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Sweet Home: ArchitekturEin Ferien-Bijoux in Malans

In dieser gemütlichen Wohnung mitten in einem schönen Bündner Dorf wird die Verbindung von Geschichte und Gegenwart zum Architekturerlebnis.

Fotos: Zeljko Gataric

Das Plantahaus mitten im Dorfkern vom herrschaftlichen Bündner Dorf Malans wurde im 17. Jahrhundert von Ambrosi von Planta gebaut und 1974 vom renommierten Bündner Architekten Rudolf Olgiati (1910-1995) umgebaut. Zusammen mit dem damaligen Besitzer der Wohnung, Paul Gredinger, auch Architekt und einer der Gründer der Werbeagentur GGK, und dem Juristen Richard Allemal gründete er die «Gesellschaft für gute alte Architektur». Dabei ging es darum, schöne Häuser vor dem Abbruch, dem Verfall, vor liebloser Nutzung oder vor der Verschandelung durch schlechten Geschmack zu retten. Im Plantahaus ist dies sehr schön gelungen.

Die grosszügige Wohnung diente lange Zeit als Ferienwohnung und dann als Familienwohnung. Zuletzt war sie das Zuhause von langjährigen Mietern. Als diese auszogen, entschied sich die Familie, sie wieder zu einem Feriendomizil umzugestalten. Um die Wohnung auch für andere zu öffnen, wurde sie anschliessend der Stiftung «Ferien im Baudenkmal» zur Verfügung gestellt. Eingerichtet hat sie Barbara Gredinger, deren Zuhause wir vor einiger Zeit mit Sweet Home besuchten. Die ehemalige Stylistin und Redakteurin hat nach ihrer Lehre als Winzerin selbst einige Jahre hier in dieser Wohnung mit ihrer Familie gelebt. Ihre Liebe und Verbundenheit zur schönen Wohnung kommt in der gelungenen, entspannten Einrichtung zum Ausdruck.

Mit grossen handgewobenen Teppichen hat sie Farbe und Wärme in die Räume gezaubert. Es sind Berberteppiche vom Hohen Atlas, die Barbaras Schwiegervater gesammelt hat. Der Teppich im Wohnzimmer ist noch der von der Originaleinrichtung von Rudolf Olgiati und Paul Gredinger. Barbara Gredinger liess ihn reinigen und hat die Löcher selbst sorgfältig und kunstvoll gestopft. Die Möbel sind schlichte Designklassiker, die viel Komfort bieten und zugleich eine gewisse Neutralität ausstrahlen, welche Feriengästen Platz zum Wohnen und Sein lässt. Es sind auch einige originale Olgiatimöbel zu finden.

Die Einrichtung unterstützt die schönen alten, mit viel Achtsamkeit renovierten Räume und lenkt nicht davon ab. Dabei hat Barbara Gredinger immer an Olgiati gedacht, der wie sie sagte, sehr genau war mit seiner Vorstellung der Einrichtung. «Ich wollte ja nicht, dass er sich im Grab umdreht», meint sie lachend, «er hat nämlich ursprünglich sogar einige Möbel in den Wohnungen angeschraubt, damit sie ja nicht ersetzt werden». Auch hat sie bei der Suche nach neuen Möbeln nach Stücken Ausschau gehalten, die Olgiati ursprünglich für die Einrichtung gewählt hat. «Olgiati duldete bloss Naturleinen als Vorhangstoff. So habe ich selbst alle Vorhänge aus edlem Naturleinen auf Mass genäht.» Sie sind alle gefüttert, damit sie nachts auch verdunkeln.

In der Wohnung mit hohen Wohnräumen dominiert ein einfaches, aber kraftvolles Täfer. Auch gewölbte Steinmauern, Cheminées und viele kleine Plätze zum Entspannen sind in den Räumen zu finden.

Im Erdgeschoss gibt es einen herrschaftlichen Gartensaal, mit stattlichem Cheminée, Régence-Stuckaturen und prächtigen Kreuzgewölben. Die Fassade wurde bei der Restaurierung nach traditionellem Verfahren weiss gekalkt. Das hohe Satteldach ist mit alten, handgemachten Biberschwanzziegeln eingedeckt. So blieb nicht nur im Innern des Hauses, sondern auch aussen der Eindruck der Bündner Bauweise in ihrer stattlichen Schönheit erhalten.

Der Régence Stil, benannt nach der kurzen Regentschaft 1715-1723 von Philipp von Orléans, leitet den Übergang des wuchtigen Barocks zur eleganten Leichtigkeit des Rokokos ein. Die verspielten Stuckaturen der Gewölbedecken im Plantahaus sind ein wunderschönes Beispiel dafür.

Schlichte Gewölbedecken sind in der Küche und im Essbereich zu sehen. Diese wunderschönen Rundungen inspirierten Barbara Gredinger zur Wahl der Stühle. Ursprünglich standen die Magistretti-Stühle um den Tisch. Diese findet man nun in den Schlafzimmern. Der Marmortisch ist zum Teil noch original Olgiati, aber die Füsse mussten ergänzt werden. So verbindet sich in der Einrichtung, ganz im Sinne Olgiatis, Geschichte mit Gegenwart. Dabei helfen auch einige antike Einzelstücke, wie hier diese Truhe.

Die besondere Verbindung von Gemütlichkeit und Leichtigkeit zeigt sich überall, wie etwa mit dem Spiel von offenen Durchgängen, dem Lichteinfall oder mit dem harmonischen Ineinanderfliessen von unterschiedlichen Materialien wie Täfer und Mauerwerk oder Holz- und Steinböden.

Durch den gelungenen Umbau von Olgiati in den Siebzigerjahren wurde die Anzahl der Wohnungen erhöht. Dabei entstanden mittels Dacheinschnitten und ergänzenden Lauben und Terrassen neben den grösseren Wohnungen auch Kleinwohnungen.

Seinen Namen verdankt das Haus Ambrosius von Planta, der es im Jahr 1645 mitten im Dorfkern von Malans erbauen liess. Die «Von Planta» sind ein schweizerisches Adelsgeschlecht aus dem Oberengadin. Das Geld verdienten sie als Offiziere vorwiegend in Frankreich und Österreich, aber auch in Spanien, England, Neapel und in den Niederlanden. Ausserdem waren sie die Bankiers ihrer Zeit. Ihre Stammsitze waren Zuoz, Samedan und Chur. Einzelne Linien der Familie bestehen bis heute.

Das mittlere Plantahaus, in dem sich die Ferienwohnung befindet, wurde nach dem verheerenden Dorfbrand von 1684 von den zwei Söhnen Ambrosius und Gubert von Planta-Wildenberg auf den Resten des Vorgängerbaus erstellt und gilt als Stammhaus der Planta-Wildenberg in Malans.

Bei schönem Wetter, und dafür ist die Bündner Herrschaft bekannt, kann man im Gärtchen vor dem Haus verweilen und dabei den Duft der Rosen und des Rosmarins einatmen.

Ferien im eigenen Land eröffnen neue Welten. Die Region um Malans bietet viele Ausflugsziele. Sie ist perfekt für lange Spaziergänge durch die nahe Natur, durch Rebberge und schöne Dörfer.

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Credits: Die Ferienwohnung im Plantahaus ist zu mieten über: Ferien im Baudenkmal

5 Kommentare
    Andrea Grunder

    Wow! WunderWunderschön!