Zum Hauptinhalt springen

Berliner Flughafen BER eröffnetEin Flugzeug landet – mit neun Jahren Verspätung

Pleiten, Pannen und Mehrkosten von über drei Milliarden. In Berlin hoffen sie nach der Flughafen-Eröffnung trotz Corona auf ein «Wirtschaftswunder».

Hurra, erste Flugzeuge sind da: Nach jahrelangen Verzögerungen ist der Pannenflughafen BER eröffnet.
Hurra, erste Flugzeuge sind da: Nach jahrelangen Verzögerungen ist der Pannenflughafen BER eröffnet.
Getty Images

Nach jahrelangen Verzögerungen wegen Pfusch am Bau ist der Grossflughafen Berlin Brandenburg BER am Samstag in Betrieb gegangen. Zur offiziellen Eröffnung landeten zwei Maschinen von Easyjet und Lufthansa kurz hintereinander auf dem neuen Airport. Dieser gilt als Synonym für Fehlplanung, Missmanagement, Aufsichtsversagen und milliardenschwere Verschwendung von Steuergeldern. «Es gab frustrierende Momente und viele Rückschläge», sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. «Wir haben nun endlich einen Flughagen nach internationalem Standard.»

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke sagte, es habe Krisen und eine viel zu lange Bauzeit gegeben. «Es ist kein Jubeltag, es ist ein Arbeitstag – mit sehr viel Erleichterung und Vorfreude», erklärte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Nun müsse man mit einem «Wirtschaftswunder» durchstarten, um die Virus-Pandemie möglichst rasch zu überwinden. «Die Zeit der Jokes über den BER muss jetzt vorbei sein.» Die mehrmals verschobenen Eröffnung des Airport hatten für viel Hohn und Spott gesorgt.

Frühestens 2025 auf gleichem Niveau

Die Inbetriebnahme fällt mitten in die Corona-Krise. Wegen des Einbruchs im Flugverkehr schreibt der BER wohl auf Jahre hinaus Verluste und benötigt staatliche Hilfen. Dabei hat das Projekt die öffentliche Hand und damit der Betreiber Berlin, Brandenburg und dem Bund arg strapaziert: Die Kosten stiegen von rund 2,7 Milliarden auf knapp sechs Milliarden Euro. Wegen einer Vergrösserung des Airports im Vergleich zu den ursprünglichen Planungen von 2005 verdreifachten sich die Kosten sogar fast.

Die Branche wird nach Worten von Lufthansa-Chef Carsten Spohr noch lange unter der Krise leiden. «Wir müssen realistisch sein. Es wird bis Mitte des Jahrzehnts dauern, bis wir frühestens, wenn überhaupt das Niveau von 2019 wieder erreichen können.» Anders als bei Tegel sei es am BER möglich, Umsteigeflüge anzubieten und damit genug Passagiere für Langstreckenflüge zu sammeln. Für die Lufthansa sei ein drittes Drehkreuz in Deutschland neben Frankfurt und München nicht vorstellbar, aber das Angebot von direkten Interkontinentalflügen möglich, wenn es profitabel möglich sei.

Easyjet hofft auf BER

Mit der BER-Eröffnung soll der innerstädtische Berliner Flughafen Tegel am 8. November schliessen. Der alte DDR-Airport Schönefeld wird als Terminal 5 zunächst in den BER integriert, soll aber langfristig mit Eröffnung von Terminal 3 schliessen.

Der britische Billigflieger Easyjet setzt grosse Hoffnungen in den Grossflughafen Berlin Brandenburg. «Mit nur noch einem Airport können wir unser Geschäft viel effizienter angehen», sagte Konzernchef Johan Lundgren . Der BER sei eine der wichtigsten Basen der Konzerns. Hier unterhalte man die einzige Wartungsstation ausserhalb Grossbritanniens. Lundgren wollte sich allerdings nicht in die Karten schauen lassen, wann Easyjet in Deutschland Gewinne machen will. «Im Moment geht es vor allem darum, diese Situation für das gesamte Unternehmen zu meistern.»

sda/red

14 Kommentare
    P. Eckert

    Irgendwie passend zu Berlin diese Einweihung, eine Billig Airline als Star und prophylaktisch schon vorab die Feuerwehr am Pannenflugplatz mit Löschwasser am Einsatz.