Auf dem Weg ins Tal der Enttäuschung

Das Nutzerwachstum von Facebook nimmt ab. Teenager erachten das Netzwerk als uncool. Dafür setzt Apple voll auf Facebook.

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Als Gipfel der überzogenen Erwartungen nennt man jenen Bereich des Hype-Zyklus nach Gartner, wenn die Medien enthusiastisch über eine neue Technologie berichten. Diesen Abschnitt scheint Facebook nun allmählich zu verlassen. Was im Hype-Zyklus folgt, ist das Tal der Enttäuschungen. In den letzten Wochen nahm die Anzahl kritischer Berichte deutlich zu. Angezweifelt wird das Werbemodell und der Börsenstart.

Dass Facebook seinen Zenit erreicht hat, zeigen nun auch aktuelle Nutzerzahlen. Wie das «Wall Street Journal» schreibt, verzeichnet das Netzwerk einen merkbaren Wachstumsrückgang. Nach Zahlen des Marktforschers Comscore wies Facebook im Jahr 2010 ein Wachstum von 89 Prozent aus. Im letzten Jahr sank es auf 24 Prozent. Gemessen an den gerade einmal fünf Prozent, die im gleichen Zeitraum in diesem Jahr gezählt wurden, muss man von einem dramatischen Rückgang sprechen.

Wachstumsrückgang eine natürliche Phase

Als wichtigster Markt von Facebook gelten die USA. Rund 56 Prozent der Werbeeinnahmen in der Höhe von 3,1 Milliarden US-Dollar schöpft Facebook dort ab. Brisant an der Entwicklung ist, dass gerade in den USA das Nutzerwachstum dramatisch rückläufig ist. Als Grund nennt Comscore-Analyst Andrew Lipsman eine Marktsättigung. Er unterstreicht aber auch, dass der Wachstumsrückgang eine natürliche Phase im Wachstumszyklus sei.

Interessant ist in dieser Hinsicht die Entwicklung des Kontrahenten Google+. Während Facebook verliert, wächst Googles Netzwerk. War vor Monaten noch von einer «Geisterstadt» die Rede, kann das Social Network von Google ein zweistelliges Wachstum ausweisen. Innerhalb von zwei Wochen soll das Konkurrenzprodukt um 37 Prozent zugelegt haben, berichtet das Marktforschungsunternehmen Experian Hitwise.

Twitter oder Tumblr auf dem Vormarsch

Skeptisch stuft auch die «Los Angeles Times» die Entwicklung von Facebook ein, legt aber den Fokus auf das Verhalten der User. In einem Bericht schreiben die Autoren Jessica Guyn und Ryan Faughnder, dass Zuckerbergs Plattform bei jungen Zielgruppen immer unbeliebter würde. Viele Teenager, die sich mit ihrem 13. Geburtstag offiziell bei Facebook anmelden, verzichten auf ein eigenes Profil. Was vor kurzem noch als Happening zelebriert wurde, soll inzwischen gar nicht mehr so cool sein. Laut Zeitung tausche sich der Nachwuchs zunehmend auf Plattformen wie Twitter oder Tumblr aus. Als Grund dafür führen die Autoren die zunehmende Angst davor ins Feld, sich mit Facebook Zukunftschancen zu verbauen. Mit Fakten belegen lässt sich die These allerdings nicht.

Die aktuelle Berichterstattung erinnert an den einstigen Überflieger Myspace. Das erste soziale Netzwerk verlor nach einem anfänglichen Hype plötzlich an Attraktivität, Nutzer verlagerten ihre Aktivitäten auf andere Plattformen, was einen Einbruch der Werbeeinnahmen zur Folge hatte. Ob das bei Facebook ebenso passiert?

Apples Pläne würden dagegen sprechen. Trotz der kritischen Berichterstattung zu Facebook, setzt der Computerkonzern künftig verstärkt auf das Netzwerk und will es noch stärker in seine Software integrieren. Von allen Geräten sollen Nutzer Inhalte aus fast jedem Winkel vernetzen können. Bei Twitter hat das bereits gut funktioniert. Die Hälfte aller Fotos würden heute über ein iOS-Gerät geteilt. (lü)

Erstellt: 12.06.2012, 15:10 Uhr

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