sich das Update unbedingt anschauen. Nach Jahren mit mickrigen oder gar keinen nachträglichen Verbesserungen ist das ein grosser Sprung für Sony. Auf meiner privaten A7III habe ich das Update bereits installiert, und die Kamera fühlt sich danach an wie neu. Rafael Zeier

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