Gut fürs Geschäft: Facebooks Pläne mit der Freundschaft

Das soziale Netzwerk passt seinen Algorithmus an: Vordergründig geht es um Zwischenmenschliches – im Hintergrund um knallharte Geschäftsinteressen.

Will die Menschen wieder in den Vordergrund rücken: Facebook-CEO Mark Zuckerberg 2014 an einer Konferenz in San Francisco.

Will die Menschen wieder in den Vordergrund rücken: Facebook-CEO Mark Zuckerberg 2014 an einer Konferenz in San Francisco. Bild: Ben Margot/Keystone

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Gestern hat Mark Zuckerberg seine Neujahrsansprache gehalten: Der Facebook-Chef kündigte an, dass es 2018 signifikante Änderungen am Newsfeed geben wird. Der Fokus soll auf Facebooks Einstiegsseite künftig mehr auf persönlichen Interaktionen liegen und weniger darauf, News von Facebook-Seiten anzuzeigen. Was erst einmal wie ein sehr menschen- und nutzerfreundlicher Zug klingt, soll auch die Probleme beseitigen, mit denen Facebook zu kämpfen hat. Und das Geschäft ankurbeln.

Bereits am 4. Januar hatte Zuckerberg erstaunlich selbstkritisch angemerkt, dass sein Unternehmen derzeit noch zu viele Fehler mache bei der Umsetzung seiner Regeln und der Verhinderung von Missbrauch der eigenen Plattform. Er sehe es als seine persönliche Herausforderung für dieses Jahr an, in diesen Punkten besser zu werden.

Fehlentwicklungen sollen korrigiert werden

Vergangene Nacht dann also die Ankündigung, die mit grossen Worten Wandel versprach: Wenn man Beziehungen stärke, wirke sich das auf das Wohlbefinden der Menschen aus. Hier wolle er ansetzen, zweimal benutzt Zuckerberg in seinem Post das Wort «meaningful»; tief gehend, sinnvoll, soll sie sein, die Interaktion auf Facebook. Adam Mosseri, der Chef der Newsfeed-Entwicklung, verwendet das Wort drei weitere Male in seinen Ausführungen zu der neuen Richtlinie seines Bosses.

Die beinhaltet, kurz gesagt: Mehr Posts von Freunden, Bekannten und Verwandten sowie von Gruppen, weniger Posts von Seiten, die beispielsweise Marken, Geschäfte oder Medientitel bewerben. Solche Einträge von Seiten, die die Kommunikation der Nutzer untereinander fördern, sollen auch weiterhin prominent platziert werden.

Hinter der blumigen Sprache verbirgt sich eine Kurskorrektur, die auch auf Fehlentwicklungen im eigenen Hause zurückzuführen ist. In der jüngeren Vergangenheit hatten Nutzer immer wieder darüber geklagt, dass ihre Newsfeeds mit irrelevanten Inhalten vollgemüllt seien. Die Masse an Posts von Seiten, die man selbst geliked hat, oder – noch schlimmer – an News, dass ein Freund oder eine Freundin mit einer anderen Seite interagiert habe, wurden zunehmend als störend wahrgenommen. Dazu kommen die als nicht minder nervig empfundenen Empfehlungen von Facebook, was man denn noch alles so liken könnte.

Seitenbetreiber werden zur Kasse gebeten

Um das massenhafte Abwandern von Usern zu verhindern, ändert Facebook nun die Strategie: Der Nutzer soll wieder mehr selbst posten; als Anreiz dafür machte Zuckerberg wohl das Versprechen, dass dies auch vermehrt angezeigt wird. Dies gilt auch für die Aktivität in Gruppen, die ebenso dem Austausch von Personen untereinander dienen. Man scheint also in Menlo Park verstanden zu haben, dass nachhaltige Nutzerbindung nicht über oberflächliches Verteilen von Likes funktioniert, sondern ein tiefer gehendes Engagement verlangt – «meaningful» eben.

Darüber hinaus dürfte die Entscheidung, das Augenmerk wieder vermehrt auf das Zwischenmenschliche zu legen, auch mit einer anderen Strategie zu tun haben. Denn Facebook arbeitet seit Jahren daran, die organische Reichweite von Fanpages so zu verringern, dass Betreiber derartiger Seiten in die Tasche greifen müssen. Wer mit seinem Produkt mehr User erreichen möchte, muss seine Posts bewerben – diese Werbung macht den Löwenanteil von Facebooks Einnahmen aus. Die wachsen zwar fast jedes Quartal, aber das Werbepotenzial ist sicher noch nicht voll ausgeschöpft. Dass die Reichweite für Seitenbetreiber weiter abnimmt, war im Dezember schon zu spüren.

Ob diese Massnahmen greifen, bleibt abzuwarten. Die nächste Generation scheint für Facebook schon verloren: Teenager tummeln sich bei Snapchat und Instagram. Immerhin: Letzteres gehört ebenfalls zum Facebook-Konzern. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.01.2018, 12:01 Uhr

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