Microsofts lärmschluckende Kopfhörer im Alltagstest

Der Windows-Konzern verkauft jetzt auch Kopfhörer. Wir haben sie getestet.

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Lärmschluckende Kopfhörer machen ihre Träger zu Soldaten und sind eine Bedrohung für die Demokratie, schrieb kürzlich ein «Blick»-Kolumnist –, der seine Kolumnen offensichtlich nicht in einem Grossraumbüro schreibt.

Wer in einem Grossraumbüro arbeitet, viel im Zug oder Flieger unterwegs ist und es sonst wie mit lärmigen Zeitgenossen und Umständen zu tun hat, weiss die Ruhe von Noise-Cancelling-Kopfhörern zu schätzen und möchte sie nicht mehr missen.

Endlich Ruhe!

Selbst habe ich mir nach jahrelangem Hin und Her letztes Jahr die neuen von Sony gekauft. Ja, 400 Franken waren sehr viel Geld. Aber jetzt ärgere ich mich, dass ich nicht schon viel früher welche gekauft habe. Einfach herrlich diese Ruhe!

Eine lärmige Schulklasse im übervollen Zug, eine laute Sitzung im Nebenzimmer oder Bauarbeiten vor dem Haus? Alles harmlos und schon gar kein Ärgernis mehr.

Von Bose bis Microsoft

Angebote gibt es reichlich. Berühmt ist vor allem Bose. Aber jeder halbwegs namhafte Kopfhörerhersteller hat welche im Sortiment. Und jetzt auch Microsoft.

Der Windows-Konzern macht lärmschluckende Kopfhörer? Die allgemeine Verwunderung war ähnlich gross wie 2012, als Microsoft ankündigte, eigene Tablets zu machen.

Über Microsofts Tablets wundert sich heute keiner mehr. Ja, nach ein paar Startschwierigkeiten ist aus dem Surface eine ganze Produktefamilie geworden: Tablets, Laptops, Desktops und jetzt eben auch Kopfhörer.

Immer produktiver

Letztere passen bestens zum Firmenmotto, Menschen produktiver zu machen, womit wir wieder beim «Blick»-Kolumnisten wären. Doch dürfte es Microsoft mit den neuen Kopfhörern nicht nur darum gehen. In Kopfhörern schlummert viel mehr Potenzial. Das zeigen die schallschluckenden Kopfhörer genauso wie Apples Airpods.

Ähnlich wie Uhren und Brillen sind auch Kopfhörer ein entscheidender Puzzlestein auf dem Weg ins Post-Smartphone-Zeitalter. Da ist man als Techkonzern gut beraten, schon heute einen Fuss in diese Tür zu halten.

Computer im Ohr

Sprechende digitale Assistenten mögen aktuell vor allem in Lautsprechern auftauchen. Doch werden sie auf dem Körper getragen und vor allem direkt im Ohr, sind ihre Möglichkeiten ungleich grösser.

Das ist heute allerdings noch weitgehend Zukunftsmusik. Schon sehr real ist der mattgraue Surface-Kopfhörer (400 Franken) auf meinem Kopf. Ich habe ihn die letzten Wochen und vor allem auf einer längeren Flugreise getestet.

Bequeme Bedienung

Besonders gefällt die intuitive Bedienung über zwei Drehräder an den Ohrmuscheln. Gerade bei der Lautstärke versteht man den Mechanismus sofort. An der anderen Ohrmuschel regelt das Drehrad die Stärke der Lärmunterdrückung. Hier ist etwas Übung gefragt, aber nach ein paar Stunden hat man den Bogen raus. Dreht man in die eine Richtung hat man Ruhe. Dreht man in die andere, kann man sich verstärkt von den Mikrofonen sogar beim Atmen zuhören.

Auch gefällt die Auto-Pause-Funktion. Nimmt man die Kopfhörer ab, wird die Musik oder der Podcast pausiert. An diese Funktion habe ich mich dank den Airpods gewöhnt, und ich vermisse sie bei den Sony-Kopfhörern.

Geschmackssache

Auch besser als bei meinen Sony-Kopfhörern ist die Touchbedienung der Surface-Headphones. Sie reagiert schneller und zuverlässiger. Bei meinen Sony-Kopfhörern muss ich immer mal wieder ziemlich theatralisch an die Ohrmuschel klopfen, um die Musik zu pausieren.

An der Stelle sei noch erwähnt, dass sich die Surface-Headphones über Bluetooth mit Computern und Handys verbinden. Das klappte im Test nicht besser oder schlechter als bei anderen Kopfhörern. Kabel vermisst man im Alltag nicht. Falls doch, liegt der Schachtel eins bei.

Akustisch gefallen mir meine Sony-Kopfhörer etwas besser als jene von Microsoft. Aber das ist bekanntlich Geschmackssache. Darum sollte man Kopfhörer vor dem Kauf aus- und vor allem auch anprobieren.

Ich hätte so – wären es keine ausgeborgten Testkopfhörer gewesen, die per Post kamen – schon im Laden gemerkt, dass die Surface-Headphones für meinen Kopf zu eng sind. Zugegeben, mein Kopf ist ziemlich gross, was zum Beispiel an der Präsentation einer VR-Brille schon für einige Aufregung gesorgt hat, da mir die Brille einfach nicht passen wollte.

Bei DJ-Kopfhörern machte mir das früher nichts aus, wenn sie etwas eng waren. Aber lärmschluckende Kopfhörer sollte man mehrere Stunden bequem tragen können, was in meinem Fall mit den Surface-Kopfhörern nicht möglich war. Mit einer anderen Kopfform sollte das aber kein Problem sein.

Fazit: Wer auf der Suche nach einem schallschluckenden Kopfhörer ist, sollte die Surface-Headphones in die Überlegungen einbeziehen. Ich wäre aber nicht überrascht, wenn das Nachfolgemodell (so Microsoft nicht die Lust an der Produktkategorie wieder verliert) nochmals deutlich bequemer und insgesamt besser wird. Denn wie immer gilt grösste Vorsicht beim Kauf von Geräten der ersten Generation. Auch bei Kopfhörern. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.04.2019, 13:59 Uhr

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