Was Sie über Facebooks neue Richtlinien wissen sollten

Das soziale Netzwerk will künftig seine Werbung stärker personalisieren. Wie genau, verraten die neuen Datenschutzregeln.

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80 Prozent der amerikanischen Internetnutzer sorgen sich darum, dass soziale Netzwerke ihre Informationen zu Werbezwecken weitergeben. Das ermittelte eine diese Woche publizierte Studie des US-Meinungsforschungsinstituts Pew. Das Ergebnis nimmt vorweg, was Facebook gestern ankündigte: Änderungen an seinen Privatsphäre-Richtlinien. Diese verheissen in Zukunft mehr Transparenz – aber auch mehr und genauere Werbung.

Facebook hat seine Privatsphäre-Erklärungen generalüberholt. Dazu gehört, dass man die bislang ausufernd langen Erklärungen um drei Viertel gekürzt und vereinfacht hat. Die neuen «Privacy Basics» sind nun umfangmässig leichter geniessbar und zudem interaktiv geworden. Dabei orientiert sich Facebook an häufig gestellten Fragen zur Privatsphäre. Nutzer können einzelne Fragestellungen anklicken und erhalten eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie sie zu den passenden Einstellungen gelangen. Zum Beispiel klärt «Können andere meine Freundesliste sehen?», darüber auf, wem die Liste der eigenen Kontakte angezeigt wird.

Die animierten Anleitungen sind eine deutliche Verbesserung, das soziale Netzwerk macht tatsächlich einen Schritt in Richtung Transparenz und klärt nun erstaunlich offenherzig darüber auf, wie es Werbung ausliefert. Ein Video beschreibt genauer als zuvor, wie Facebook Surfgewohnheiten und Informationen seiner Nutzer dafür auswertet. Das beschriebene Beispiel: Wer sich vor einem Besuch auf Facebook im Internet nach TV-Geräten umsehe, müsse anschliessend mit Fernseher-Anzeigen in seiner Timeline rechnen.

Werbeänderungen im Windschatten

Diese Offensive in Richtung Klarheit und Benutzerfreundlichkeit ist nicht die einzige Änderung. Facebook hat im Gefolge davon auch die Bedingungen für Werbung und Datenschutz angepasst.

Bei den Werbeanzeigen will Facebook seinen Nutzern künftig weitere Optionen bieten, um die Einstellungen zu Werbeanzeigen zu beeinflussen. Nutzer können angeben, welche Werbung sie nicht sehen wollen. Es wird allerdings nicht möglich sein, Werbung auszuschalten oder in der Menge zu reduzieren. Neu nimmt es Facebook sich heraus, basierend auf dem Standort eines Nutzers Informationen oder Werbung anzuzeigen. Wer seinen Standort mit dem sozialen Netzwerk teilt, könne künftig beispielsweise die Speisekarte eines Restaurants in der Nähe sehen oder erfahren, welche Freunde in der Nähe seien, so das Unternehmen.

Weitere Anpassungen zielen auf Facebooks Pläne, zur Shopping- und Bezahlplattform zu werden. Dabei geht es primär um einen Kaufen-Button, den Facebook zurzeit in den USA testet. Dort lässt Facebook seine Nutzer bereits Artikel aus Werbeanzeigen kaufen, ohne dafür App oder Website des sozialen Netzwerks zu verlassen. Dass Facebook die Informationen über solche Einkäufe wiederum für Werbung auswertet, ist ebenfalls Teil der aktualisierten Bedingungen.

Fazit der Änderungen

Zu Facebooks Neuerungen gibt die Datenschutz-Chefin des Unternehmens, Erin Egan, gegenüber der DPA zu Protokoll, dass der Grossteil der Datenschutzregeln gleich geblieben sei. Dessen ungeachtet unternimmt das soziale Netzwerk mit den Anpassungen einige Schritte, um als Werbeanbieter zu Google aufzuschliessen. Nutzer müssen damit rechnen, dass ihnen künftig Werbung angezeigt wird, die stärker als bisher auf ihr Profil und ihr Surfverhalten zugeschnitten ist. Wer hier Bedenken hat, tut gut daran, sich über das Vorgehen des sozialen Netzwerks besser zu informieren. Dafür ist Facebooks Informationsangebot «Privacy Basics» aber tatsächlich ein passabler Startpunkt.

Erstellt: 14.11.2014, 11:06 Uhr

Mehr Sicherheit? Mehr Transparenz? Smartphone-Benützer auf dem Facebook-Campus in Menlo Park, USA. (Bild: Keystone )

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