Verletzte, Überfälle und Leichenfund bei «Pokémon Go»

Es ist das Spiel des Sommers. Doch diese Monsterjagd ist tückisch. Und man sollte vorsichtig spielen.

Wo sind die Monster? Nur wer sich bewegt, findet es heraus.

Wo sind die Monster? Nur wer sich bewegt, findet es heraus. Bild: Richard Vogel/Keystone

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«Pokémon» ist eine der erfolgreichsten Computerspiel-Franchises überhaupt. 1996 von Nintendo auf die Menschheit losgelassen, haben die knuffigen Ungeheuer sich in Fernsehserien, Kinofilmen, Merchandising-Produkten und Vergnügungsparks breitgemacht. Und nun, 20 Jahre nach dem Start, erleben sie einen fulminanten Popularitätsschub. Er ist so gross, dass Nintendos Aktie in den letzten Tagen einen heftigen Sprung nach oben machte.

Die Taschenmonster fangen

«Pokémon» steht kurz für «pocket monsters», und diese Taschenmonster sind mit einer Smartphone-App zurück. Es handelt sich bei «Pokémon Go» um ein Game, das die reale Welt mit dem Geschehen auf dem Bildschirm vermischt. Der Spieler muss seine Umgebung erkunden, um die Monster einzufangen. Diese halten sich nämlich ihren Gewohnheiten entsprechend in der realen Welt versteckt: Wassermonster entdeckt man beim See, die Nachtmonster nach Sonnenuntergang. Sind Monster in der Nähe, sieht man ihre Fussspuren. Und hat man eines entdeckt, will es gefangen werden: Dazu schleudert man den «Pokéball» (eine rote Kugel) mit einem Fingerschnippen auf das Monster. Manche Monster sind leicht zu erwischen. Andere versuchen sich durch Hüpfen oder Flattern der Gefangennahme zu entziehen. An manchen Orten kämpfen die Pokémon-Figürchen um die Vorherrschaft.

Die Spielidee erinnert stark an «Ingress», ein anderes populäres Spiel, das per Smartphone in der realen Welt gespielt wird. Das kommt nicht von ungefähr. Das Spiel wurde von Nintendo zusammen mit Niantic entwickelt. Bei Niantic handelt es sich um ein Spin-off von Google. Es verfolgt die Idee, die Kartendaten abseits von Google Maps zu verwerten. «Ingress» wurde 2013 veröffentlicht und hat sich seither eine äusserst loyale Fan-Basis aufgebaut: «Ingress»-Spieler treffen sich zu Happenings in aller Welt, um Portale zu erobern und die Kräfteverhältnisse zwischen der grünen und der blauen Fraktion zu verschieben. Allerdings ist «Ingress» recht technoid geraten und in der Spielmechanik nicht leicht zugänglich.

Der Smashing-Hit des Sommers

«Pokémon Go» seinerseits hat das Potenzial, das ganz grosse Publikum zu erreichen – so lassen es die Benutzerzahlen und der Medienhype erahnen. Die Newsportale stürzen sich auch bereits auf die ungewöhnlichen Erlebnisse, die Spieler bei der Monsterjagd hatten: Fox News berichtet von allerlei Verletzungen, die sich Spieler zugezogen haben. «The Verge» warnt vor bewaffneten Dieben, die ihre Opfer über das Spiel anlocken.

Und bei CNN erfährt man, dass die 19-jährige Shayla Wiggins beim Aufspüren eines Wasser-Pokémon im ländlichen Wyoming ein Monster, aber auch eine Wasserleiche gefunden hat. Entsprechend warnen denn auch diverse Behörden, beim Spielen den Blick auch einmal vom Bildschirm zu nehmen. Doch auch dafür gibt es bereits technische Abhilfe. Das «Go Plus» ist ein Armband, das durch Blinken und Vibrieren auf Pokémons in der Umgebung hinweist – sodass Spieler ihren Blick während ihren Exkursionen auf die Umgebung und den Strassenverkehr richten können.

Hierzulande wird «Pokémon Go» erst inoffiziell gespielt – und hier an der Sihl sind gerade keine Monster in Sicht.

«Pokémon Go» ist bei uns offiziell noch nicht erhältlich. Der Start nach einer Testphase war am 6. Juli in den USA, Australien und Neuseeland. Die Veröffentlichung in anderen Ländern verzögert sich wegen des grossen Erfolges. Trotzdem gibt es auch hierzulande bereits Leute, die es sich über einen US-amerikanischen Store-Zugang besorgt haben und es intensiv spielen – ein Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Redaktor kann hier mit den Worten «Das gerät völlig ausser Kontrolle» zitiert werden.

Erstellt: 11.07.2016, 10:16 Uhr

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