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Auch ein Gastro-TempelEin grosser Wurf für die ZSC Lions

Der Betonrohbau an den Bahngeleisen ist weit fortgeschritten, Covid-19 bremste die Arbeiten nicht. CEO Peter Zahner erklärt beim Rundgang, worauf er besonders stolz ist.

Das neue ZSC-Stadion: Einblicke in die Baustelle von oben und von innen.
Foto: ZSC Lions, Tamedia

Peter Zahner kann sich noch gut erinnern, wie ihm sein Vorgänger Simon Schenk im Herbst 2008 die Unterlagen aller gescheiterten Stadionprojekte übergab. Mit den Worten: «Viel Glück!» Ja, das ­könne er gut brauchen, dachte sich Zahner, als er den grossen Stapel betrachtete. «Es waren 16 oder 17 Projekte.» In Kloten, Rümlang, Schlieren, Oerlikon und so weiter.

An diesem bewölkten Sonntagnachmittag führt der CEO der ZSC Lions durch den imposanten Betonrohbau an der Vulkanstrasse in Altstetten zwischen den Geleisen und der Autobahn. Seine Worte hallen durch die leeren Räume. «Hier kommt unser Kraftraum hinein», sagt er. «Und gleich nebenan befindet sich die Turnhalle.» Dann geht es weiter zur Garderobe. 80 Quadratmeter, so gross wie eine Dreieinhalbzimmerwohnung, wobei die Spieler in einem Oval sitzen werden. Das haben die ZSC Lions von der NHL abgeschaut.

Es hat sich einiges getan in den vergangenen Monaten. Die Baustelle ruhte nie, trotz Corona-Lockdown. 150 Arbeiter sind unter der Woche hier täglich am Werk. «Hätten wir unterbrechen müssen, wir hätten Sonderschichten einbauen müssen. In der Nacht oder am Wochenende», sagt Zahner. «Aber dann wäre es teurer geworden.»

Weit gediehen: Der Rohbau ragt bereits in den Himmel. Das Stadion wird über 30 Meter hoch.
Weit gediehen: Der Rohbau ragt bereits in den Himmel. Das Stadion wird über 30 Meter hoch.
Foto: Andrea Zahler

Wer sieht, wie weit der Bau schon gediehen ist, fragt sich, wieso es noch zwei Jahre dauert bis zur Einweihung. «Die Innenausstattung ist immer sehr zeitintensiv», erklärt Zahner. «Der Rohbau steht im Sommer 2021.» Am 17. August 2022 wird hier erstmals der Puck eingeworfen – für ein Testspiel, das auch als Test für die Arena gelten soll. Im September geht es dann los mit der Meisterschaft.

Für die Stadionbesichtigung haben Captain Patrick Geering und Chris Baltisberger ihre Montur übergestreift, sie spielen ein paar Bullys für die Fotografen. Beide haben bis 2023 unterschrieben, werden also die erste ZSC-Saison im neuen Heim sicher noch erleben. «Es ist schon eindrücklich, wenn man sieht, wie viel hinter einem solchen Bau steht», sagt Geering. «Sonst sieht man die Stadien ja erst, wenn sie fertig sind.»

Ein Bully für die Fotografen: die ZSC-Cracks Chris Baltisberger und Patrick Geering.
Ein Bully für die Fotografen: die ZSC-Cracks Chris Baltisberger und Patrick Geering.
Foto: Andrea Zahler

Die Architekten von «Caruso St. John» studierten zahlreiche Eisstadien auf der ganzen Welt. Zahner gab ihnen dabei eine Frage mit, die sie den Stadionbetreibern immer stellen mussten: Wenn sie die Arena nochmals bauen könnten, welche drei Punkte würden sie anders machen? «Die meistgenannten Antworten bezogen sich darauf, dass es zu wenig Platz hat. In den Umgängen, wo sich die Leute verpflegen, aber auch hinter den Kulissen – etwa bei den Lager­räumen.»

Wenn es für ihn ein Vorbild gebe, so Zahner, dann die Hartwall Areena in Helsinki, die 1997 eröffnet wurde und noch heute von Stadionbauern aus der ganzen Welt studiert werde. Sie setzte neue Massstäbe und gilt bis heute als topmodern. Die Mehrzweckarena in Helsinki fasst 13’349 Zuschauer, die Swiss Life Arena wird 12’000 Platz bieten, davon sind rund 1700 Stehplätze. Trotz der Corona-Restriktionen habe man das nicht geändert, sagt Zahner. Aber auf den Stehplätzen könnten je nach Anlass auch Sitze montiert werden – die Kapazität würde dann auf 11’209 sinken.

Eines der Lieblingsthemen Zahners ist die Gastronomie. Wohl auch deshalb, weil die ZSC Lions im Hallenstadion nicht selber wirten dürfen. 2200 Gastroplätze bietet die neue Arena, was mehr ist als in allen anderen Stadien. Darauf ist Zahner besonders stolz. Zudem werden 14 Logen à 12 Personen vermietet – die teuersten sechs in der Mitte kosten 168’000 Franken pro Saison. Allein durch den Logenverkauf sollen 2,15 Millionen Franken in die Kasse fliessen. Überdies werden 6000 Quadratmeter zur Drittnutzung vermietet, primär für Büros.

So soll es dann aussehen: Die Visualisierungen an den Wänden regen die Fantasie an.
So soll es dann aussehen: Die Visualisierungen an den Wänden regen die Fantasie an.
Foto: Andrea Zahler

Zahner erzählt dies alles ganz nüchtern. Dabei ist das Stadion sein Baby. Dass er es durch alle politische Prozesse hindurch brachte – in der Stadt Zürich, wo man Stadionprojekten skeptisch gegenübersteht –, ist eine Meisterleistung. Derweil wird am 27. September zum vierten Mal über den Bau eines Zürcher Fussballstadions abgestimmt. Auch die ZSC Lions setzen sich auf ihrer Website für den FCZ und den GC ein. Entscheidend für die breite Zustimmung zum Eishockeystadion seien die private Finanzierung, die breite Nachwuchsabteilung und das Eindämmen des Hooliganismus gewesen, glaubt Zahner.

Wenn er die Visualisierungen sehe, die hier überall an den Wänden hängen, werde er zuweilen schon emotional, sagt der 59-Jährige. Und er stelle sich vor, wie es dann sein werde im September 2022 beim ersten Meisterschaftsspiel in der neuen Heimat. Simon Schenk wird es leider nicht mehr erleben können. Der Emmentaler, der so grosse Verdienste ums Zürcher Eishockey hat, verstarb im Mai mit 73 Jahren an den Komplikationen nach seiner zweiten Herzoperation.