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Film-Highlights der WocheAllein in der Arktis

In George Clooneys «The Midnight Sky» ist die Menschheit weitgehend ausgestorben. Dazu haben wir weitere Streaming-Tipps.

Der Grantler (George Clooney) und die Kleine (Caoilinn Springall) erwarten ein Raumschiff in «The Midnight Sky».
Der Grantler (George Clooney) und die Kleine (Caoilinn Springall) erwarten ein Raumschiff in «The Midnight Sky».
Foto: Netflix

The Midnight Sky

Science-Fiction von George Clooney, USA 2020, 117 Min.

Er hat ja in «Gravity» und «Tomorrowland» schon entsprechende Genreerfahrung gesammelt. Jetzt inszeniert George Clooney seinen eigenen Science-Fiction-Film und spielt auch selbst die Hauptrolle: einen bärtigen Grantler in einer postapokalyptischen Welt.
Ein Corona-Gleichnis? Tatsächlich ist die Erde in «The Midnight Sky» nur noch in der Arktis bewohnbar. Aber dann erhält der todkranke Augustine (Clooney) in seiner verlassenen Forschungsstation Nachrichten von einer zurückkehrenden Astronautencrew, die er warnen sollte. Zusammen mit einem zurückgebliebenen Kind, der stummen Iris (Caoilinn Springall), bricht er deshalb zu einer Wetterstation auf, die eine dafür notwendige Antenne hat.
«The Midnight Sky», basierend auf dem Buch von Lily Brooks-Dalton, ist nicht nur optisch eine Wucht mit eiskalten Bildern in Grün-Blau und mittendrin dieses Kind im gelben Kleid. Es ist auch ein grosses Überlebensabenteuer und eine Parabel darüber, was Generationen einander weitergeben – auch und gerade in Zeiten der Krise. (zas)

Auf Netflix ab Mi 23.12.

Petite fille

Dokumentarfilm von Sébastien Lifshitz , F/Dä 2020, 85 Min.

Karine muss zum Psychologen, um mit ihm über ihr Kind zu sprechen. «Sasha ist ein kleines Mädchen», erklärt sie. «Ein kleines Mädchen im Körper eines Buben.» Die Achtjährige möchte Schlaufen im Haar und Röcke tragen. Ihre Eltern und Geschwister unterstützen sie, nicht jedoch die Lehrer an der Schule: Die verlangen, dass Sasha Jungen-Kleidung trägt, und sie haben den Verdacht, dass Karine dem Kind das Mädchensein aufzwingt. Nun kommt aber der Psychologe zum Schluss, dass er für den Fall nicht qualifiziert ist, und verweist die Familie an eine Expertin in Paris.
Regisseur Sébastien Lifshitz («Les vies de Thérèse») hat Sasha und ihre Mutter im Alltag begleitet. Er porträtiert die beiden mit viel Einfühlungsvermögen und leistet nebenbei dringend nötige Aufklärungsarbeit. Karine macht sich viele Vorwürfe. Wäre alles anders gekommen, hätte sie sich während der Schwangerschaft nicht so sehnlich ein Mädchen gewünscht? Sie bräuchte eigentlich Unterstützung – deswegen ist es frustrierend, dass ihr und Sasha so viele Steine in den Weg gelegt werden. (ggs)

Auf Arte

Volunteer

Dokumentarfilm von Anna Thommen und Lorenz Nufer, CH 2019, 93 Min.

2015 machten Michael und Rahel Räber Ferien auf Griechenland und stiessen mitten in Athen auf ein Lager von Syrien-Flüchtenden. Spontan entschied sich das Paar, den Leuten zu helfen; zurück zu Hause gründeten die Räbers die Organisation Schwizerchrüz. Die Doku «Volunteer» zeigt nun die schwierige Arbeit der Flüchtlingshelfer. Was bringt die Schweizerinnen und Schweizer dazu, sich vor Ort einzusetzen? Weshalb müssen Freiwillige die Verantwortung tragen, während die Politik tatenlos bleibt? Wir sehen, wie Schlauchboote am Strand von Lesbos landen, oder wie die mazedonische Polizei ein Flüchtlingslager mit Tränengas angreift. Derweil reden Politiker in der Schweiz die Lage der Flüchtenden klein. Der Film hinterlässt einen bleibenden Eindruck – und macht wütend. (ggs)

Auf Filmingo, Myfilm

African Mirror

Dokumentarfilm von Mischa Hedinger, CH 2019, 84 Min.

Aus dem Nachlass des Berner Afrika-Experten René Gardi (1909–2000) sowie aus Archivmaterial, Tagebucheinträgen, Zeitungsartikeln, Tonaufnahmen etc. hat Mischa Hedinger diesen Dokumentarfilm montiert. Er liefert das komplexe Bild eines komplexen Menschen und sagt sehr viel darüber aus, wie die Schweizer die Afrikaner sehen. Und wenn man sich dann einen Film wie «Bruno Manser: Die Stimme des Regenwaldes» ansieht, merkt man: So viel weiter als Gardi sind wir gar nicht, was die Darstellung indigener Völker anbelangt. (ggs)

Auf Cinefile, Myfilm und Outside the Box

Trailer zu «African Mirror».
Trailer: Outside the Box

Yalda

Drama von Massoud Bakhshi, Iran 2019, 89 Min.

Eine junge Frau (Sadaf Asgari) brachte aus Versehen ihren Mann um und erhielt dafür die Todesstrafe. Würde ihr allerdings die Tochter des Toten vergeben, so müsste sie nur Blutgeld bezahlen und käme frei. So will es das iranische Recht. Die Handlung spielt an einem einzelnen Abend in einem Fernsehstudio, denn der Fall wird live vor einem Millionenpublikum verhandelt – inklusive Musiknummern und einer Zuschauerabstimmung per SMS. Regisseur Massoud Bakhshi liess sich von einer realen Fernsehsendung und einigen Gerichtsprozessen im Iran inspirieren. Herausgekommen ist eine düstere, imponierende Mediensatire. (ggs)

Auf Filmingo