Facebook Watch oder Youtube – wer den besseren Video-Dienst hat

Jetzt gibt es den Video-Service der Social-Media-Plattform auch in der Schweiz – ist das der grosse Angriff auf Youtube?

So sieht Watch auf dem Smartphone aus.

So sieht Watch auf dem Smartphone aus. Bild: zvg Facebook

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Wer in den vergangenen zwei Tagen seine Facebook-App auf dem Smartphone aktualisiert hat, sieht in der Navigation ein neues Zeichen: Ein Monitor mit Play-Symbol deutet ein Update an, das weitreichende Konsequenzen für die Nutzung der Social-Media-Plattform haben könnte – wenn Facebooks Pläne aufgehen.

Dass der Konzern von Mark Zuckerberg seit einigen Jahren verstärkt auf Video-Inhalte setzt, ist bekannt. Das Mass aller Dinge ist in dieser Hinsicht allerdings nach wie vor Youtube vom Konkurrenten Google – mit der Lancierung von Facebook Watch blies das Unternehmen aus Menlo Park vor ziemlich genau einem Jahr zum Angriff auf den Video-Giganten. Seit gestern gibt es Facebook Watch jetzt auch in der Schweiz.

Zuerst einmal fällt auf, dass der neue Dienst bislang nur am Smartphone verfügbar ist – wer die Watch-Seite auf Facebook am Rechner aufruft, bekommt nach wie vor die Nachricht, dass dieser Inhalt zurzeit nicht verfügbar sei. Auf dem iPhone ersetzt Watch in der Navigation offensichtlich den Marketplace, der nach ganz rechts gerutscht ist, quasi unter «Weiteres» abgelegt. Auf Android-Geräten findet sich Watch vorerst weiterhin dort, direkt unterhalb des Marketplaces.

Ruft man Watch auf, findet sich oben die «Watchlist» mit den abonnierten Kanälen, darunter empfohlene «beliebte» Videos, in unserem Testfall leider eher belanglose Clips von nichtssagenden Seiten. Dazwischen ein Clip mit einem persönlichen Statement von Alice Weidel von der Fanpage «Alles für die AfD» – hier stellt sich vielleicht die Frage: Welche Optionen hat der Nutzer?

Optimierungsbedarf in der Suche

Über die drei Punkte rechts vom Video kann man das Video speichern, um es später anzuschauen, den Kanal abonnieren oder das Filmchen verbergen. Wem das zu wenig ist, der kann gleich alle Clips der betreffenden Seite verbergen oder Feedback zum Video geben. Hier finden sich weitere Möglichkeiten, die Facebook ebenfalls erst vor kurzem eingeführt hat und die die Vertrauenswürdigkeit der jeweiligen Fanpage bewerten helfen sollen. Wo ein Video landet, das man sich zum späteren Ansehen speichert, ist leider nicht sofort ersichtlich.

Ansonsten funktioniert Watch so, wie man es von Facebook-Clips gewöhnt ist: Tippt man ein Video an, pausiert es Musik, die auf anderen Apps wie beispielsweise Spotify im Hintergrund läuft, kippt man das Handy, wird bildschirmfüllend abgespielt. Über ein Suchfeld kann man das Angebot durchsuchen – dass dies nicht auch innerhalb der Watchlist möglich ist, erscheint unsinnig.

Innerhalb der Suche findet sich dann eine ganze Reihe von Filtermöglichkeiten. Die funktionieren zwar für die Suche nach einzelnen Sendungen ganz gut, aber wenn man beispielsweise nach Kanälen oder Fanpages sucht – in diesem Fall nach «SRF» – wird man enttäuscht: keine Treffer. Hier besteht definitiv noch Optimierungsbedarf.

Facebook als Youtube-Konkurrent – ob der User da mitmacht?

Ist Facebook Watch also eine ernsthafte Gefahr für Youtube? Im Moment sicherlich noch nicht. Vielen Nutzern dürfte es mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen sein, nach bestimmten Inhalten, seien das Musik-Videos, Tutorials oder Let’s-Play-Clips, automatisch auf Youtube zu suchen. Das Gleiche gilt für diejenigen, die Bewegtbilder zur Verfügung stellen. Nicht umsonst ist die Videoplattform eine der grössten Suchmaschinen nach Google. Empfehlungen und Suche wirken auf Facebook Watch noch zu wenig intuitiv, die Ergebnisse passen noch nicht so recht. Ein Umstand, der sich wahrscheinlich mit aktiverer Nutzung verbessern wird.

Ob Facebook-Nutzer dagegen wollen, dass sie noch mehr Video-Inhalte präsentiert bekommen? Bislang handelt es sich bei den in Watch präsentierten Clips um nicht viel mehr als ein Destillat aus dem Bewegtbild-Content aus dem Newsfeed. Eine Neuausrichtung von Facebook in Richtung Videoplattform dürfte nicht im Sinne der meisten User sein, so kann Watch immer nur ein Zusatzangebot sein. Das dürfte auch eher Facebooks Strategie entsprechen, zum alleinigen Anlaufpunkt im Netz für seine Nutzer zu werden. Immerhin benötigt man für Watch keine zusätzliche App – in puncto Bequemlichkeit sicher ein Plus.

Wenn Facebook Ernst machen möchte mit seinem Angriff auf Youtube, müssen sie sich auch überlegen, wie sie mit denjenigen kooperieren, die Inhalte erstellen. Wo Youtube bereits jahrelange Erfahrung hat mit den Stars und Sternchen, die täglich Videoclips für ihre Fans produzieren – und diese zum Teil auch entsprechend hofiert – stehen Zuckerberg und Co. erst am Anfang. Ausserdem eilt Facebook bislang nicht gerade der Ruf voraus, ein offenes Unternehmen zu sein.

Und dann wäre da noch der neue Fokus, den die Plattform seit einigen Wochen betont: Facebook soll ein Ort von «meaningful interactions» und «time well spent» sein. Ob man mit belanglosen Clips, wie sie dem Nutzer momentan vorgeschlagen werden, sinnvoll interagieren kann und seine Zeit tatsächlich gut nutzt?

Interessant könnte in diesem Zusammenhang eine Ankündigung aus dem Frühsommer sein: Im Juni liess Facebook verlauten, dass sie mit CNN, ABC und Fox News ins Newsbusiness einsteigen wollen und gemeinsam mit den Sendern Nachrichten für die eigene Plattform produzieren werden. Watch wäre natürlich der ideale Kanal für derartige Inhalte und darüber hinaus sicher auch für Politiker, Parteien und andere Interessenvertreter interessant.

Erstellt: 31.08.2018, 13:58 Uhr

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