So finden Sie heraus, was Firmen auf Facebook für Werbung schalten

Der Social-Media-Gigant gewährt Nutzern Einblicke, wer auf der Plattform Werbekampagnen lanciert.

So sieht es auf dem Smartphone aus: Mehr Infos über Werbung und wie man sie melden kann.

So sieht es auf dem Smartphone aus: Mehr Infos über Werbung und wie man sie melden kann. Bild: zvg Facebook

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Als «A New Level of Transparency» kündigte Facebook seinen Schritt gestern an: Künftig sollen alle Nutzer die Werbung von Unternehmen und Organisationen einsehen können, die aktuell läuft. Und zwar ungeachtet dessen, ob man eine Fanpage gelikt hat oder ob die Werbung dem Nutzer ausgespielt wird. Aufgrund von sogenanntem Targeting, mit dessen Hilfe die Werbetreibenden Nutzer auf Facebook gezielt ansprechen können, sehen nicht alle User die gleiche Werbung. Für den «Tages-Anzeiger» hat Werbung am ehesten im deutschsprachigen Raum der Schweiz Sinn. Ein Restaurant in New York wird seine Werbung nicht an Nutzer in Zürich ausspielen wollen.

Facebook möchte hiermit mehr Transparenz herstellen und mögliche politische Aufwiegler und Fake-News-Produzenten in die Schranken weisen. Dabei wird ein Teil der Verantwortung an die Nutzer abgegeben: Die können nämlich jede Werbung als unangebracht oder beleidigend melden. Darüber hinaus enthält die Seite zusätzliche Informationen, wie das Erstellungsdatum oder ob der Name der Fanpage zwischendurch einmal geändert wurde. Wie aber sieht das in der Praxis aus?

Auf jeder Facebook-Fanpage findet sich links im Menü neu der Punkt «Seiteninfos & Werbung», unter dem man alle aktuell laufenden Werbeanzeigen und Infos zum Alter und Namen der Fanpage angezeigt bekommt.

Durch das Klicken auf die drei Punkte oben rechts in einer Anzeige kann man sie als beleidigend oder unangebracht melden

Interessantes Detail: Wenn verwandte Seiten Anzeigen schalten, bekommt man es rechts angezeigt. Hier stellte es sich leider als falsche Information heraus.

Der «Tages-Anzeiger», das ist jetzt auch öffentlich, schaltet derzeit zehn Anzeigen, um Abos zu verkaufen. Nicht ersichtlich ist, an welche Zielgruppen die Werbung ausgespielt wird, über welchen Zeitraum und mit welchem Budget. Auch die NZZ möchte Abos verkaufen, hat nebenher aber auch gesponserte Inhalte auf Facebook beworben. Der «Blick» bewirbt seine Mobile-App, «20 Minuten» eine Kooperation mit einem Müesli-Hersteller.

Und bei den Parteien? Gähnende Leere, derzeit läuft bei den grossen Parteien gar nichts, weder auf Bundesebene noch kantonal und regional, zumindest in Zürich. Klar, Wahlen stehen zurzeit in fast keinem Kanton an, die nächste Abstimmungsrunde findet erst im September statt und bietet nur mässig viel Zündstoff. Nicht einmal die so Social-Media-affine Operation Libero fährt derzeit eine Kampagne.

Derzeit herrscht weitgehend Ruhe an der Werbefront

Die Unia vielleicht? Die wirbt, aber lediglich um Mitglieder, von politischen Inhalten keine Spur. Alle anderen Organisationen, die auch mal politische Anliegen vertreten, sind derzeit zumindest in dieser Hinsicht inaktiv: Der TCS sucht auch noch Mitglieder, die Kirchen des Kantons Zürich (katholisch und reformiert) werben noch rund um den Papstbesuch.

Derzeit scheint es auf den ersten Blick also relativ ruhig an der Facebook-Werbefront, interessant dürfte es vor den nächsten Abstimmungen werden oder wenn strittigere Initiativen vors Volk kommen. Und dann natürlich 2019, wenn die nächsten Wahlen anstehen. Dann wird sich auch zeigen, ob Anzeigen missbräuchlich verwendet werden und ob die Massnahmen von Facebook geeignet sind, solchem Missbrauch vorzubeugen. Ein jetzt schon absehbares Problem: Wer Einfluss nehmen möchte, lässt seine Anzeigen über obskure Fanpages laufen, denn wenn der Nutzer die Fanpage gar nicht erst kennt, kann er so auch die Anzeigen nicht finden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.06.2018, 17:31 Uhr

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