Zum Hauptinhalt springen

ProbefahrtEin Fünkchen Zukunft

Zwei Liter, vier Zylinder, 330 PS: Mit dem Ghibli-Hybrid beginnt jetzt auch bei Maserati die Elektrifizierung.

XXXX
XXXX
Maserati

Nein, zu den Vorreitern gehören sie in Modena nun wirklich nicht. Zwar macht Maserati bei der Eleganz niemand etwas vor, und auch die Fahrleistungen der Modelle mit dem Dreizack am Grill sind über die allermeisten Zweifel erhaben. Doch technisch hinkten die Italiener zuletzt arg hinterher. Chronisch knapp bei Kasse und dann noch im Schlagschatten der glamourösen Schwester Ferrari, hat es bei ihnen schon lange nicht mehr für grosse Innovationssprünge gereicht. Doch jetzt spitzt Maserati noch einmal den Dreizack und soll im neuen Stellantis-Imperium gar zum Vorreiter der Elektrifizierung werden: «Jedes neue Modell wird es auch in einer vollelektrischen Version geben», verspricht der oberste Strippenzieher Corrado Nizzola und fordert dabei gar nicht mehr viel Geduld ein. Denn noch in diesem Jahr gibt es einen neuen Gran Turismo, der es in der E-Version mit Vorzeigestromern wie dem Porsche Taycan oder dem Tesla Model S aufnehmen soll.

Aber während seine Entwickler das Zusammenspiel von bis zu drei E-Motoren proben, eine 800-Volt-Architektur austüfteln und eifrig Batteriezellen verlöten, muss Nizzola erst einmal kleinere Brötchen backen und Minischritte auf dem Weg in die Zukunft machen. Denn die Elektrifizierung beginnt nicht mit einem schweren Stromschlag, sondern mit einem 48-Volt-Hybrid, der jetzt im Einstiegsmodell Ghibli Einzug hält. Damit sind die Italiener zwar reichlich spät dran, machen es dafür aber konsequent. Denn sie flanschen den Riemenstarter nicht einfach an ihren V6- oder V8-Motor, sondern bringen erstmals in der jüngeren Geschichte auch einen Vierzylinder und kommen so auf eine Verbrauchseinsparung von rund 20 Prozent. Und ganz nebenbei fällt so auch der Preis noch deutlich, sodass der Dreizack künftig schon ab 80’350 Franken sticht. Ausserdem können sich die Italiener damit gleich auch noch den Diesel sparen, den zuletzt ohnehin kaum mehr jemand haben wollte.

Touchscreen und Android-System

Corrado Nizzola ist übrigens nicht der einzige Strippenzieher zum Wechsel des Modelljahres: Parallel zur Elektrifizierung hält nun im Ghibli auch neue Elektronik Einzug, und das Infotainment wird auf den neusten Stand gebracht. Denn selbst wenn niemand einen Maserati wegen der Multimedia-Ausstattung kaufen wird und die Zahl der Zylinder bei diesen Autos doch noch wichtiger ist als die Grösse der Bildschirmdiagonale, waren die Italiener den Rückstand auf die Konkurrenz leid. Deshalb läuft auf dem vergrösserten Touchscreen jetzt ein Android-System mit Online-Navigation und Echtzeitdaten zu Verkehr, Spritpreisen oder dem Wetter entlang der Route, Updates für Karten und Software kommen über Funk, und neben einer Vernetzung mit dem Smartphone kann sich der Ghibli auch mit Alexa und Google Assist austauschen.

Zeitlos elegant: Der Maserati Ghibli Hybrid.
Zeitlos elegant: Der Maserati Ghibli Hybrid.
Maserati
Das Cockpit des Ghibli Hybrid wurde angepasst.
Das Cockpit des Ghibli Hybrid wurde angepasst.
Maserati
Der Vierzylinder im Maserati Ghibli Hybrid reicht mit 330 PS locker für alle Ansprüche.
Der Vierzylinder im Maserati Ghibli Hybrid reicht mit 330 PS locker für alle Ansprüche.
Maserati
1 / 4

Doch die Sprachassistenten haben jetzt Pause und das Wort führt der neue Motor: Ein Maserati mit vier Zylindern? Auf dem Papier klingt das wenig verführerisch, doch in der Praxis macht der 2,0-Liter eine überraschend gute Figur: Mit 330 PS fast so stark wie der V6 und mit bis zu 450 Nm und einem elektrischen Verdichter hält er locker mit den Sechszylindern der Konkurrenz aus Deutschland mit. Und dass nun weniger Gewicht auf der Vorderachse lastet, während die zusätzliche Puffer-Batterie für die Rekuperationsenergie im Heck die nötige Balance bringt, ist kein Schaden. Im Gegenteil: Der fast 5 Meter lange Italiener lässt sich ausgewogen und präzise um die Kurven dirigieren.

Nur so richtig sparsam ist der Hybrid natürlich nicht: 8,5 Liter sind im Vergleich zu den Ghibli-Geschwistern nicht schlecht, im Segment aber allenfalls Durchschnitt. Das scheint Corrado Nizzola nicht zu ärgern, und er denkt nicht im Traum daran, irgendwann noch einen Voll- oder gar einen Plug-in-Hybriden zu entwickeln. «Alles faule Kompromisse», sagt der Ingenieur abschätzig und will lieber ganz auf den Verbrenner setzen oder gar nicht. «Denn wenn wir zwei Antriebe einbauen, ist immer einer Ballast», so Nizzola: «Der eine ist unnötig und der andere nicht richtig befriedigend. Deshalb fahren unsere Autos schon bald entweder ganz oder gar nicht elektrisch.»

1 Kommentar
    Jürgen Baumann

    Schicker Schlitten. Schaut aber ein wenig schlecht gelaunt in die Landschaft. Liegt es daran, dass nur die Fensterheber elektrisch sind?