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Google-Brille wird aufpoliert

Der US-Konzern will den Widerstand gegen die Computer-Brille brechen. Google Glass soll vermehrt als Arbeitshilfe für Berufsleute vermarktet werden.

Ein Arzt operiert mit Unterstützung von Google Glass. Foto: The Ohio State University
Ein Arzt operiert mit Unterstützung von Google Glass. Foto: The Ohio State University

Zwei Jahre nach der Lancierung ist der Widerstand gegen Google Glass noch ­immer weitverbreitet. Eine Mehrheit der potenziellen Nutzer in den USA hegt Sicherheitsbedenken. Restaurants, Casinos und Bars untersagen den Gebrauch, und mehrere Bundesstaaten prüfen ein Verbot für Autofahrer. Google will diese Negativspirale brechen. Die mit dem Internet verbundene Brille soll gezielt für Anwendungen im Berufsleben weiterentwickelt und damit gesellschaftlich akzeptabel gemacht werden.

Dass Google mit der Internet-Brille den Sprung in den lukrativen Massenmarkt nicht geschafft hat, ist offensichtlich. Zwei Jahre nach der ersten Präsentation der Brille ist sie noch immer nur als Versuchsprodukt zu haben. Sie kostet 1500 Dollar. Selbst Unternehmen müssen sie oft über Umwege – beispielsweise bei Ebay – beschaffen. Wie viele Brillen an ausgewählte «Explorers» vergeben wurden, ist nicht bekannt. ­Experten glauben dass erst 10'000 bis 20'000 Brillen in Umlauf sind.

Mehrere Gründe haben den Durchbruch bisher verhindert. Die Kunden hegen starke Datenschutzbedenken. 72 Prozent der Amerikaner befürchten gemäss einer Umfrage, dass Google Glass zum Absaugen persönlicher Daten missbraucht werden könnte. Dazu kommen Sicherheitsrisiken, vor allem im Strassenverkehr. Acht US-Bundesstaaten erwägen, die Brille für Autofahrer gänzlich zu ver­bieten, wodurch ein wichtiger Anwendungsbereich wegfallen würde. Und nicht zuletzt: Im privaten Umfeld wirkt Google Glass mühsam und gar ­abstossend.

Operationen mit Brille

Google setzt diesem hartnäckigen Widerstand nun eine neue PR-Kampagne entgegen. Mit dem «Glass for Work»-Programm sollen verstärkt Anwendungen für die Berufswelt entwickelt werden, auch deswegen, weil in diesem Bereich die Sicherheitsbedenken als weniger gross betrachtet werden. Im Vordergrund steht zunächst das Gesundheitswesen. Sechs Spitäler in den USA setzen die Brille bereits für ihre Ärzte ein. Die Mediziner können unter anderem Scan-aufnahmen oder Herzfunktionen auf der Brille verfolgen, während sie am Patienten operieren. Den Ärzten ist aber untersagt, Aufnahmen vom Eingriff zu machen oder die Brille ausserhalb des ­Spitals zu nützen. Dies in der Absicht, Patientendaten vertraulich zu halten.

Bereits eingesetzt wird die Brille auch von Energieunternehmen, so für die Installation von Solaranlagen auf Dächern oder das Überprüfen von Ölförderan­lagen. In solchen Fällen brauchen die Arbeiter beide Hände, müssen aber gleichzeitig Pläne oder Anleitungen abrufen können. Die Google-Brille erlaubt dies. Auch Polizei- und Feuer­wehrkorps setzten die Brille vermehrt bei Rettungs- und Notfalleinsätzen ein, unter anderem als Orientierungshilfe. Google indessen setzt alles in allem noch immer auf Vorsicht: Von mehreren Hundert Anwendungen hat der Konzern ­bislang erst etwa 40 geprüft und für gut befunden.

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