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Jo-Jo-Effekt im ImmobilienmarktEigentumswohnungen verkaufen sich schneller als vor Corona

Zuerst Flaute, jetzt Boom: Nach einem Einbruch ist die Nachfrage bei Eigentumswohnungen plötzlich wieder stark gestiegen. Woran das liegt.

Trotz Pandemie: Viele Schweizerinnen und Schweizer sind wieder am Kauf von Eigentum interessiert.
Trotz Pandemie: Viele Schweizerinnen und Schweizer sind wieder am Kauf von Eigentum interessiert.
Foto: Getty Images

Das Immobilienportal Homegate hat zusammen mit der Zürcher Hochschule für Wirtschaft (HWZ) die Entwicklung auf dem Schweizer Markt für Eigentumswohnungen analysiert und dabei Erstaunliches festgestellt: Über das ganze Berichtsjahr gesehen (4. Quartal 2019 bis 3. Quartal 2020) war die Nachfrage wegen der Corona-Krise wie erwartet rückläufig – doch zwischen dem vergangenen Juni und September setzte eine überraschende Kehrtwende ein.

Eigentumswohnungen wurden im Schnitt schon 52 Tage nach ihrer Ausschreibung verkauft. Das ist ein Rekordwert, der sogar deutlich unter der boomenden Zeit vor Corona liegt (60 Tage). Gegenüber dem Vorquartal hat sich die Insertionsdauer sogar mehr als halbiert, trotz einer höheren Anzahl an Inseraten. Eigentumswohnungen sind somit aktuell gefragter denn je.

Mit dem Ausbruch der Pandemie Anfang Jahr stiegen die Insertionszeiten von 87 auf 99 und während des Lockdown im zweiten Quartal sogar auf 113 Tage. Anbieter mussten sich im Schnitt also fast vier Monate gedulden, bis sie ihre Eigentumswohnung verkaufen konnten. Gleichzeitig inserierten viele nicht mehr, weil es während des Lockdown schwierig war, überhaupt Wohnungsbesichtigungen durchzuführen.

Dass es jetzt zum Jo-Jo-Effekt kam, führt Peter Ilg, Leiter des Swiss Real Estate Institute der HWZ, hauptsächlich auf zwei Faktoren zurück: «Einerseits ist der Boom im dritten Quartal auf die aufgeschobene Nachfrage aus den Vorquartalen zurückzuführen, andererseits aber auch auf eine Verhaltensveränderung: Schöner Wohnen ist vielen Schweizern nach dem Lockdown noch wichtiger geworden.»

Besonders in der Romandie und im Tessin hat die Nachfrage gegenüber 2019 stark zugenommen. In der Grossregion Waadt/Wallis waren die Insertionszeiten von Juni bis September 13 Tage kürzer als vor Corona, in Genf 19 und im Tessin sogar 30 Tage. Nur in der Nordwestschweiz verkauften sich Eigentumswohnungen ein wenig langsamer.

Den stärksten Nachfrageboom erlebte Zürich: Obwohl die Anzahl Inserate und somit das Angebotsvolumen gegenüber dem Vorjahr massiv zunahm (plus 74 Prozent), verkürzte sich die durchschnittliche Ausschreibungszeit. Dass auch praktisch alle anderen Regionen eine stärkere Nachfrage aufweisen, ist nach Einschätzung der Immobilienexperten «erstaunlich», da die Schweiz in diesem Jahr die stärkste Rezession seit der Ölkrise vor mehr als 40 Jahren hinnehmen muss.

In der gesamten Berichtsperiode (4. Quartal 2019 bis 3. Quartal 2020) wurden rund 91'000 Eigentumswohnungen im Internet zum Kauf angeboten, was einer Zunahme von 19 Prozent gegenüber der Vorperiode entspricht. Die durchschnittliche Insertionszeit ist mit 43 Prozent jedoch deutlich stärker gestiegen. Der Boom von Juni bis September konnte die schwächere Nachfrage im ersten Halbjahr also nicht kompensieren.

Trotzdem ist Homegate-CEO Jens Paul Berndt zuversichtlich: «Wir haben jüngst einen starken Anstieg der Besuche und Kontaktanfragen festgestellt. Das ist ein Zeichen dafür, dass Immobilien auch in Zeiten einer Krise ein gefragtes Investitionsobjekt sind.»

18 Kommentare
    Peter Silie

    Markus Bachmann macht ein deftigen Fehler, er vergisst der Hauptgrund des Bevölkerungsdrucks: Die Steuerschraube für Unternehmen an der die Schweizer so gerne (runter-) schrauben. Die Anziehungskraft für das kapital ist immens, auch die Arbeitskräfte müssen irgendwoher kommen, die Schweizer kommen da nicht nach. Also bitte die Migrationsturbos vergessen und dort hinschauen wo alle nicht hinsehen wollen: bei der Unternehmenssteuer!