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Geldblog: AnlagestrategienEin Depot voller Dividendenperlen?

Zusatzeinnahmen versus Risiko: Was es bei der Investition in dividendenstarke Einzelaktien zu beachten gilt.

Gefährliche Nebenwirkung: Bei Direktanlagen auf Einzeltiteln bleibt die Diversifikation auf der Strecke.
Gefährliche Nebenwirkung: Bei Direktanlagen auf Einzeltiteln bleibt die Diversifikation auf der Strecke.
Illustration: Christina Baeriswyl

Wir haben 200´000 Franken, die wir anlegen und mit deren Dividende wir eine Art Rente generieren möchten. Wir haben uns überlegt, entweder das Geld in den ETF iShares Swiss Dividend ETF (CH) zu investieren oder je circa 10000 Franken in Dividendenperlen anzulegen. Dabei denken wir in Anlehnung an den ETF an folgende Titel: ABB, Adecco, Baloise, BB Biotech, Cembra, DKSH, Georg Fischer, LafargeHolcim, Nestle, Novartis, Roche, Schweiter, SGS, Swiss Life, Swiss Re, Swisscom, Swatch, Vontobel und Zurich. Die Direktanlage ist uns sympathischer; wir möchten aber gerne Ihren Rat. Leserfrage von U.L.

Der von Ihnen ins Auge gefasste Exchange Traded Fund iShares Swiss Dividend ETF (CH) des amerikanischen Vermögensanlagegiganten Black Rock bildet einen Index nach, der aus Schweizer Unternehmen mit hohen Dividendenrenditen und einer nachhaltigen Dividendenpolitik besteht. Mit diesem Instrument kann man kostengünstig in Schweizer Dividendenperlen investieren und erreicht eine gute Diversifikation. Die Gebühren des an der Börse gehandelten Finanzvehikels sind mit einer Gesamtkostenquote Total Expense Ratio TER von 0.15 Prozent gering.

Da Sie sich zum Ziel gesetzt haben, bewusst auf Schweizer Dividendenperlen zu setzen und in erster Linie an den Erträgen interessiert sind, macht für mich eine Anlage in dieses Instrument Sinn. Trotz der Diversifikation tragen Sie allerdings ein erhebliches Anlagerisiko. Angesichts der grossen Unsicherheit wegen der Coronakrise können die Märkte jederzeit wieder einbrechen.

Zwar gibt das viele Geld der Notenbanken, das angelegt werden muss, den Märkten eine Stütze. Dennoch werden wir in nächster Zeit weiter starke Kursschwankungen erleben. Wichtig ist daher, dass Sie einen Anlagehorizont von rund zehn Jahren festlegen, während denen Sie das investierte Kapital sicher nicht brauchen. Dies dürfte bei Ihnen erfüllt sein, da Sie ja an den Erträgen interessiert sind.

Angesichts der Coronakrise müssen Sie bei vielen Börsenfirmen mit Dividendenkürzungen rechnen.

Sie schreiben, dass Ihnen eine Direktanlage anstelle des ETF sympathischer wäre. Das verstehe ich: Wenn man Einzelaktien besitzt, hat man einen engeren Bezug zu den gewählten Unternehmen und kann deren Entwicklung und die Einzelkurse genauer mitverfolgen. Der Nachteil bei einer Strategie mit Einzeltiteln ist aber die geringere Diversifikation. Mit den aufgeführten Einzelaktien erreichen Sie zwar eine gewisse Diversifikation. Diese ist indes trotzdem nicht ganz so breit wie wenn Sie den ETF nutzen. Dazu kommt die Frage der Gewichtung. Aus meiner Sicht ist es nicht sinnvoll, kleinere oder mittelgrosse Werte wie etwa DKSH genauso stark zu gewichten wie die Schwergewichte Roche, Nestlé oder Novartis. Gerade bei kleineren Gesellschaften müssen Sie noch mit stärkeren Kursschwankungen rechnen, wenn sich die Geschäftsperspektiven deutlich verschlechtern.

Zu bedenken gebe ich Ihnen auch, dass Sie zwar eine gewisse Diversifikation bezogen auf den Schweizer Markt erreichen, aber den internationalen Markt vernachlässigen. Die aktuelle Börsenerholung in den USA wird beispielsweise hauptsächlich von den Techwerten getragen. Wenn man keine solchen Techaktien besass, hat man die Erholung zu einem grossen Teil verpasst. Falls Sie nicht bereits auch auf andere Anlageklassen setzen und auch internationale Aktien besitzen, würde ich mir zusätzlich eine breitere Diversifikation überlegen, damit Sie kein Klumpenrisiko eingehen.

Bezogen auf den Schweizer Markt, würde ich in Ihrem Fall wohl eine Kombination vornehmen: Ich würde die Hälfte des Kapitals in Dividendenperlen aus dem Swiss Market Index wie Roche, Nestlé, Novartis, Swiss Re, Zurich, Swisscom, LafargeHolcim, Swiss Life, ABB und Adecco anlegen und die zweite Tranche in den ETF iShares Swiss Dividend ETF (CH). Hier sind die grossen SMI-Werte zwar auch vertreten. Die Übergewichtung dieser halte ich indes nicht für einen Nachteil. Dafür aber erreichen Sie bei den kleinen und mittelgrossen Dividendenperlen dennoch eine vernünftige Diversifikation, ohne dass Sie zu grosse Gebühren ausgeben. Angesichts der Coronakrise müssen Sie allerdings bei vielen Börsenfirmen mit Dividendenkürzungen rechnen. Denn Dividenden sind nie garantiert.

3 Kommentare
    Martin Leu

    Dividenzahlungen sind letztlich ein Substanzverlust der entsprechenden Firma, deshalb sinkt ja auch der Kurs Ex-Dividende. Es gibt keinen Grund, einen Titel nur wegen hoher Dividendenzahlungen zu bevorzugen. Dazu sind genug Studien vorhanden die zeigen, dass bei einer Investition in "Dividenperlen" die Performance längerfristig nicht besser ist. Im Gegenteil, die Dividenden müssen noch als Einkommen versteuert werden. Statt ein Einkommen mit Dividenzahlungen generieren zu wollen ist es effektiver, stattdessen jeweils Aktien in derselben Grössenordnung zu verkaufen. Grundsätzlich macht es keinen Unterschied, ob der Substanzverlust des Depots durch Dividendenzahlungen oder Aktienverkäufe erfolgt.