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HP Spectre x360 13 im TestEin grossartiger Rechner mit zwei grossen Widersprüchen

HPs neuer Premiumrechner überzeugt als Laptop und Tablet. Er zwingt den Nutzer aber dazu, sich zwischen Komfort und Schutz der Privatsphäre zu entscheiden.

Was die Farbenpracht angeht, kann der OLED-Bildschirm mit den Osterglocken (fast) mithalten.
Was die Farbenpracht angeht, kann der OLED-Bildschirm mit den Osterglocken (fast) mithalten.
Foto: Matthias Schüssler

Mein erster Eindruck von dem neuen HP Spectre x360 13 war niederschmetternd: Dieses Testgerät und ich – wir werden keine Freunde, dachte ich. Denn ich stand wie der Esel am Berg: Wie zum Teufel schaltet man diesen Computer ein? Ein passender Knopf ist weit und breit nicht zu sehen. Weder auf der Tastatur noch seitlich.

Doch halt: Hinten links, in der abgewinkelten Ecke, sitzt ein schmaler Schalter, der das Gerät zum Leben erweckt. Und sobald es aufgestartet ist, wird die alte Redewendung, es gebe keine zweite Chance für einen ersten guten Eindruck, Lügen gestraft. Der Bildschirm überzeugt augenblicklich. Das OLED-Display ist mit seiner 4K-Auflösung so scharf, dass man mit der Lupe nach einzelnen Pixeln suchen muss.

Viele Pixel, wenig Rand

Nicht nur das: Es bietet auch «True Black HDR». Das klingt nach einer hohlen Marketingfloskel, bedeutet aber tolle Brillanz mit sattem, dunklem Schwarz und leuchtenden hellen Bildpartien. Dem Hersteller ist es gelungen, im Vergleich zum Vorjahresmodell den Rand um den Bildschirm markant zu verkleinern. Dadurch wird das Gerät bei gleicher Bildschirmdiagonale kompakter.

Da ist er doch, hinten links: Der Einschaltknopf.
Da ist er doch, hinten links: Der Einschaltknopf.
Foto: Matthias Schüssler
Auf der Tastatur lässt es sich angenehm schreiben. Kleine Einschränkung: Der nur einzeilige Enter-Knopf ist etwas schwer zu treffen.
Auf der Tastatur lässt es sich angenehm schreiben. Kleine Einschränkung: Der nur einzeilige Enter-Knopf ist etwas schwer zu treffen.
Matthias Schüssler
Das HP Spectre x360 13 neben dem Macbook Pro von 2016: Immerhin beim Touchpad vermag das schon etwas ältere Gerät mitzuhalten.
Das HP Spectre x360 13 neben dem Macbook Pro von 2016: Immerhin beim Touchpad vermag das schon etwas ältere Gerät mitzuhalten.
Matthias Schüssler
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Das HP Spectre x360 13 ist ein sogenannter Convertible-Computer. Um ihn als Tablet zu verwenden, klappt man die Tastatur nach hinten. Für den Filmkonsum oder Präsentationen stellt man ihn wie eine Staffelei vor sich auf. Und wenn man ihn als normalen Laptop benutzen möchte, dann wählt man einen genehmen Winkel zwischen 90 und 180 Grad.

Für den Tabletgebrauch – per Finger oder mit dem mitgelieferten Stift – ist das Gerät etwas schwer (1206 Gramm). Doch mit dem kantigen sogenannten Diamantschnittdesign liegt es gut in der Hand. An Verarbeitung und Ausstattung gibt es nichts zu mäkeln: Mit Core-i7-Prozessor stimmt die Leistung, und der Akku ist sehr ausdauernd. Der Hersteller gibt 22 Stunden an, was gemäss meinen ersten Beobachtungen etwa hinkommen könnte.

So viel Platz bietet das 4K-Display, wenn die Apps 1:1 angezeigt werden. (Damit der Text überhaupt lesbar ist, werden die Desktop-Elemente standardmässig um den Faktor 2,5 bis 3 vergrössert.)
So viel Platz bietet das 4K-Display, wenn die Apps 1:1 angezeigt werden. (Damit der Text überhaupt lesbar ist, werden die Desktop-Elemente standardmässig um den Faktor 2,5 bis 3 vergrössert.)
Screenshot: Matthias Schüssler

Auch die Ausstattung passt: Es gibt zwei USB-C-Anschlüsse, die auch den Thunderbolt-3-Datenübertragungsstandard unterstützen, und einen Schlitz für Micro-SD-Karten. Mit einem cleveren Klappmechanismus hat es HP sogar geschafft, in dem dünnen Profil einen dicken USB-A-Anschluss unterzubringen. Der Computer unterstützt auch bereits den schnellen Wi-Fi-6-Standard.

Auf der hintergrundbeleuchteten Tastatur schreibt es sich angenehm – lediglich die nur einzeilige Enter-Taste ist gewöhnungsbedürftig. Und auch das Touchpad ist deutlich kleiner als zum Beispiel beim Macbook Pro. Aber das ist verschmerzbar – und bei dieser Eingabemethode hinkt Windows Apple hinterher.

Zur Nutzerauthentifizierung gibt es gleich zwei Möglichkeiten: den Fingerabdrucksensor unterhalb der Pfeiltasten und die Kamera, mit der sich die in Windows eingebaute Gesichtserkennung verwenden lässt. Die ist gefühlt nicht ganz so flink wie Face-ID bei iPhone und iPad. Doch sie ist schnell genug: Wenn man zum Aufwecken kurz aufs Touchpad tippt, dann ist der Computer auch schon entsperrt, wenn man sich zum Arbeiten hingesetzt hat. Sollte die Gesichtserkennung (zum Beispiel mit oder ohne Brille) zu wenig zuverlässig funktionieren, lässt sie sich übrigens verbessern: In den Einstellungen bei «Konten > Anmeldeoptionen» gibt es bei «Windows Hello-Gesichtserkennung» den Knopf «Erkennung verbessern».

Komfort – oder Privatsphäre?

So praktisch die Gesichtserkennung ist – sie steht im Widerspruch zu einer Sicherheitsfunktion, die es bei den meisten HP-Laptops seit einiger Zeit gibt: Der «Kill Switch» für die Kamera, ein kleiner Schalter an der rechten Seite, erlaubt es, die Webcam hardwaremässig zu deaktivieren. Steht er auf Aus, hat eine Spionagesoftware keine Chance, heimlich Nutzerfotos zu schiessen. Doch ohne Kamera funktioniert die Gesichtserkennung nicht. Als Nutzer muss man daher eine Wahl zwischen Komfort und Extraschutz der Privatsphäre treffen.

Fazit: An der Hardware ist nichts auszusetzen. Ein weiterer Widerspruch ergibt sich jedoch bei der mitgelieferten Software. HP verzichtet noch immer nicht darauf, das Nutzererlebnis bei seinem Premiumlaptop durch diverse ungefragt vorinstallierte Programme zu trüben. Im Startmenü von Windows 10 findet sich eine Testversion von Express VPN, eine App namens «Dropbox-Sonderaktion» und McAfee Security – diese Software steht immerhin ein Jahr lang zur Verfügung, müsste dann aber für 40 US-Dollar (regulär 120 US-Dollar) verlängert werden. Was das angeht, wäre weniger eindeutig mehr.

Die neuen HP-Spectre-x360-Modelle sind ab 1599 Franken erhältlich. Das getestete Modell (Aw0700nz) mit i7-Prozessor, 16 GB Arbeitsspeicher, SSD mit 1 TB Kapazität und Iris-Plus-Grafikkarte von Intel kostet 1999 Franken.