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Zuckerberg erfüllt sich einen Bubentraum

Zwei Milliarden Dollar zahlt Facebook für eine Cyberbrille. Wie dieser Deal zu verstehen ist.

Die virtuelle Brille konnte an der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas ausprobiert werden.
Die virtuelle Brille konnte an der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas ausprobiert werden.
Jae C. Hong, Keystone
Die beiden Softwaredesigner Julian Kantor (links) und Jonathan Feng, mit der Oculus Rift an der Spielemesse E3 in Los Angeles (im Juni 2013).
Die beiden Softwaredesigner Julian Kantor (links) und Jonathan Feng, mit der Oculus Rift an der Spielemesse E3 in Los Angeles (im Juni 2013).
Gus Ruelas, Reuters
Immersion ist der Zustand, bei dem eine virtuelle Welt so echt wie die Realität wirkt.
Immersion ist der Zustand, bei dem eine virtuelle Welt so echt wie die Realität wirkt.
Sergey Galyonkin/Flickr.com
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«Unsere Mission ist es, die Welt offener zu machen», schrieb Facebook-Gründer Mark Zuckerberg diese Nacht, als er die Übernahme von Oculus VR ankündigte. Dieses Unternehmen entwickelt seit 2013 eine Cyberbrille, die wie ein Helm das ganze Gesichtsfeld abdeckt. Bei 3-D-Games versinkt der Spieler komplett in seiner virtuellen Welt. Immersion nennt sich das, wenn die Simulation sich nicht mehr von der Realität unterscheiden lässt.

Mehr Offenheit durch eine geschlossene Brille, die ihren Träger von der Welt abkoppelt? Das klingt nach einem frappanten Widerspruch und nach purer Unvernunft, für dieses Unternehmen zwei Milliarden hinzublättern. Die Oculus-Rift-Brille – bislang erst als Prototyp erhältlich – sieht denn auch überhaupt nicht nach einem mehrheitsfähigen Produkt aus. Die Brille verwandelt ihren Träger in eine Art Cyborg und dient weniger der Vernetzung als vielmehr dem Eskapismus.

Microsoft und Sony verschlafen die Zukunft

Zuckerberg sieht das anders. Die virtuelle Realität ist integraler Bestandteil seiner Vision der Zukunft, die von der Konkurrenz gerade verschlafen wird. «Sony hat irgendwann mal etwas vorgeführt und Microsoft ist noch nicht mal an dem Punkt, wo sie etwas zeigen könnten», hat Zuckerberg Geekwire.com in einem Konferenzgespräch gesagt.

Oculus Rift könnte den Träger in die erste Reihe eines Basketballspiels versetzen, für virtuellen Unterricht verwendet oder für die Konsultation beim Doktor genutzt werden – wobei die Brille das Problem aufwirft, wie bei einer virtuellen Konsultation eine Untersuchung durchgeführt werden könnte.

Man nimmt Zuckerberg die Begeisterung für diese Brille ab, denn Zuckerberg ist ein Geek und er bleibt es auch als Vorstandsvorsitzender von Facebook. Und Mark Zuckerberg hat genügend Geld, sich einen Bubentraum zu erfüllen.

Das Image verbessern

Natürlich hat Zuckerberg auch gute Gründe zu diversifizieren. Bei den jüngeren Nutzern schwindet Facebooks Popularität. Mit dem Kauf von Whatsapp hat Facebook diesem Umstand bereits Rechnung getragen. Doch so wie die Xbox dem angestaubten Image von Microsoft eine gute Portion Coolness verlieh, könnte auch Oculus Rift das Image von Facebook verbessern.

Oder hat Facebook einfach zu viel Geld? Das deutet ein Kommentar unter einem Artikel auf Businessinsider.com an: «Das ist ein brillanter Schachzug von Facebook: Sie haben einen aufgeblähten Aktienkurs und fragwürdige Zukunftsaussichten, jemals in ihren Börsenwert von 165 Milliarden hineinzuwachsen. Da ist es sinnvoll, das Geld für Akquisitionen zu verwenden. Mich erinnert das an AOL, als Steve Case sein Geld weise nutzte, bevor sich das Dial-up-Geschäftsmodell in Luft auflöste.» Case hatte zum Höhepunkt der Dotcom-Blase das Medienunternehmen Time Warner übernommen.

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