Zürcherinnen landen mit Simpsons-Imitation weltweiten Hit

In ihren Ferien haben zwei Frauen eine Episode der Kult-Fernsehserie nachgestellt und sind auf Zeichentrick-Fresstour durch New Orleans.

Homer Simpson zum Verwechseln ähnlich: Zwei Zürcherinnen in New Orleans.


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Kult ist ein schwieriges Wort – vor allem, wenn es auf Kulturgüter angewendet wird. Eine Serie, die allerdings mit Fug und Recht als Kult bezeichnet werden darf, ist «The Simpsons», einfach schon wegen der kultischen Verehrung, die ihr zuteil wird. Zwei Zürcherinnen haben mit ihrer Hommage an die ebenso verfressene wie liebenswürdige Hauptfigur Homer Simpson einen Youtube-Hit gelandet.

Katrin von Niederhäusern und Janine Wiget kam die Idee zu ihrem Video, als sie gemeinsam die Folge «Lisa Gets the Blues» aus der 29. Staffel der «Simpsons» sahen. In der Episode findet sich die gelbe Zeichentrick-Familie in New Orleans wieder, und Tochter Lisa begleitet ihren Vater auf einer lukullischen Tour de Force durch die kreolische und Cajun-Küche. Die Szene ist für sich genommen schon sehenswert.

An dieser Stelle kommen die zwei Kreativen ins Spiel: Ihnen war sofort klar, dass sie auf ihrer anstehenden USA-Reise diese Völlerei nachstellen würden, sagt Katrin von Niederhäusern im Interview (s. unten). Nach ausführlicher Planung dauern die Dreharbeiten an über 50 Lokalen vor Ort rund eine Woche. Das Ziel, alle Szenen möglichst originalgetreu nachzustellen, ist erreicht – selten war eine «Simpsons»-Imitation so detailverliebt.

Dass von Niederhäusern und Wiget ein grosser Wurf gelungen ist, belegen (wenn man das Offensichtliche nicht ohnehin sieht) die Zahlen. Als «20 Minuten» und «Gambit» das Thema vor zwei Tagen aufnehmen – das Video wurde vor einer Woche zu Youtube hochgeladen – wurde der Clip bereits 80’000-mal abgespielt. Seither hat die Geschichte ihren Weg auch auf das populäre Tech-Magazin Mashable gefunden, der Zähler auf der Videoplattform steht bald bei knapp 600’000 Views.

Im Interview berichtet Katrin von Niederhäusern stellvertretend von den Absurditäten des Drehs.

Wie kommt man auf die Idee, eine so aufwendige Szene nachzustellen?

Ich glaube, das war wahrscheinlich die «most silly» Idee für ein Ferienprojekt, die wir je umgesetzt haben. New Orleans könnte man wirklich auf 100 bessere Arten geniessen. (lacht) Immer wieder fragten wir uns: Was machen wir da und warum genau? Dann haben wir gelacht und einfach weitergemacht.

Das Problem bei Janine und mir ist, dass wir zu solchen Ideen immer «Ja ... why not» sagen und es total ernst meinen. Und dann liegt man halt ein paar Monate später in einem der elegantesten Restaurants in New Orleans quer über einem Tisch und versucht mit einem Löffel Seafood Gumbo aus 70 Zentimeter Höhe in sich hineinzuschlürfen. Natürlich unter ständiger Beobachtung der total verwirrten Restaurantgäste.

Die Idee hatten wir, als wir im Februar die (relativ neue) Episode «Lisa Gets the Blues» zusammen gesehen hatten. Wir sind nicht nur Fans von den Simpsons, sondern auch von New Orleans. Und als die Simpsons in der Episode in die tolle Stadt reisten, waren wir natürlich grad ein bisschen aufgeregt.

