Die Chronik ist besser als ihr Ruf

Mit der Einführung der Timeline gingen die Wogen hoch. Vom Ende der Privatsphäre war vielerorts zu lesen. Alles halb so schlimm. Wir sagen, warum.

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Viele Benutzer versammelten sich in Gruppen und protestieren auf den offiziellen Facebook-Seiten gegen die Chronik. Unbegründet – die Chronik ist besser als ihr Ruf. Tatsächlich macht sie Facebook übersichtlicher und transparenter, und sie bietet in Sachen Privatsphäre mehr Schutz.

Chronik – das Leben im Zeitstrahl

Das grosse markante Titelbild und eine komplett veränderte Darstellung der Profilinhalte zeigen schnell den Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Profil. Die Chronik zeigt die Aktivitäten jedes Facebook-Nutzers auf dem Zeitstrahl. Während auf dem alten Profil ein Schritt in die Vergangenheit nur über das endlose Scrollen und Klicken auf «ältere Beiträge» möglich war, geht die neue Profildarstellung mit der Timeline neue Wege und erlaubt die Darstellung der Vergangenheit in einfachen Schritten. Über den Zeitstrahl am rechten Profilrand kann einfach in die Vergangenheit navigiert werden. Aktivitäten werden in der neuen Darstellung nicht mehr zentral in einem Feed dargestellt, sondern nach entsprechenden Aktivitäten unterteilt. Check-ins und Fotos mit Aufnahmeort beispielsweise werden auf einer Weltkarte dargestellt, Aktivitäten wie Musikhören, Lesen oder das Liken von Seiten können auf der Seite in einer Box unterteilt dargestellt und betrachtet werden. Heirat, Geburt eines Kindes oder Studienabschluss können nachträglich erfasst und hervorgehoben werden. Mit anderen Worten: Das Profil wird zum interaktiven Tagebuch.

Mehr Transparenz in der Sichtbarkeit von Beiträgen

Mit der Umstellung auf die Chronik erhält der Nutzer eine stark verbesserte Transparenz seiner Aktivitäten auf Facebook. Sämtliche Benutzerinteraktionen werden im Aktivitätsprotokoll für den Benutzer chronologisch und nach Aktivität unterteilt und offengelegt. Sichtbarkeitseinstellungen können im Aktivitätsprotokoll einfach und schnell auch nachträglich geändert, unerwünschte Interaktionen (auch auf Drittseiten) gelöscht werden.

Keine Gefahr durch veränderte Privatsphäre

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass nach der Umstellung auf Timeline Informationen für andere Benutzer sichtbar werden, die vorher nicht sichtbar waren. Sobald ein Benutzer die Facebook-Chronik erhält, sieht er dies ganz deutlich am oberen Rand auf der Startseite. Der Benutzer kann dann eine Tour machen, bei der ihm die Chronik detailliert erklärt wird. Anschliessend hat der Benutzer sieben Tage Zeit, seine Timeline zu überprüfen, einzelne Punkte der Vergangenheit prominent hervorzuheben oder entsprechend zu verbergen. Ebenso können neue Inhalte erfasst werden, wenn dies gewünscht wird. Während dieser Umstellungsphase sehen die Freunde des Benutzers immer noch das alte Profil, die umgestellte Chronik ist nur für den Benutzer selber sichtbar. Auch werden bei der Umstellung keine zusätzlichen Informationen sichtbar, die vorher nicht bereits sichtbar waren. Im Gegenteil, der Benutzer kann sogar pauschal für alle Beiträge eine andere Einstellung wählen, welche danach automatisch für alle bestehenden Beiträge angewendet wird.

Bei der Chronik bleiben alle bisherigen Privatsphäre-Einstellungen der Nutzer bestehen. Zur vereinfachten Kontrolle der Privatsphäre-Einstellungen wurde auch eine Vorschaumöglichkeit integriert, welche es dem Benutzer erlaubt, das eigene Profil aus Sicht eines Freundes oder der Öffentlichkeit zu betrachten. Klicksafe.de hat rund um die Privatsphäre im Zusammenhang mit der Timeline/Chronik einen umfassenden Ratgeber publiziert.

Proteste von Nutzern

Die bereits angesprochenen Proteste von Nutzern sind übrigens keine Seltenheit auf Facebook. Bei jeder Änderung rund um das Benutzerprofil oder die Darstellung von Seiten sowie bei jeder Einführung von Neuerungen und erweiterten Funktionen wurde in der Vergangenheit protestiert. Entsprechende Seiten und Gruppen erreichen zwar schnell einige Tausend oder sogar Hunderttausende Mitglieder und werden gerne von Medien als «grosse Protestaktion» gedeutet, sind aber in der Regel im Verhältnis zur Gesamtnutzerzahl ein prozentual kleiner Anteil. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.10.2012, 15:23 Uhr

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Facebook-Chronik: Das müssen Sie wissen

Facebook-Chronik: Das müssen Sie wissen Die Timeline ist nicht mehr freiwillig – so können Sie sich schützen.

Zur Person

Thomas Hutter ist Inhaber und Geschäftsführer der Hutter Consult GmbH. Er berät Unternehmen rund um den strategischen und nachhaltigen Einsatz von digitaler Kommunikation und sozialen Netzwerken. Der Hauptfokus liegt auf Facebook.

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