«Facebook macht viele süchtig und unzufrieden»

Den Nutzern von Facebook gehe es danach oft schlechter, sagt Internetforscherin Sarah Diefenbach.

Mit wem würde sie ein Selfie machen? Sarah Diefenbach gibt Antworten. Foto: Tom Egli

Mit wem würde sie ein Selfie machen? Sarah Diefenbach gibt Antworten. Foto: Tom Egli

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Über 3,5 Millionen Schweizer nutzen Facebook regelmässig – und zwar quer durch alle Schichten und Altersgruppen. Laut aktuellen Zahlen ist jeder Fünfte über 50 Jahre alt. Für viele dieser Nutzer sei der Blick auf die Plattform längst mehr als eine lieb gewonnene Gewohnheit, sagt Wirtschaftspsychologin Sarah Diefenbach. «Facebook kann süchtig machen», so die 34-jährige Münchner Professorin, die den Effekt der sozialen Medien auf unser Leben erforscht.

Laut ihr funktioniert Facebook «wie ein einarmiger Bandit». Die Plattform locke ihre Nutzer immer wieder an, um sie in der Mehrheit der Fälle zu enttäuschen. Schuld daran sei der soziale Wettbewerb, in dem man sich befinde. «Je mehr Freunde man hat, desto schlimmer wird es, weil man sich potenziell mit immer mehr Menschen vergleichen kann.» Das Leben der anderen wirke immer aufregender und glücklicher als das eigene. Der Effekt: «Ich werde neidisch.» Nur ganz selten würden die Nutzer mit positiven Gefühlen belohnt.

Gefahr für die Gesellschaft

Facebook hat gemäss Diefenbach nicht nur einen negativen Effekt auf einzelne Nutzer, sondern auch auf die Gesellschaft als Ganzes. Weil das soziale Netzwerk Nachrichten und Meldungen entsprechend dem Weltbild und den Vorlieben seiner Nutzer filtere – meist ohne dass es diesen bewusst sei. «Im Internet gibt es für jede Meinung einen Stammtisch», sagt die Wirtschaftspsychologin. Wenn plötzlich jede These Unterstützung finde, «leistet das letztlich auch populistischen Strömungen Vorschub».

Wie sehr das Internet unsere Gesellschaft bereits verändert hat, sieht man laut der Wirtschaftspsychologin besonders schön an einem ganz speziellen Phänomen: dem Selfie. Parallel zu einem Erlebnis seien viele gedanklich schon in den sozialen Netzwerken und überlegten, wie sich das Erlebte dort präsentieren lasse. Auch würden immer mehr Online-Verhaltensweisen in die Offline-Welt überschwappen. Etwa das ständige Kundtun der eigenen Meinung und das offensive Bewerten der anderen.

Lesen Sie das ganze Gespräch mit Sarah Diefenbach im grossen Web-Spezial.

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Erstellt: 30.12.2016, 11:23 Uhr

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