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Facebook-Skandal betrifft 87 Millionen Nutzer

Cambridge Analytica hatte «unzulässigen» Zugriff auf weitaus mehr Nutzerdaten als bisher angenommen.

Mark Zuckerberg am Tag vor seiner Anhörung in Washington. (9. April 2018)
Mark Zuckerberg am Tag vor seiner Anhörung in Washington. (9. April 2018)
Alex Wong/Getty Images, Keystone
«Ich denke, die Leute sollten uns daran messen, dass wir aus unseren Fehlern lernen»: Mark Zuckerberg. (Archivbild)
«Ich denke, die Leute sollten uns daran messen, dass wir aus unseren Fehlern lernen»: Mark Zuckerberg. (Archivbild)
Steven Senne, Keystone
Cambridge Analytica hat nach eigenen Angaben einen Grossteil seines Wahlkampfs bestritten: US-Präsident Donald Trump. (Archivbild)
Cambridge Analytica hat nach eigenen Angaben einen Grossteil seines Wahlkampfs bestritten: US-Präsident Donald Trump. (Archivbild)
Evan Vucci, Keystone
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Der Datenskandal bei Facebook hat deutlich grössere Ausmasse als zunächst angenommen. Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern könnten unzulässigerweise mit der Firma Cambridge Analytica geteilt worden sein, wie das Online-Netzwerk in einem Blogpost sagte.

Die meisten dieser 87 Millionen Betroffenen gebe es in den USA, schrieb Technikvorstand Mike Schroepfer. Man werde sie nun informieren. Zuvor war stets von etwa 50 Millionen betroffenen Nutzern die Rede gewesen.

Das Unternehmen teile zudem mit, dass die öffentlichen Profile «der meisten Leute auf Facebook» mittlerweile von Drittparteien ohne explizite Bewilligung extrahiert wurden. «Böswillige Akteure» hätten die Such- und Wiederherstellungsfunktionen missbraucht, um an die Daten zu gelangen.

Das neue Eingeständnis erhöht die Nöte von Facebook, das wegen des gigantischen Missbrauchs von Nutzerdaten ohnehin schon unter massivem juristischen und politischen Druck steht. Cambridge Analytica hatte sich mit Hilfe der abgeschöpften Daten eine wertvolle Datenbank zulegt, die dann für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump genutzt worden sein soll. Behörden in den USA wie in Grossbritannien haben deshalb Ermittlungen eingeleitet. Auch laufen beiderseits des Atlantik parlamentarische Untersuchungen.

Zuckerberg wird vor Kongressausschuss zitiert

Facebook-Chef Mark Zuckerberg willigte ein, am kommenden Mittwoch im US-Kongress zu dem Skandal auszusagen. Seine Anhörung findet vor dem Handelsausschuss des Repräsentantenhauses statt, wie der republikanische Ausschussvorsitzende Greg Walden und der Vertreter der oppositionellen Demokraten, Frank Pallone, mitteilten. Durch die Befragung sollten die US-Bürger besser verstehen, «was mit ihren persönlichen Daten online geschieht».

Zuckerberg hatte sich in den vergangenen Tagen für den Datenmissbrauch entschuldigt und eine Reihe von Reformen in dem Onlinenetzwerk angekündigt. Die Nutzer sollen sich unter anderem einfacher einen Überblick darüber verschaffen können, welche ihrer persönlichen Daten von Facebook gespeichert worden sind. Auch soll es ihnen erleichtert werden, solche Daten zu löschen. Ein neues Menü soll es ihnen ermöglichen, rasch die Sicherheit ihres Accounts zu erhöhen.

Die Neuerungen sollen nach Angaben von Schroepfer am Montag installiert sein. Die User sollten dann auch in die Lage versetzt werden, Apps zu beseitigen, die sie nicht mehr wollten. Sie würden ausserdem darüber in Kenntnis gesetzt, ob ihre Informationen möglicherweise unerlaubt an Cambridge Analytica gegangen seien.

Änderungen brauchen Jahre

Die britische Firma hatte die Nutzerdaten mittels einer App mit einem Persönlichkeitstest abgefischt. 270'000 Menschen beteiligten sich an diesem Test. Doch mittels der App erlangte Cambridge Analytica auch Zugriff auf die Daten von Facebook-Freunden der Testteilnehmer, was die enorme Zahl der Betroffenen erklärt.

Der Zugriff von Apps auf solche Nutzer, die das Miniprogramm gar nicht selbst heruntergeladen haben, ist seit 2014 bei Facebook nicht mehr möglich. Das Unternehmen räumte jedoch ein, dass Nutzer weiterhin nicht ausreichend gegen missbräuchliche Zugriffe auf ihre Daten geschützt sind.

Zuckerberg machte sogar vor einigen Tagen selber deutlich, dass die jetzt angefassten Neuerungen bei weitem nicht reichten. Es werde «einige Jahre» brauchen, um die Probleme mit dem Schutz von Nutzerdaten zu beheben, sagte er dem US-Nachrichtenportal «Vox». Er wünschte, er könnte alle diese Probleme in drei oder sechs Monaten lösen, doch sei eine «längere Zeitspanne» nötig, sagte er.

Der Skandal berührt den Kern des Geschäftsmodells von Facebook und anderen Branchengrössen wie Google oder Twitter, das auf der massiven Sammlung von Daten über seine Nutzer beruht.

AFP/sep

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