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Grüne Gefahr für das SMS-Geschäft

WhatsApp ist weltweit die populärste Anwendung für Smartphones – auch in der Schweiz.

Der Gratisdienst WhatsApp ist bei den Nutzern beliebt, nicht jedoch bei Mobilfunkanbietern.
Der Gratisdienst WhatsApp ist bei den Nutzern beliebt, nicht jedoch bei Mobilfunkanbietern.
Keystone

Jan Koum und Brian Acton lassen sich nur ungern in die Karten blicken. Sie geben keine Geschäftszahlen bekannt und deuten nur an, in welcher Richtung sie ihr Vorhaben vorantreiben wollen. «Wir wollen etwas Nützliches entwickeln. Und wir wollen keine Daten unserer Nutzer sammeln», erklärten die beiden Software-Ingenieure in einem ihrer seltenen Interviews. Anders als viele ihrer Kollegen und Konkurrenten haben sie nicht vor, ihr Unternehmen rasch an einen Hightech-Riesen zu verkaufen.

Über das Privatleben der beiden Erfinder ist praktisch nichts bekannt. Brian Acton war in den 1990er Jahren zunächst für Apple tätig, bevor er 1996 zu Yahoo wechselte und elf Jahre dort arbeitete. Vor vier Jahren suchte er eine neue Herausforderung. Er bewarb sich bei Twitter und Facebook – und wurde zweimal abgewiesen. Im 36-jährigen Jan Koum fand er schliesslich einen Gleichgesinnten. Auch Koum hatte für Yahoo gearbeitet, bevor das Unternehmen in eine Krise geriet, aus der es bis anhin nicht herausgefunden hat.

Zuerst gabs einen Flop

Die beiden entwickelten zunächst eine Anwendung für Smartphones, die den Status der Nutzer anzeigte, wenn sie gerade nicht erreichbar waren. Die Anwendung war gratis, aber erfolglos. Koum und Acton fügten eine Funktion für Kurznachrichten an, nannten sie WhatsApp und machten sie nach und nach für alle Betriebsprogramme verfügbar. WhatsApp ist heute für iPhones, für Android-Geräte, für Windows-Handys sowie Blackberrys und Nokia-Telefone zu haben. Das Programm funktioniert selbst für eine 13 Jahre alte Symbian-Plattform von Nokia. Grund: Das betagte System dominiert den indonesischen Markt, wo über 60 Prozent der Handys mit Symbian ausgestattet sind.

Der Erfolg von WhatsApp kam in Schüben und dies, obwohl die Erfinder aus ihrer Skepsis betreffend sozialer Medien keinen Hehl machen. «Zu viele Leute tweeten zu viel», meinte Acton in einer seinen eigenen Twitter-Nachrichten.

Die am meisten verkaufte Anwendung

Bereits im Oktober 2011 schwirrten pro Tag weltweit mehr als ein Milliarde Nachrichten über das WhatsApp-Programm; im Februar dieses Jahres überraschte das Unternehmen mit der Meldung, die Marke von zwei Milliarden Nachrichten sei erreicht. WhatsApp wurde so innert kurzer Zeit global mit Abstand die am meisten verkaufte Anwendung für Smartphones. In über 60 Ländern ist sie heute die Nummer eins, auch in der Schweiz. Das Spiel «Angry Birds» wurde ebenso verdrängt wie das Pokerspiel von Zynga. Wie hoch Umsatz und Gewinn sind, ist unklar. Geschäftszahlen geben die beiden Erfinder nicht bekannt. Sie sagen nur, dass das Unternehmen schon von Anfang an Cash erwirtschaftet habe. Knapp 20 Mitarbeiter arbeiten für das Jungunternehmen, unweit des Google-Komplexes in Mountain View.

Ungewöhnlich ist, dass die beiden Ingenieure ohne Risikokapital starteten und auch heute noch kein Fremdkapital brauchen. Dennoch steckten die an praktisch allen grossen Start-ups der letzten Jahren beteiligten Sequoia Partners letztes Jahr acht Millionen in WhatsApp. Dies sei eine strategische Investition, hiess es. Gemeint ist nichts anderes, als dass Sequoia bei einem allfälligen Börsengang kräftig kassieren könnte. Unmittelbare Pläne für einen Börsengang aber bestehen nicht. «Vieles im Internet ist nur Schall und Rauch. Wir beide sind von Natur aus anders geartet, wollen etwas machen, was Bestand hat und worauf sich die Nutzer verlassen können», sagte Acton der «Financial Times».

Das SMS hat das Nachsehen

Das Nachsehen haben die etablierten Mobiltelefonieanbieter, die in dem auf Mitte der 1990er-Jahre zurückgehenden SMS-Dienst arbeiten. Stark betroffen seien namentlich die Anbieter in Asien, wie Coleago Consulting kürzlich mitteilte. Weil immer mehr Nutzer auf WhatsApp umstellen, sei der SMS-Verkehr beispielsweise in Taiwan um 12 Prozent gesunken.

Auch in der Schweiz sausten im letzten Quartal 2011 weniger SMS durch den Äther als im Vorjahr. «Die Zeit des SMS-Booms ist zu Ende», räumte Swisscom-Chef Carsten Schloter ein. Das heisse aber nicht, dass die Telecomfirmen finanziell bluten werden, sagen die WhatsApp-Gründer. Vielmehr erlaube ihre Anwendung den Telecomfirmen eine bessere Auslastung ihrer Kapazitäten. WhatsApp breche die Grenzen zwischen den mobilen Plattformen auf und beschleunige den Übergang von lokalen hin zu einem globalen Mobilmarkt, sagt Coleago-Direktor Stefan Zehle.

Allen Beruhigungen zum Trotz: Das SMS dürfte ähnlich wie bereits der Telex oder das Faxgerät im Telecom-Museum verschwinden.

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