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Beängstigendes Wettrüsten

Die sozialen Netzwerke könnten sich zur totalen Überwachungsmaschine entwickeln.

Patent angemeldet: Facebook will die Handymikrofone ihrer Nutzer aktivieren können. Bild: Keystone
Patent angemeldet: Facebook will die Handymikrofone ihrer Nutzer aktivieren können. Bild: Keystone

In TV-Spots entschuldigt sich Facebook derzeit für Spam, Fake News, Datenmissbrauch. «Das wird sich ändern», so die zentrale Botschaft, unterlegt von Bildern glücklicher Menschen und einer Melodie wie von einer Spieluhr, die dem Baby beim Einschlafen helfen soll.

Besonders scheinheilig wirkt die Kampagne angesichts der neuesten Meldung: Facebook hat ein Patent angemeldet, das es der Firma ermöglicht, die Handymikrofone ihrer Nutzer zu aktivieren und so Umgebungsgeräusche aufzunehmen.

So könnte eine Werbung im Fernsehen für das menschliche Ohr unhörbare Töne enthalten, die das Mikrofon des Smartphones anschalten, sodass unsere Reaktion auf die Werbung aufgenommen werden kann. Die Aufnahme soll dann zur Auswertung an Facebook gesendet werden, um die Wirkung der Werbebotschaft zu analysieren.

Gruselige Patente angemeldet

Das lässt schaudern und an Totalüberwachung im Stil von Orwells «1984» denken. Da Werbung noch genauer auf Nutzer zugeschnitten werden könnte, wäre das Patent für Facebooks Werbekunden höchst interessant. Dennoch klingen die Beteuerungen, dass keine Umsetzung geplant sei, glaubhaft. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Denn die Folge wäre ein Imageschaden, gegen den keine Spots helfen würden.

Plausibler ist, dass Facebook das Patent – ebenso wie Hunderte weitere nicht minder gruslige – angemeldet hat, um der Konkurrenz zuvorzukommen. Die Tech-Branche liefert sich ein Wettrüsten mit immer neuen Patenten, eines dystopischer als das andere.

Die Frage wird sein: Bröckelt irgendwann der Widerstand gegen solche Übergriffe? Sind die Menschen bereit, sich von der süssen Melodie einlullen zu lassen?

Facebook stünde bereit.

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