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Rezos neues Wutvideo«Ein Haufen inkompetenter Dullis»

Rezo hat es wieder getan: Nach der Klimapolitik «zerstört» der 28-jährige linke Youtuber und Aktivist nun die Corona-Politik von CDU und CSU und bezeichnet sie als dumm.

Youtube-Unternehmer, Aktivist, linker Wutbürger: Rezo (28) stammt aus Wuppertal, hat in Dortmund Informatik studiert und lebt heute in Aachen.
Youtube-Unternehmer, Aktivist, linker Wutbürger: Rezo (28) stammt aus Wuppertal, hat in Dortmund Informatik studiert und lebt heute in Aachen.
Foto: Bernd Kammerer (Picture Alliance)

Untätigkeit, so beendet der junge Mann mit den blauen Haaren seine neuste Wutrede, sei in einer akuten Krise das «Radikalste, Krasseste, Destruktivste», was man tun könne. Nicht zu handeln, obwohl die dritte Pandemiewelle längst über unseren Köpfen zusammenzuschlagen drohe, sei unverzeihlich, meint Rezo. Und warnt: «Kindergarten ist vorbei.»

Den in Bund und Ländern regierenden Christdemokraten wirft der 28-jährige Youtuber Arbeitsverweigerung vor. «Wissenschaftsfeindlichkeit» noch dazu, weil Virologen und Epidemiologen die dritte Welle ja längst vorhergesagt hätten. Fazit: Die CDU sei «n’Haufen inkompetenter Dullis» (Dummköpfe).

Rezo knöpft sich in dem 13-minütigen Video, das am Ostermontag veröffentlicht und in weniger als 24 Stunden bereits mehr als 250’000-mal aufgerufen wurde, vor allem die CDU-Ministerpräsidenten von Sachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen vor. Wenn er Michael Kretschmer an die «Eigenverantwortung» appellieren sehe, Volker Bouffier oder Armin Laschet sagen höre, dass doch niemand eine dritte Welle habe vorhersehen können, hinterlasse ihn das fassungslos.

Über Laschet, der seit Januar zudem die CDU führt, ist Rezo so wütend, dass es ihn fast aus seinem Gamer-Stuhl haut: «Das ist ein Mensch, der will Kanzler werden! Das tut körperlich weh, wie dumm das ist.» Jeder könnte besser regieren als diese CDUler: «Wie krass die keine Skills im Leben haben!»

Bereits einmal hatte Rezo die CDU «zerstört», das heisst, beschimpft und plattgemacht. Im Mai 2019, kurz vor den Europawahlen, veröffentlichte er ein 55-minütiges Video, in dem er den Christdemokraten insbesondere Untätigkeit beim Klimaschutz vorwarf und dazu aufrief, auf keinen Fall CDU zu wählen. Das Video wurde bis heute 18,5 Millionen Mal aufgerufen. Manche Beobachter glauben, es habe sogar den damaligen Wahlerfolg der Grünen und die Niederlage der Union beeinflusst.

Das damalige Video und das neue ähneln sich insofern, als sie in demselben Stakkato zwischen Empörung und Polemik pendeln. Zwischentöne gibt es keine. CDU-Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Markus Söder etwa, die stets vor der dritten Welle gewarnt hatten, von den Ländern aber ausgebremst wurden, kommen bei Rezo wie zufällig gar nicht vor.

Manche seiner Behauptungen treffen auch nicht zu oder verfehlen ihr Ziel: Im Unterschied zu Laschet und Bouffier gehört beispielsweise Kretschmer schon länger zu Merkels «Team Vorsicht». Gebremst hatten zuletzt nicht nur Ministerpräsidenten der CDU, sondern vor allem die der Sozialdemokraten.

Jedenfalls drückt Rezos Video aber eine derzeit weit verbreitete Wut über die Unfähigkeit der deutschen Politik aus, der dritten Welle entschlossener oder innovativer zu begegnen. In den sozialen Medien erhalten ähnlich persönliche Anklagen linker Aktivisten viel Aufmerksamkeit. Umfragen zeigen, dass mittlerweile eine deutliche Mehrheit einen härteren Lockdown wünscht. Sogar Laschet sprach sich am Ostermontag dafür aus.

Der erfolgreiche Youtube-Unternehmer Rezo, dessen Hauptkanal 1,7 Millionen Menschen abonniert haben, hat sich in der Pandemie schon mehrmals engagiert. So warb er bereits am Anfang der ersten Welle für eine Maskenpflicht und sprach später für die Kölner Verkehrsbetriebe entsprechende Durchsagen ein.

Er setzte sich für Hilfe für notleidende Künstler ein und nahm auf Einladung des deutschen Bundespräsidenten an einer virtuellen Schulabschlussfeier teil. In einem 18-minütigen Video warnte er im letzten November zudem vor den Protesten der sogenannten Querdenker. Titel: «Wenn Idioten deine Freiheit und Gesundheit gefährden.» Es wurde 1,6 Millionen Mal aufgerufen.

60 Kommentare
    Thomas Meier

    Eine Pandemie sollte man nicht dazu benutzen, um politisch zu profitieren. Versagt haben nämlich sowohl linke wie auch rechte Politiker.

    Das Verhalten des ultrarechten Bolsonaro muss nicht weiter diskutiert werden. Das ist nur widerlich. Auch die Rechtspopulisten in Tschechien und Ungarn haben versagt. Deren Intensivstationen sind längst überlastet und sind auf ausländische Hilfe angewiesen (vorallem Deutschland und Frankreich).

    Aber auch linke Regierungen haben teils jämmerlich versagt. Das beste Beispiel lieferte die deutsche Kleinstadt Tübingen. Die vom grünen Boris Palmer geführte Stadt wurde immer wieder als Musterbeispiel herangezogen. Heute morgen dann der grosse Schock: Da die Infektionszahlen massiv angestiegen sind, geht Tübingen in einen strengen Lockdown.

    Der Grund für das weltweite Versagen ist einfach: Selbst Wissenschaftler widersprechen sich beim Thema Corona. Wie sollen da Politiker den Überblick behalten?!

    Corona besiegt man nicht gegeneinander. Sondern nur miteinander.

    Das gilt sowohl für Boris Palmer wie auch für Rezo. Das gilt aber auch für die AfD in Deutschland und der SVP in der Schweiz.