Zum Hauptinhalt springen

Von Kopf bis Fuss: Kurkuma als Entzündungshemmer?Ein Heilmittel mit Potenzial

Die Kurkumawurzel kann viel mehr, als bloss unser Essen gelb färben. Das Gewürz soll auch bei Blähungen, Völlegefühl und Rheuma helfen. Was ist dran?

Gold im Mund: Mit Milch und etwas Honig lässt sich aus Kurkuma ein gesundes Getränk mischen.
Gold im Mund: Mit Milch und etwas Honig lässt sich aus Kurkuma ein gesundes Getränk mischen.
Foto: Osha Key (Unsplash)

Die Wurzeln sind eher unscheinbar und sehen ähnlich wie Ingwer aus. Und wie Ingwer ist auch Kurkuma nicht «nur» ein interessantes Gewürz, sondern auch eine wirksame Heilpflanze. Kurkuma ist eine in Südostasien beheimatete Pflanze aus der Familie der Ingwergewächse und enthält Curcumin, die Substanz, die ihr die intensiv gelbe Farbe verleiht. In der Küche kennen wir Kurkuma, auch Gelbwurz genannt, vor allem als gelbes Gewürzpulver, das unter anderem Currygerichten die leuchtende Farbe gibt.

Vor allem in der ayurvedischen Ernährungslehre, in der traditionellen indischen Medizin und in der TCM, der traditionellen chinesischen Medizin, gilt Kurkuma seit Jahrhunderten als Alleskönnerin. In der Heilkunde ist Kurkuma insbesondere als verdauungsförderndes Mittel gegen Blähungen und Völlegefühl bekannt. «Die Inhaltsstoffe regen wohl unter anderem die Leber dazu an, mehr Gallensäuren auszuschütten», schreibt etwa die «Apotheken-Umschau». «Die binden an Nahrungsfette und machen das Fett verdaulich.» Ebenfalls nicht nur in Asien, wo Kurkuma zu den traditionellen Heilpflanzen zählt, weiss man auch aus wissenschaftlichen Studien, dass das Gewürz entzündungshemmend wirkt.

Hilft Kurkuma wirklich gegen Rheuma?

Frische Kurkumawurzeln enthalten viel Vitamin C, zudem Mineralstoffe wie Eisen, Kalzium, Magnesium, Mangan, Natrium, Kupfer und Zink. Der vielseitig hilfreiche Inhaltsstoff ist Curcumin. Da dieser Stoff nicht wasserlöslich ist, wird er vom Körper nicht sehr gut aufgenommen. Dagegen hilft die Kombination mit Öl, etwa Olivenöl oder Kokosöl. Oder mit schwarzem Pfeffer: Das darin enthaltene Piperin verhilft zu einer besseren Aufnahme.

In der klassischen Schulmedizin ist der entzündungshemmende Effekt von Kurkuma anerkannt, darüber hinausgehende Wirkungen werden teils jedoch angezweifelt, weil sie derzeit noch nicht genügend erforscht sind. Die Rheumaliga Schweiz weist jedoch darauf hin, dass Kurkuma dank ihrem entzündungshemmenden Effekt gegen Rheuma helfen kann. Klinische Studien würden «die Wirksamkeit von Curcumin bzw. von Curcuma-Extrakten bei Arthrose und rheumatoider Arthritis» zeigen. Die Organisation zitiert dazu Lukas Wildi, Chefarzt Rheumatologie am Kantonsspital Winterthur: «Es gibt tatsächlich Hinweise auf eine antientzündliche Wirkung. Kurkuma beeinflusst verschiedene der klassischen Entzündungswege, die unser Körper bei rheumatischen Erkrankungen einschlägt.»

Das Potenzial wird erforscht

Es gibt wissenschaftliche Studien, die Kurkuma als Mittel gegen weitere schwerwiegende Erkrankungen bezeichnen. So ist das Gewürz laut der Indian Academy of Neurology wirksam gegen Demenzeffekte von Alzheimer. Als Antioxidans mit entzündungshemmender Wirkung verbessere Curcumin die kognitiven Funktionen. Innerhalb eines Jahres hätten sich die Symptome der an Alzheimer erkrankten Patienten durch die Einnahme von Kurkumakapseln deutlich verbessert.

Sogar gegen Krebs soll Kurkuma wirken, sofern man dieser klinischen Studie aus Japan glaubt. Sie kommt zum Schluss, dass Curcumin Krebszellen in der Leber langfristig zerstören kann. Dass sich mit Curcumin zudem der Cholesterinspiegel senken lässt, zeigt eine Studie aus China. Ein Review von Studien über die gesundheitlichen Vorzüge von Curcumin stellt fest, dass die meisten Wirkungen «auf seine antioxidativen und entzündungshemmenden Effekte zurückgeführt werden».

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt übrigens zur – auch präventiven – Behandlung von Verdauungsbeschwerden eine Tagesdosis von 3 Gramm Kurkuma. Am einfachsten ist das natürlich in Form von Kapseln, bei denen mit Piperin oder anderen Zusätzen die Aufnahme im Körper verbessert wird.

Versuchen Sie es mit goldener Milch

Lustvoller ist es jedoch, wenn man Kurkuma als Gewürz, das ähnlich wie Safran auch stark färbend ist, für würzige Speisen verwendet. Es eignet sich längst nicht nur für Curry-Gerichte. Es kann auch einer Salatsauce einen besonderen Akzent geben, passt in Marinaden für Fleisch, gibt Suppen einen orientalischen Touch und würzt Hülsenfrüchte wie Kichererbsen oder rote Linsen. Ich mag als Beilage zu exotischen Gerichten gelben Reis mit Kurkuma, Knoblauch und etwas Chili. Empfohlen wird auch, Fruchtsäfte und Smoothies mit gemahlenem Gelbwurz zu ergänzen.

Besonders beliebt ist «Kurkuma Latte», auch «goldene Milch» genannt. Dafür mischt man einen Teelöffel Kurkumapulver mit etwa 2,5 dl Milch – man kann statt Kuhmilch auch Mandelmilch oder Kokosmilch verwenden – und ein wenig Honig. Das kann man kalt oder warm geniessen, kochen sollte die Mischung aber nicht. Damit der Körper das Curcumin besser aufnehmen kann, gibt man einen kleinen Spritzer Öl – zum Beispiel Kokosöl – und etwas frisch gemahlenen Pfeffer dazu.

5 Kommentare
    Ronnie König

    Da ist sogar sehr viel daran. So wie bei uns der Kümmel auch erstaunliche Taten vollbringen kann. Oder die Leinsamen werden auch unterschätzt. Aber all diese Dinge begleiten uns nicht nur in der Küche, sie sind auch Medizin. Wahrscheinlich seit Jahrtausenden schon. Also kann das nicht falsch sein. Allerdings muss man für volle Wirkung auch einiges beachten und der Patient wesentlich mehr mitarbeiten. Vielleicht ist das sogar noch mehr wie ein Wunderpülverli?