Snapchat-Chef unter Beschuss wegen peinlicher E-Mails

Sünden aus seiner Studienzeit verfolgen den Chef der erfolgreichen App Snapchat. Dieser entschuldigte sich für die damaligen «idiotischen Mails».

«Löschen sollte der Standard sein»: Evan Spiegel im Rampenlicht auf dem roten Teppich der Time 100 Gala.

«Löschen sollte der Standard sein»: Evan Spiegel im Rampenlicht auf dem roten Teppich der Time 100 Gala. Bild: Lucas Jackson/Reuters

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Evan Spiegel machte zum ersten Mal im grossen Stil Schlagzeilen, als sein Unternehmen Snapchat Übernahmeangebote in Milliardenhöhe ausschlug. Facebook und Google hatten den jungen Onlinedienst angeblich kaufen wollen, für drei bis vier Milliarden Dollar. Kurz zuvor hatte die Messaging-App Schlagzeilen gemacht wegen ihrer laufend steigenden Popularität bei jüngeren Nutzern. Dieser Beliebtheit des Diensts hatten auch Bedenken um Datenschutz und Sicherheit keinen Abbruch getan. Peinliche E-Mails bringen nun aber den Firmenchef wegen Sünden aus seiner Studentenzeit in Bedrängnis.

Eine Online-Newssite hat private E-Mails von Spiegel veröffentlicht, stammend aus der Zeit, als er Mitglied der Studentenverbindung Kappa Sigma an der Uni Stanford war. Dass er in diesen detailliert über seine Verbindungseskapaden berichtet und herabwürdigend über Frauen schreibt, trug dem Snapchat-Chef harsche Kritik ein. Spiegel sagte inzwischen, er sei «beschämt» ob seiner damaligen «idiotischen» Mails.

Überflieger unter Druck

An der Spitze von Snapchat steht mit Firmenchef Evan Spiegel ein 23-jähriger Überflieger. Der Internetunternehmer gründete Snapchat im Alter von 20 Jahren und brach sein Studium ab, um sich in Vollzeit seinem Start-up zu widmen. Über 140 Millionen Dollar haben Investoren bereits in das Unternehmen gesteckt. Mit der schnell an Nutzern zulegenden App werden pro Tag 700 Millionen Fotos geteilt. Der Clou für den Erfolg von Snapchat ist die Flüchtigkeit dieser Bildpost: Wenige Sekunden nach dem Öffnen der Bilder löschen sich diese selbst. Das Prinzip «schicken und vergessen» ist das Alleinstellungsmerkmal von Snapchat gegenüber anderen Diensten.

Wie gut dieser Datenschutz tatsächlich funktioniert, beschäftigt schon länger Beobachter und Behörden. Dass die App um die Jahreswende gehackt wurde und Nutzerdaten entwendet wurden, sowie die beworbene Löschfunktion zuerst nicht richtig funktionierte, sorgte wiederholt für Kritik. Mittlerweile hat die amerikanische Telecom-Überwachungsbehörde FCC den Dienst im Auge und gab bekannt, sie werde nötigenfalls Bussen sprechen, falls die bestehenden Probleme nicht gelöst würden.

In der Vergangenheit hatte Spiegel gesagt, dass er sich für die Flüchtigkeit von Kommunikation einsetzen wolle: «Löschen sollte der Standard sein», da nur ein Prozent aller privaten Nachrichten wirklich bewahrenswert sei. Spiegel scheint dabei den Fall, der ihn nun heimsucht, vorausgesehen zu haben – nämlich dass man sich in etwas früher Geschriebenem nicht mehr wiedererkennt: «Eines Tages loggst du dich ein und realisierst – ‹das bin nicht ich›», beschrieb er diese Befürchtung letztes Jahr gegenüber dem «Telegraph».

Erstellt: 30.05.2014, 11:14 Uhr

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