Ein Ermittler gerät selbst unter Mordverdacht

Krimi der Woche: «Ironcutter – Die Geheimnisse der Toten» vom ehemaligen Mordermittler David Achord ist ein witziger Privatdetektiv-Roman aus Nashville.

Für seine Ermittlungen in besonders schweren und brutalen Fällen von Raubüberfällen, Entführungen und Vergewaltigungen wurde Achord 2006 als «Field Operations Investigator of the Year» ausgezeichnet.

Für seine Ermittlungen in besonders schweren und brutalen Fällen von Raubüberfällen, Entführungen und Vergewaltigungen wurde Achord 2006 als «Field Operations Investigator of the Year» ausgezeichnet. Bild: zvg

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Der erste Satz

Ich hatte mir das ganz genau überlegt.

Das Buch
Um Musik geht es nicht in diesem Kriminalroman, der in der amerikanischen Music City Nashville spielt. Thomas Ironcutter war hier erfolgreich als Detective bei der Polizei tätig. Doch als er des Mordes an seiner Frau verdächtigt wurde, musste er gehen. Jetzt schlägt er sich als Privatdetektiv durch. Neben der Arbeit restauriert Ironcutter gerne alte Amischlitten, raucht teure Zigarren, trinkt edlen Scotch und klopft mit seinen Kumpeln dumme Sprüche.

Ironcutter, der seinen schneidigen Nachnamen einem Einwanderungsbeamten verdankt, dem der italienische Name seines Ururgrossvaters zu kompliziert war und der ihn einfach übersetzte, ist der Held von bisher zwei Kriminalromanen von David Achord. Der pensionierte Detektiv – Achord war lange Jahre Mordermittler bei der Polizei in Nashville –, der auch eine Zombie-Survival-Romanreihe schreibt, hat offenbar zumindest teilweise sich selbst als Vorbild für seinen Helden genommen. Und dass er sich mit dem Ermittlerhandwerk auskennt, spürt man beim Lesen.

In «Ironcutter – Die Geheimnisse der Toten», dem ersten Band, wird der Privatermittler von einem befreundeten Anwalt beauftragt, den verschwundenen Vermögenswerten eines Pleite gegangenen Transportunternehmens nachzugehen. Gleichzeitig bittet ihn ein alter Kollege, einen Blick auf einen Fall zu werfen, der von der Polizei als Suizid abgehakt worden ist. Es stellt sich heraus, dass der Tote für genau jenes Unternehmen Lastwagenfahrer war und versteckt in der Ladung Heroin aus Kanada in die USA transportierte. Und dann heften sich auch noch Ex-Kollegen an Ironcutters Fersen.

Indem Achord auch den Tod von Ironcutters Frau in Zusammenhang zu dessen Fällen bringt, mutet er seinem Plot etwas viel Zufälle zu. Trotzdem ist die vielschichtige Story spannend, und die kundigen Beschreibungen der Arbeit des Ermittelns vermögen zu fesseln. Vor allem aber ist dieser Krimi ziemlich witzig. Die anzüglichen Gedanken des Detektivs angesichts schöner Frauen mögen zwar auf Anhieb etwas vorgestrig anmuten, doch der Mann weiss, dass er sie besser nicht äussert. Auch nicht gegenüber seiner neuen Assistentin, die direkt aus einem Stripschuppen zu ihm gewechselt hat. Ironcutter findet zwar, sie sehe toll aus, es ist ihm aber klar, dass sie viel zu jung ist, als dass er ihr Avancen machen dürfte. So macht er einer Frau in angemessenem Alter schöne Augen. Dass sich diese und ihre Teenager-Tochter als Veganerinnen erweisen, schreckt den hartgesottenen Detektiv, der gerne mal den Grill anwirft, nicht ab. Und so erweist sich Ironcutter als durchaus zeitgemässer Krimiprotagonist.

Die Wertung

Der Autor
David Achord, geboren (schätzungsweise Mitte/Ende der 1950er-Jahre) im US-Bundesstaat Tennessee, studierte an der Middle Tennessee State University in Murfreesboro. Nach seiner ehrenhaften Entlassung als Sergeant der US Army fand er seine Berufung in der Strafverfolgung. Nachdem er zuerst beim Rutherford County Sheriff’s Departement tätig war, arbeitete er von 1990 bis 2013 als Detective beim Metropolitan Nashville Police Departement. Dort wurde er für das Aufspüren von vier Verdächtigen in besonders schweren und brutalen Fällen von Raubüberfällen, Entführungen und Vergewaltigungen Ende 2006 als «Field Operations Investigator of the Year» ausgezeichnet. Als Detective hat er die Bestsellerautorin J. T. Ellison bei ihrer Serie um den Ermittler Taylor Jackson in Nashville fachlich beraten; sie bezeichnet Achord als den «Mann, der mir alles über Verbrechen beigebracht hat». Seit seiner Pensionierung schreibt er selber Bücher. Seit 2014 erschienen sechs Bände seiner Zombie-Survival-Serie «Zombie Rules». Inzwischen sind zudem zwei Kriminalromane um Privatdetektiv Thomas Ironcutter erschienen: «Wildcat» (2016; Deutsch: «Ironcutter – Die Geheimnisse der Toten») und «Mustang» (2017). Im Original erscheinen Achords Bücher im auf Horrorliteratur spezialisierten Verlag Severed Press im australischen Tasmanien; auf Deutsch im ähnlich orientierten Luzifer-Verlag. David Achord lebt in Nashville, Tennessee.

David Achord: «Ironcutter – Die Geheimnisse der Toten» (Original: «Wildcat», Severed Press, Hobart, Tasmania 2016). Aus dem Englischen von Peter Mehler. Luzifer-Verlag, Drensteinfurt 2018. 447 S., ca. 22 Fr.

Erstellt: 16.01.2019, 11:52 Uhr

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