Wie Facebook die 10-Year-Challenge nutzen könnte

Millionen Menschen füttern das Netzwerk gerade mit Fotos von sich. Hat gar Facebook selbst den neusten Trend erfunden?

Vor zehn Jahren (links) und heute: Mark Zuckerberg, Chef von Facebook. Bilder: Getty Images

Vor zehn Jahren (links) und heute: Mark Zuckerberg, Chef von Facebook. Bilder: Getty Images

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Wer Facebook, Twitter oder Instagram nutzt, dem ist der neuste Trend wahrscheinlich schon aufgefallen: die #10YearChallenge. Die sozialen Medien werden gerade geflutet von Bildern mit dem Hashtag. Millionen von Nutzern haben schon mitgemacht, darunter viele Celebrities. Im Prinzip geht es nur darum, ein Bild von sich aus dem Jahr 2009 neben ein aktuelles zu stellen. Klingt harmlos – aber nur im ersten Moment.

Was wäre, wenn Facebook die Challenge selbst ins Leben gerufen hätte, um neue Algorithmen für seine Gesichtserkennung zu trainieren? Diese Frage warf als Erstes die Technologieberaterin Kate O’Neill auf. «Vor zehn Jahren hätte ich wahrscheinlich mitgemacht. Heute frage ich mich, wie all diese Datenmengen ausgewertet werden könnten», schrieb sie auf Twitter.

Der Eintrag hat eine breite Diskussion in den sozialen Medien ausgelöst. Die meisten dieser Bilder seien doch sowieso schon einmal auf Facebook hochgeladen worden, sagen einige Kommentatoren. Ja, teilweise treffe das zu, entgegnete O’Neill in einem Beitrag im Magazin «Wired». Aber der Aufwand für Facebook, die Bilder selber zu sammeln, wäre weitaus grösser. Etliche Nutzer hätten zum Beispiel kein Foto von sich selbst hochgeladen oder das gleiche Foto mehrere Male über die Jahre, was es schwierig mache, es einem Datum zuzuordnen.

Mit der 10-Year-Challenge liefern die Nutzer alles selbst. Sie füttern Facebook mit einem grossen Datensatz sorgfältig kuratierter Bilder. Viele geben zusätzliche persönliche Informationen zum Ort und Kontext preis, in dem das Bild entstanden ist. Für das Unternehmen wäre es so ungleich einfacher, die Daten zu analysieren.

«Die 10-Year-Challenge hat von allein angefangen, ohne unsere Beteiligung.»Facebook

Andere Experten glauben wie O’Neill, dass an dieser Theorie etwas dran sein könnte. «Die Challenge liefert Facebook eine perfekte Grundlage für Machine Learning», sagte beispielsweise die Marketing-Professorin Amy Webb gegenüber CBS News. Die Firma erhalte so die Möglichkeit, seinen Systemen eine bessere Gesichtserkennung beizubringen und anzutrainieren.

Wo der Trend seinen Ursprung hat, lässt sich nicht mehr genau zurückverfolgen. Facebook sah sich jedenfalls genötigt, eine Verwicklung in die Sache abzustreiten. «Die 10-Year-Challenge ist ein nutzergeneriertes Meme, das von allein angefangen hat, ohne unsere Beteiligung. Es ist nur ein Beweis für den Spass, den die Menschen auf Facebook haben», schrieb das Unternehmen in einer Stellungnahme.

Auch wenn Facebook die Challenge nicht selbst orchestriert haben sollte – das Unternehmen nutzt seit Jahren Gesichtserkennungs-Software, um Nutzerdaten zu generieren. Unter anderem bei seinen Smart-Home-Geräten «Portal», die es im Oktober lancierte. Die damit aufgezeichneten Daten würden nicht für Werbezwecke gesammelt, versicherte damals Facebook, nur um kurz darauf gegenüber dem Tech-Portal «Recode» einzuräumen, dass sehr wohl Nutzerdaten für Werbung eingesetzt werden könnten.

«Unabhängig vom Ursprung oder der Intention hinter der aktuellen Challenge müssen wir alle klüger im Umgang mit den Daten werden, die wir teilen und kreieren», meint O’Neill. Es sei zum Beispiel vorstellbar, dass das Älterwerden dereinst ein Faktor bei der Beurteilung von Versicherungen und Krankenkassen werden könnte. «Jemand, der schneller altert als andere, würde dann vielleicht stärker zur Kasse gebeten oder abgewiesen.» Die Technologieberaterin rät deshalb allen, sich in Zukunft stärker mit den Konsequenzen von solchen Interaktionen zu befassen und nicht jedem Trend blind nachzurennen.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 17.01.2019, 20:39 Uhr

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