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Britische Regierung hat vorbestelltDyson produziert Beatmungsgeräte statt Staubsauger

Für viele Briten ist der Erfinder und Designer James Dyson bereits ein Held. Nun will er mit der Entwicklung eines Beatmungsgeräts Corona-Patienten helfen.

Der britische Designer James Dyson: Bekannt ist seine Firma vor allem durch beutellose Staubsauger – doch mittlerweile hat sie Tausende Patente angemeldet.
Der britische Designer James Dyson: Bekannt ist seine Firma vor allem durch beutellose Staubsauger – doch mittlerweile hat sie Tausende Patente angemeldet.
Foto: Thomas Peter

Brauereien stellen um auf die Produktion von Desinfektionsmitteln, Industriekonzerne fertigen Atemschutzmasken. In Zeiten der Corona-Krise ist Erfindungsreichtum gefragt. Auch der britische Firmengründer und Milliardär James Dyson will bei der Bekämpfung der Corona-Krise mithelfen. Seine Firma hat zusammen mit dem Technologieunternehmen TTP im Auftrag der britischen Regierung Beatmungsgeräte für Covid-19-Patienten entwickelt in nur zehn Tagen.

Dabei wirkt Dyson keinesfalls allein. Für ihn arbeitet ein ganzes Heer von Ingenieuren und Designern, die laufend an neuen Erfindungen tüfteln. Meist mit Erfolg: Seine Firma hat bereits mehr als 10’500 Patente angemeldet.

Britische Regierung bestellte 10’000 Stück

Gross gemacht hat Dyson sein Unternehmen mit der Erfindung eines beutellosen Staubsaugers. Das hat sich für den 72-Jährigen rentiert. Sein Vermögen ist in den vergangenen Jahren laut «Forbes» auf 6,2 Milliarden Pfund gestiegen. Damit schafft er es auf Platz 303 der reichsten Menschen der Welt. Zwar ist das Unternehmen immer noch für Staubsauger bekannt, doch zu den Produkten zählen mittlerweile unter anderem die in Restaurants und Skihütten beliebten Luft-Handtrockner und Haarföhns.

Vom neuen Beatmungsgerät CoVent hat die britische Regierung bereits 10000 Stück bestellt. Das Gerät wird mit Batterien betrieben, ist am Bett montiert und tragbar. Damit kann es in verschiedenen Pflegeeinrichtungen, in Feldspitälern und beim Transport von Patienten verwendet werden. Das grüne Licht der Behörden zur Produktion stand zuletzt noch aus positive Schlagzeilen waren jedoch garantiert –, auch deshalb, weil Dyson 5000 Geräte spenden will. «Ich bin stolz darauf, was die Ingenieure bei Dyson und unsere Partner bei TTP erreicht haben», schrieb Dyson in einer Mitteilung an die Beschäftigten. «Dieses neue Gerät kann schnell, effizient und in grossen Stückzahlen hergestellt werden

Ein Beatmungsgerät für Corona-Patienten. Dyson hat bei der Entwicklung mit dem britischen Technologieunternehmen TTP zusammengearbeitet.
Ein Beatmungsgerät für Corona-Patienten. Dyson hat bei der Entwicklung mit dem britischen Technologieunternehmen TTP zusammengearbeitet.
Foto: Dyson
Dyson hat bei der Entwicklung mit dem britischen Technologieunternehmen TTP zusammengearbeitet.
Ein Beatumungsgerät für Corona-Patienten. 
Dyson hat bei der Entwicklung mit dem britischen Technologieunternehmen TTP zusammengearbeitet.
Foto: Dyson
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Ehrgeiziges Elektroautoprojekt gestoppt

Doch nicht jede Erfindung aus dem Hause Dyson ist ein Erfolg. Eine Waschmaschine floppte, und kürzlich musste Dyson auch die aufsehenerregenden Pläne für sein Elektroauto zu den Akten legen. In das Fahrzeug, das bereits nächstes Jahr auf den Markt kommen sollte, wollte die Firma 2,5 Milliarden Pfund investieren – bevor sie im Herbst das Aus verkündete.

«Wir waren sehr zufrieden mit dem Design des Autos, aber wir dachten, es wäre sehr schwierig, damit Geld zu verdienen. Also mussten wir es leider stoppen», sagt Dyson. Auch die bestehenden Autobauer würden viel Geld mit der Herstellung von Elektroautos verlieren könnten diese Verluste aber mit dem Verkauf herkömmlicher Autos kompensieren. «Wir sind nicht in dieser Position», sagt Dyson.

Den Posten als Firmenchef hat er bereits vor Jahren abgegeben. Als Chefingenieur ist Dyson jedoch weiterhin in die Entwicklung sämtlicher Produkte involviert. Dabei bestimmt er sogar Details wie die Farbe mit.

Affront für viele Briten

Unlängst hatte der Vorzeigeunternehmer, den die Queen mit dem Ritterschlag geehrt hat, den Unmut seiner Landsleute auf sich gezogen. Der bekennende Brexit-Befürworter hatte angekündigt, den Sitz seiner Firma aus Grossbritannien nach Singapur zu verlegen. Aus Sicht vieler Briten ist das ein Affront in einer Zeit, in der das Land jede wirtschaftliche Unterstützung gut gebrauchen kann. Dyson beschwichtigt: «Wir haben nur einige wenige Stellen nach Singapur verschoben, und es ist nun unsere Firmenzentrale. Aber wir bauen unser Forschungszentrum in Grossbritannien weiterhin aus», sagt er.

Ein Börsengang seines Unternehmens ist für ihn keine Option auch deshalb, weil er sich dann nicht mehr so gut auf neue Erfindungen konzentrieren könnte. «Als Familienunternehmen müssen wir uns nicht darum kümmern, was der Aktienmarkt oder Investoren denken könnten. Wir können uns auf das Produkt konzentrieren und auf die Entwicklung der besten Technologie», sagt Dyson.

Doch der Brite investiert nicht nur in neue Technologien, sondern auch ganz altmodisch in Grund und Boden. Seine Ländereien bewirtschaftet er über sein Unternehmen Beeswax Dyson Farming. Er soll sogar mehr Flächen besitzen als die Queen.