Wie Facebook uns sieht

Wer Snowdens Warnungen vergessen hat, dem demonstriert eine neue Software: Unsere Spuren im Internet erzeugen erschreckend ähnliche Doppelgänger.

Daumen hoch? Facebook hat ein ziemlich genaues Bild von uns.

Daumen hoch? Facebook hat ein ziemlich genaues Bild von uns. Bild: Peter DaSilva (EPA/Keystone)

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Was nach den Snowden-Enthüllungen rund um Prism und Tempora noch ein Skandal war, ist knapp vier Jahre später zur Alltäglichkeit verkommen. Viel wurde geschrieben und gemahnt, um die Nutzer an mögliche Konsequenzen eines sorglosen Umgangs mit dem Netz zu erinnern. Das meiste umsonst.

Wahrscheinlich vor allem deswegen, weil die Datensammelei von Geheimdiensten und Internetkonzernen zu subtil vor sich geht. Permanent überwacht und analysiert zu werden, ist eine nervige Gewissheit. Aber man nimmt es in Kauf, um an einer tollen Sache – dem Internet – teilzuhaben.

Selbstporträt aus Daten

Doch man darf die Hoffnung auf Einsicht nicht aufgeben. In der vergangenen Woche stellten die beiden Programmiererinnen Hang Do Thi Duc und Regina Flores Mir eine Erweiterung für Googles Chrome-Browser mit dem prägnanten Namen Data Selfie vor. Es handelt sich um ein für jedermann herunterladbares Werkzeug, das anhand des Beispiels von Facebook visualisiert, wie umfassend die Datenproduktion und Analyse heutzutage ist. Data Selfie arbeitet dabei mit denselben Signalen, die auch Facebook selbst zur Verfügung stehen: Kommentaren, Links und Likes. Informationen, welche Postings man betrachtet und wie lange.

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Nach ein paar Tagen intensiver Facebook-Nutzung spuckt Data Selfie dann ein Selbstporträt aus, bestehend aus Daten. Durch Textanalyse-Algorithmen und maschinelles Lernen erstellt es Vorhersagen zu Religionszugehörigkeit und politischen Ansichten des Nutzers, dominanten Persönlichkeitsmerkmalen, Alter, Geschlecht, Konsumabsichten oder Hobbys.

Ich und extrovertiert?

Die Interpretationen des Programms sind erstaunlich genau. Für die beiden Macherinnen ist Data Selfie trotzdem vor allem ein Kunstprojekt. Und es ist ja auch davon auszugehen, dass die Methoden des Konzerns Facebook um einiges raffinierter sind. Doch es sei auch gar nicht das Ziel, eine zu hundert Prozent richtige Vorhersage zu treffen, so Flores Mir.

Ihr Programm ist als Weckruf für alle gedacht, die ihre Transparenz akzeptiert haben. Mindestens ebenso interessant ist es aber auch zu betrachten, wo das maschinell erzeugte Fremdbild sich vom Selbstbild unterscheidet. Ich und extrovertiert? Nie und nimmer! Und so offenbaren diese Diskrepanzen auch noch eine ganz andere, mindestens ebenso unheimliche Gewissheit: Irgendwo auf den Serverfarmen von Facebook und Co. ist ein Duplikat unserer selbst gespeichert. Ein Daten-Doppelgänger, der bestimmt, wie das Internet auf uns reagiert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.02.2017, 20:25 Uhr

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