Facebook wird zum Flohmarkt

Das grösste soziale Netzwerk der Welt lanciert seinen hauseigenen Marktplatz auch in der Schweiz.

Alte Kleidung loswerden? Das geht demnächst auch auf Facebook.

Alte Kleidung loswerden? Das geht demnächst auch auf Facebook. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Wer heute Gebrauchtes loswerden oder kaufen möchte, schaut ins Netz: Mit Anbietern wie Ricardo oder Tutti.ch gibt es in der Schweiz seit Jahren arrivierte Anlaufstellen zum Secondhand-Handel, international ist Ebay seit jeher der Platzhirsch. Seit Oktober 2016 mischt ein weiterer Bewerber auf dem Markt mit: Facebook. Sein Marketplace wird jetzt hierzulande aufgeschaltet.

Am Montag verkündete das soziale Netzwerk, dass es den Dienst neu auch in siebzehn europäischen Ländern geben würde, darunter auch die Schweiz. Ursprünglich stand der Dienst Nutzern in den USA, Grossbritannien, Australien und Neuseeland zur Verfügung, seit vergangenem Herbst sind Kanada, Chile und Mexiko hinzugekommen. Laut eigenen Angaben wurden im Mai allein in den USA bereits 18 Millionen Gegenstände zum Verkauf angeboten.

Facebook trägt damit einer Entwicklung Rechnung, die in privaten Gruppen auf der Plattform begonnen hat: Längst gibt es unzählige regionale und lokale Kaufen-Verkaufen-Gruppen oder Tauschbörsen, die grössten Schweizer Gruppen haben mehrere Zehntausend Mitglieder. Hier kann der Verkäufer bereits Bilder hochladen, einen Verkaufspreis einstellen und sich über Kommentare oder Direktnachricht mit dem Käufer handelseinig werden.

Dieses Nutzerverhalten will Facebook zentralisieren und – im Kern wenig verändert – für seine Zwecke nutzen: Der Marktplatz ermöglicht es dem Unternehmen, gezielt Werbung zwischen die Annoncen zu schalten. Denn das Angebot selbst soll für die Nutzer gratis bleiben.

Der Marketplace ist – wo er schon aufgeschaltet ist – in der Facebook-App prominent platziert und soll das Einstellen von Angeboten mit dem Mobil-Gerät möglichst vereinfachen: Die Kamera des Handys fotografiert das Produkt, der Messenger ermöglicht die direkte Kontaktaufnahme zwischen Anbieter und Käufer.

Was bedeutet die Einführung des Marketplace also für die hiesigen Plattformen Ricardo und Tutti.ch? Immerhin nutzen bereits über 3,7 Millionen Schweizer Facebook. Bei Tutti.ch gibt man sich entspannt: «Die Vergangenheit hat gezeigt, dass in der Schweiz grosser Wert auf lokale Marken gelegt wird», schreibt Geschäftsführer Francesco Vass auf Anfrage. «Man kann dem Launch von FB Marketplace auch was Positives abgewinnen. Die Aufmerksamkeit für die Secondhand Economy wird weiter steigen und Tutti.ch wird davon profitieren.»

Auch bei Ricardo betont man die Kenntnis des Schweizer Marktes und das Vertrauen, das man sich beim Kunden erarbeitet habe. «Der Schweizer Markt ist umkämpft und Ricardo hat sich dabei auch in der Vergangenheit erfolgreich gegen starke internationale Konkurrenz behauptet», sagt Simon Marquard von Ricardo gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Vass gibt ausserdem zu bedenken, dass Facebook natürlich auch an den Nutzerdaten interessiert sei und so zusätzlich noch das Einkaufsverhalten auswerten könne. Darüber hinaus prüfe Tutti.ch jedes eingestellte Angebot. Bei Facebook hatte es zum Start des Marketplace noch Probleme mit angebotenen Tieren, Drogen oder Pornografie gegeben.

Ricardo differenziert sich durch die Möglichkeit, dass dort Händler auch Neuware anbieten können und man zwischen Sofort-Kauf und Auktion entscheiden kann. Dies schaffe eine «von vielen geschätzte direkte Verbindlichkeit bei den Transaktionen ... ohne zusätzliches Verhandeln über den Preis».

Wie der digitale Flohmarkt auf Facebook in der Schweiz tatsächlich angenommen wird, muss sich zeigen: Trotz Ankündigung vom Montag ist der Marketplace bis Freitagnachmittag noch nicht lanciert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.08.2017, 16:24 Uhr

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