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Aus Gesichtern Geld machen

Seit Mark Zuckerberg bekannt gegeben hat, das israelische Start-up-Unternehmen Face.com zu kaufen, wird über seine genauen Absichten gerätselt. Eines aber ist klar: Der Facebook-Guru wird die Fotos der Facebook-Nutzer zu Geld machen.

Mit oder ohne Brille, mit oder ohne Bart: Facebook lernt die Gesichter seiner Nutzer immer besser kennen. (Archivbild)
Mit oder ohne Brille, mit oder ohne Bart: Facebook lernt die Gesichter seiner Nutzer immer besser kennen. (Archivbild)
AFP

Gestern bestätigte das Netzwerk Facebook die Gerüchte, dass es die israelische Firma Face.com kaufen wird. Das Start-up-Unternehmen mit Sitz in Tel Aviv verfügt nach eigenen Angaben über die genaueste Gesichtserkennungssoftware der Welt. Sowohl über den Preis als auch über den genauen Zweck der Akquisition kann bislang nur spekuliert werden, Details des Deals wurden nicht bekannt.

Nachdem zuvor von einem Kaufpreis von 80 bis 100 Millionen Dollar die Rede war, berichteten Medien gestern von einem Kaufpreis von 50 bis 60 Millionen Dollar. Was Mark Zuckerberg mit dem jungen Unternehmen vorhat, steht ebenfalls noch in den Sternen. Es sei möglich, dass es Facebook vor allem darum gehe, seine Position auf dem Markt für mobile Endgeräte zu stärken, schreibt das Onlineportal Computerworld.com.

«Handykameras sind der Schlüssel»

Denn Face.com bietet die Gesichtserkennung, die Facebook bisher vor allem auf dem Desktop-PC-Bereich forciert hat, bereits in einer separaten Software für Smartphones an. Handykameras seien denn auch der Schlüssel, um Infos über Gesichter online verfügbar zu machen, sagt Brian Blau, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Gartner, gegenüber «Computerworld». Genau das könnte Face.com ermöglichen.

Laut Computerbase.de wäre es auch möglich, dass es Facebook auf das grosse Archiv an Gesichtsfotos abgesehen hat, über die Face.com bereits verfügt. Sarah Downey, Datenschutzexpertin des US-Unternehmens Abine, sieht darum den Datenschutz und die Privatsphäre der Nutzer noch stärker in Gefahr.

Die Gesichter der User kennen lernen

Sie bezeichnet die Meldung über den Kauf von Face.com als alarmierend. «Nichts macht mehr Angst als die Tatsache, dass Facebook den Anbieter einer Gesichtserkennungssoftware geheiratet hat», schreibt sie in einer E-Mail. «Jedes Mal, wenn ein User auf einem Bild markiert wurde, lernt Facebook mehr über sein Gesicht – wie es mit oder ohne Brille aussieht, mit dieser und jener Beleuchtung, mit oder ohne Bart.» Die Daten über die Gesichter der Nutzer seien einige der wenigen Informationen, aus denen Facebook bis jetzt noch kein Geld machen könne. Der Kauf von Face.com sei ein Hinweis darauf, dass sich dies bald ändern wird.

Die Frage ist nun, wie solche Daten überhaupt zu Geld gemacht werden können. Hier geht es im Kern darum, mehr Informationen über die Facebook-User zu sammeln und damit Wissen über ihre Vorlieben zu gewinnen, erklärt der Blogger und Social-Media-Experte Tom Brühwiler gegenüber Redaktion Tamedia.

Mithilfe der Markierungen könne Facebook auswerten, welche Nutzer auf welchen Bildern zu sehen sind und daraus seine Schlüsse ziehen. «Wird ein Nutzer zum Beispiel auf einem Bild markiert, das an einer Demonstration in Bern aufgenommen wurde, könnte Facebook daraus Informationen über seine politische Gesinnung gewinnen – und diese zu Geld machen», so Brühwiler weiter.

Amtsstelle Facebook?

Brühwiler stellt zudem die Gesichtserkennung als solche infrage: Facebook sammle und archiviere hier Daten, in deren Besitz ansonsten nur Amtsstellen kommen – beispielsweise im Rahmen der Erstellung von biometrischen Pässen. Dessen seien sich viele Nutzer aber gar nicht bewusst.

Facebook hatte bereits 2010 Funktionen für die automatische Gesichtserkennung eingeführt. Datenschützer in Hamburg hatten wegen Bedenken bezüglich des Schutzes der Privatsphäre ein Verfahren eingeleitet. Es wurde in der vergangenen Woche unterbrochen, nachdem Facebook Bereitschaft gezeigt hatte, sich an die EU-Richtlinien für die Nutzung biometrischer Daten zu halten.

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