Die Szene, als sich Homer durch 54 Restaurants isst, hat uns sehr beeindruckt, weil die Macher extrem gut recherchiert hatten und wahrscheinlich die Stadt super kennen und genauso lieben wie wir. Wir googelten alle Restaurants, ob die auch wirklich existieren und genau so aussehen. Dem war so – da war klar, dass wir die Szene nachstellen mussten.

Wie plant man so einen Stunt?

Wir haben eine grosse Karte von New Orleans ausgedruckt und alle Restaurants eingezeichnet. So hatten wir schon mal einen Überblick, welche nahe beieinander sind. Doch dann merkten wir, dass jedes Restaurant ja auch noch andere Öffnungszeiten hat. Schweizerisch wie wir sind, haben wir alles sauber aufgeschrieben und uns perfekte Tagespläne gemacht.

Das klingt kompliziert.

Natürlich wurden diese vor Ort wieder total über den Haufen geworfen; wir hatten unzählige Hindernisse beim Drehen: Ein Restaurant war sonntags zu, eines hatte Sommerferien, ein weiteres war im Umbau, und ein anderes war sogar leider ganz geschlossen. Oder: Das Menü war nur auf dem Mittagsmenü, und wir waren am Abend dort oder andersherum, oder das Menü war nicht mehr auf der Karte oder gar nie auf der Karte gewesen. Da haben wohl die Simpsons etwas geschummelt.

Wie haben die Restaurantbesitzer reagiert?

Wir hatten immer einen Ausdruck von allen 54 Szenen dabei. So konnten wir schnell erklären, was wir vorhatten. Oft mussten wir mit den Restaurantmanagern reden. Entgegen unserer Erwartung waren wirklich alle cool drauf und liessen uns einfach machen.

Schwierig war nur, dass wir nicht allen Gästen erklären konnten, was wir machten, das hätte uns zu viel Zeit gekostet – wir hatten ja einen Plan einzuhalten. Als wir dann unsere Posen eingenommen haben und sich die Verwirrung der Gäste in Gelächter wandelte, mussten wir es ihnen natürlich auch erzählen.

Welches Equipment haben Sie benutzt?

Wir hatten ein Stativ und zwei Handys. Auf dem einen filmten wir das Ganze. Auf dem anderen hatten wir die Cartoonszene als Vorlage für Winkel, Positionierung und Bewegung der Szene. Weil wir keinen Kameramann hatten, wurde zuerst immer Lisa positioniert, dann Markierungen auf den Boden gelegt, daraufhin wurde Homer positioniert und am Ende mit Selbstauslöser gefilmt.

Überrascht Sie der Erfolg des Videos?

Niemals haben damit gerechnet. Nie, nie, nie. Wir wollten das Video einfach machen, weil wir beides so lieben: die gelbe Familie und die tolle Stadt. Just for fun! Wir wollten den Clip gerne noch jemandem von den Simpsons schicken, einfach als Dankeschön für die tolle Episode. Aber bevor es dazu kam, ging es auf Youtube schon ab, und die Simpsonsmacher haben uns von sich aus ein E-Mail geschickt. Das hat uns sehr happy gemacht!

Wie hat der Dreh Ihren Blick auf New Orleans verändert?

Es war sehr spannend, so tief in die Foodszene von New Orleans hineinblicken zu können. Das 100-jährige Restaurant Arnauds zum Beispiel ist das grösste Restaurant in der Stadt. Wir bekamen eine Führung durch das Museum und die unzähligen Räume. Doch unsere liebsten Locations waren die, die nicht im touristischen Zentrum lagen. Wir entdeckten so sehr unterschiedliche Viertel der Stadt. Die Leute waren aber überall gleich nett und offen, das hat uns sehr beeindruckt und inspiriert.

Zum Beispiel haben uns immer wieder Locals geholfen, die fehlenden Lokalitäten ausfindig zu machen. Sean O’Brian, der uns bei der letzten Szene mit einer Drohne geholfen hat, müssen wir besonders danken. Und natürlich: Danke, New Orleans!

Erstellt: 30.08.2019, 18:42 Uhr

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