«Der neue Facebook-Button wird die Leute verwirren»

Mark Zuckerberg kündigte einen neuen Button an, der mehr aussagen soll als nur «Gefällt mir». Wir haben Experten befragt, wie dieser aussehen könnte.

Die Interaktion zwischen Usern auf Facebook wird um eine  Dimension erweitert. Bild: AP/Mark Lennihan

Die Interaktion zwischen Usern auf Facebook wird um eine Dimension erweitert. Bild: AP/Mark Lennihan

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Es ist ein altes Begehren der Facebook-Gemeinschaft: Seit Jahren wünschen sich die User einen Dislike-Button. Bei einer Fragerunde in der Firmenzentrale eröffnete Chef Mark Zuckerberg den Anwesenden: «Wir werden etwas einführen, was den Bedürfnissen der grösseren Gemeinschaft entspricht», zitiert ihn der Finanzdienst Bloomberg.

Ein Dislike-Button in der digitalen Wutbürgertum-Gesellschaft? Und das ausgerechnet auf Facebook? Das hört sich grundsätzlich nach etwas Explosivem an. Wir haben bei Experten nachgefragt, wie diese neue Funktion aussehen könnte.

«Das neue Tool kommt vermutlich im Stil der Gefühl-Funktion daher. Ich lege meine Hand ins Feuer, dass dies kein Daumen-runter-Knopf wird», sagt Philippe Wampfler, Experte für Lernen mit neuen Medien. «Disliken ist die einfachste Form von Cybermobbing. Das ist etwas, was Facebook immer abgelehnt hat. Ein Dislike auf einen persönlichen Beitrag ist sehr demotivierend. Daher ist es einleuchtend, dass Facebook das nicht will, weil es das Klima vergiftet.» Das Ziel der Plattform sei ja, dass User so lange wie möglich auf ihr verweilten, um so Geld mit Werbung zu verdienen. «Was gerade unter diesem Begriff diskutiert wird, ist vielmehr eine neue Möglichkeit, Empathie zu zeigen, wo ein Like nicht passen würde.»

Das bestätigt auch Social-Media-Crack Thomas Hutter: «Ich habe die Leute von Facebook gerade an der Dmexco in Köln angesprochen. Die haben gesagt, mit ganz grosser Wahrscheinlichkeit werde es keinen Dislike-Button geben. Facebook will kein Mobbinginstrument schaffen. Es wird eher eine andere Ausdrucksmöglichkeit für ‹Das interessiert mich, aber es gefällt mir nicht› sein.»

Birgt eine Empathie-Funktion auf Facebook Risiken?

Wampfler, der als Lehrer viel mit Jugendlichen zu tun hat, weiss: «Jugendliche haben genau wie Erwachsene das Bedürfnis nach differenzierter Ausdrucksweise. In allen Studien über das Verhalten von Jugendlichen auf Social Media sieht man, dass sie immer Wege finden, um Beschränkungen zu umgehen. Ich denke, das wird auch bei diesem neuen ‹Button› der Fall sein. Jugendliche sind bei den Verwendungsweisen sehr kreativ.»

Ausserdem sei das Bilderliken auf Facebook zu Instagram und das Kommunizieren zu Whatsapp abgewandert. «Facebook hat diversifiziert. Die Usergruppen sind älter geworden. Ich glaube daher, dass das neue Tool nicht unbedingt für ganz Junge gedacht ist.»

Bloggerin Su Franke meint zu möglichen Gefahren der neuen Funktion: «Es gibt auch ohne diesen ‹Dislike-Button› bereits genügend Möglichkeiten der negativen Ausdrucksweise auf Facebook. Einen diskriminierenden Beitrag zu liken, kann den gleichen Effekt wie Cybermobbing haben.» Franke sieht an der geplanten Neuerung denn auch etwas Gutes: «Ich finde, es braucht diese Möglichkeit, denn Menschen unterscheiden nun mal zwischen ‹gut finden› und ‹ablehnen›. Es gab in den ersten Jahren übrigens bereits einen Dislike-Button, der dann abgeschafft wurde. Die Hintergründe kenne ich nicht.»

Wo wird es getestet?

Laut Zuckerberg steht man kurz vor dem Beginn eines Tests. Man wolle Facebook aber nicht in ein Forum verwandeln. Dies sei nicht «die Art von Gemeinschaft, die wir schaffen wollen». «Doch je nachdem, wie der Test läuft, werden wir das grösser aufziehen», kündigte der Facebook-Gründer an.

Einer der häufigsten Testorte sei laut Experte Hutter Neuseeland. Dort entsprächen die demografischen Begebenheiten ziemlich genau denjenigen der Zielgruppe von Facebook. Es könne aber auch sein, dass es bei einer Altersgruppe oder bei einem Querschnitt getestet werde.

«Was wird es verändern?»

Weltbewegendes ist laut Wampfler nicht zu erwarten: «Zu Beginn wird es die Leute verwirren – wie bei jeder Veränderung. Im zweiten Schritt wird man neue Formen finden, wie man diesen Knopf einsetzt. Das sind sehr einfache Formen von Interaktion, die wir im Alltag nicht kennen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.09.2015, 11:53 Uhr

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