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Zwei Drittel des chinesischen Internets lahmgelegt

Millionen Menschen hatten heute in China plötzlich keinen Zugang zum Internet mehr. Ein Hackerangriff aus den USA könnte schuld sein.

Ein Grossteil des chinesischen Internetverkehrs wurde plötzlich auf eine amerikanische IP-Adresse umgeleitet: Ein Internetcafé in Peking. (28. Dezember 2012)
Ein Grossteil des chinesischen Internetverkehrs wurde plötzlich auf eine amerikanische IP-Adresse umgeleitet: Ein Internetcafé in Peking. (28. Dezember 2012)
Keystone

Nach Medienberichten sollen zwei Drittel des chinesischen Internets von der Störung betroffenen gewesen sein. Der Internetverkehr sei aus ungeklärter Ursache auf die amerikanische IP-Adresse 65.49.2.178 in Kalifornien umgeleitet worden, die nicht reagiert habe. Der Zugriff auf Webseiten habe somit nur noch Fehlernachrichten erzeugt. Die Root-Server des chinesischen Domain-Namensystems (DNS), die Namen von Webseiten in numerische Adressen umwandeln, hätten nicht mehr richtig funktioniert, berichtete das China Internet Network Information Center laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Solche Fehler hätten durch Hacker ausgenutzt werden können, indem die IP-Adresse benutzt worden sein könnte, um Informationen über Nutzer abzufischen, sagte Song Yingqiao, ein Experte der Online-Sicherheitsfirma 360 Safe Guard. Die Möglichkeit eines Hackerangriffs könne nicht ausgeschlossen werden, sagte auch Dong Fang, ein anderer Internetexperte, laut Xinhua. «Theoretisch könnten Hacker die Kontrolle über die Server übernommen haben.»

Reparatur dauert Stunden

Der schwerwiegende Internetausfall hatte nach den Berichten gegen 15 Uhr Ortszeit (8 Uhr MESZ) begonnen. Die meisten Webseiten seien etwa zwei Stunden später wieder zugänglich gewesen. Doch könnte eine komplette Wiederherstellung des Internets bis zu zwölf Stunden dauern, berichtete der chinesische Internetanbieter DNSpod der Hongkonger Zeitung «South China Morning Post». Viele Dienste von Online-Riesen wie der Suchmaschine Baidu oder der grossen Portale Sina und Tencent mit seinen Kurznachrichtendiensten seien stundenlang nicht zugänglich gewesen.

Die Zieladresse in Kalifornien, auf die der Internetverkehr merkwürdigerweise umgeleitet wurde, gehört dem Webhoster Sophidea, wo - aus chinesischer Sicht - auch heikle Webseiten beheimatet sind, darunter die «Epoch Times», eine Zeitung der in China verbotenen Kultbewegung Falun Gong.

Ein Eigengoal der Zensubehörde?

Mitglieder der chinesischen Internetgemeinde spekulierten, die chinesische Zensur habe versucht, die Adresse zu sperren, aber versehentlich den chinesischen Internetverkehr nach Kalifornien geleitet. Andere Nutzer fragten sich, ob der Ausfall durch eine Modernisierung der «Grossen Firewall», des grossen Schutzwalls gegen missliebige Internetseiten, passiert sein könnte.

Doch hielten Experten einen Hackerangriff für wahrscheinlicher. «Eine Verbesserung der nationalen Firewall ist normalerweise ein schrittweiser Prozess, der sorgfältiges Vorgehen erfordert und wahrscheinlich nicht die Server lahmlegt», sagte ein Pekinger Experte, der anonym bleiben wollte, der «South China Morning Post».

SDA/ldc

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