Google+ verliert einen kämpferischen Chef

Mit Vivek «Vic» Gundotra verlässt einer der präsentesten Manager der Suchmaschine, der den Ausbau von Google+ aggressiv vorantrieb, den Konzern.

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Vivek Gundotra, der Architekt von Googles sozialem Netzwerk Google+ verlässt den Konzern. Das gab der 45-jährige gestern Abend via die Plattform bekannt. Der indischstämmige Gundotra war 2007 zum Suchmaschinenbetreiber gestossen, zuvor hatte er 15 Jahre lang bei Microsoft gearbeitet. Als voraussichtlicher Nachfolger für Gundotras Posten wird der Manager David Besbris gehandelt, der 2008 von AOL zu Google wechselte. Gundotra war bislang einer der präsentesten Google-Manager und kommunizierte sehr offen. Dabei setzte es gelegentlich auch Spitzen gegen Konkurrenten wie Facebook ab.

Kampf gegen Widerstände

Über die Gründe für seinen Entscheid sagte Gundotra nichts Konkretes, nur dass er einen Neuanfang suche. Er stand zuletzt Google+ vor, Googles Gegenentwurf zu Facebook. Der 2011 lancierte Dienst ist die zahlenmässige Nummer zwei unter den sozialen Netzwerken.

Nach Ansicht vieler Beobachter war der Start des sozialen Netzwerks unter der Flagge von Google ein Kampf gegen innen und aussen. Gundotra würdigte passend dazu sein Team als «eine Gruppe von Menschen, die gegen den Widerstand so vieler das soziale Netzwerk bei Google entwickelt haben». Gundotra und sein Team hatten mit Google+ von Beginn an die schwierige Ausgangslage, dass Konkurrent Facebook über einen massiven zeitlichen Vorsprung verfügte. Googles später Einstieg in Social Media wird allgemein dem früheren Chef Eric Schmidt zur Last gelegt, der 2011 in einem Interview zugab, er hätte das Thema Online-Identität früher angehen sollen.

Treiber der Aufholjagd

Gundotra erschuf daraufhin «Google+ aus dem Nichts», wie Google-Chef Larry Page sagte. Page lobte Gundotras Engagement und Leistungen ausführlich. Seit dem Start hat Google unter Gundotras Führung den Ausbau der Plattform rigoros vorangetrieben, durch die Integration mit Android ist Google+ auch auf dem mobilen Betriebssystem sehr präsent. Gundotra war an Konferenzen stets das Gesicht von Google+ und stellte neue Kernfunktionen des Dienstes vor, unlängst die nahtlose Integration von Fotos. Kamerabilder von Androidnutzern werden seither automatisch auf dem Fotodienst der Plattform abgelegt.

Konten auf Google+ dienen mittlerweile als zentrale Schnittstelle für sämtliche Google-Dienste. Diese Integration stiess allerdings nicht nur auf Gegenliebe. So kritisierte sogar Youtube-Mitgründer Jawed Karim die Entscheidung, Youtube-Kommentare nur noch via Google+ zu erlauben.

Unter Gundotras Führung fuhr Google+ einen Mittelweg zwischen der Übernahme von durch Facebook popularisierten Ideen und eigenen Konzepten. Beispielsweise bietet Google+ mit dem +1-Knopf seine Version des Like-Buttons, beschreitet aber mit der prominenten Einbettung von «Circles» einen eigenen Weg. Gundotra wies zuletzt im vergangenen Oktober die Zahl der User aus, mit rund 300 Millionen monatlich aktiven Nutzern des Google+-Stream. Diese Marke überschritt Facebook zwar erst rund fünf Jahre nach dem Start, droht aber dennoch mit aktuell 1,28 Milliarden Nutzern Google+ über kurz oder lang davonzulaufen. Gundotras Nachfolger fällt die anspruchsvolle Aufgabe zu, hier weiter Boden gut zu machen.

Erstellt: 25.04.2014, 13:30 Uhr

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