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Satirische ZeichentrickserieEin Pferd in Hollywood

Die Netflixserie «BoJack Horseman» erzählt von einem tierischen Schauspieler, der früher ein Star war – jetzt aber nichts mehr auf die Reihe bekommt.

Gregor Schenker
Ex-Fernsehstar BoJack Horseman zweifelt an sich.
Ex-Fernsehstar BoJack Horseman zweifelt an sich.

Das depressive Pferd, der Schauspieler BoJack Horseman (Stimme: Will Arnett), hatte in den Achtzigern und Neunzigern eine eigene Sitcom, die ihn weltbekannt machte: «Horsin’ Around», ein seichter Familienspass – eine Anspielung auf die reale Serie «Full House». In den knapp zwanzig Jahren, seit «Horsin’ Around» zu Ende ging, hat BoJack allerdings nichts mehr auf die Reihe bekommen: Er ist ein verfressener Alkoholiker und verbringt seine Tage damit, auf dem Sofa zu hocken und seine alte Sendung auf DVD zu schauen. Wenn ihn die Öffentlichkeit noch wahrnimmt, dann wegen fahrlässigen Verhaltens.

Als er in der ersten Episode zu einem Fernsehinterview eingeladen ist, gesteht er als Erstes, dass er auf dem Behindertenparkplatz parkiert hat. «Vielleicht sollten Sie den Wagen wegstellen», sagt der Interviewer. Darauf BoJack: «Nein, es ist besser, wenn ich jetzt nicht fahre. Ich bin extrem betrunken.»

Die Zeichentrickserie startete 2014 auf Netflix; vergangenen Januar ging die sechste und letzte Staffel online. In der Welt von «BoJack Horseman» leben Menschen und menschenartige Tiere zusammen. BoJack selbst ist eben ein Pferd, und er hat einen Buchvertrag mit dem Pinguin Pinky (Stimme: Patton Oswalt), dem Leiter von Penguin Publishing. Dieser verzweifelt an BoJack, weil der Schauspieler eigentlich eine Autobiografie schreiben soll – die letzte Chance für den dahinsiechenden Verlag. Auch BoJack selbst setzt Hoffnungen in das Projekt: «Das Buch sorgt dafür, dass mich alle wieder lieben!»

Ein fingierter Banküberfall

Seit Monaten arbeitet er daran, weiter als bis zur Kapitelüberschrift ist er trotzdem nicht gekommen. Deswegen heuert Pinky die – menschliche – Ghostwriterin Diane Nguyen (Stimme: Alison Brie) an. Sie lernt den Star im Lauf der sechs Staffeln sehr genau kennen, wird zu seiner Vertrauten. Merkt dabei aber auch, wie viel tragischen Ballast er mit sich herumschleppt und dass er die Leute um sich immer wieder enttäuscht und verletzt. Auch Diane hat unter ihrer Bekanntschaft mit BoJack zu leiden. Etwa, wenn er versucht, ihre Hochzeit mit einem berühmten Fernsehhund zu verhindern, indem er einen Banküberfall fingiert.

«BoJack Horseman» folgt der Tradition von «The Simpsons» (seit 1989), «South Park» (seit 1997) oder «Family Guy» (seit 1999) – Zeichentrickserien, die sich zunehmend an Erwachsene richten. Dass «BoJack Horseman» im Gegensatz zu diesen nicht klassisch bei einem Fernsehsender, sondern bei einem Streamingdienst entwickelt wurde, gab den Serienmachern neue Möglichkeiten. So findet man in der Serie neben politischen Referenzen und unflätigen Witzen auch Kontinuität in der Handlung: Wenn BoJack Mist baut, ist das in der nächsten Folge nicht vergessen, sondern hat bleibende Konsequenzen.

Und es werden düstere Themen ausgeleuchtet. Sind die ersten Folgen noch eher harmlos witzig, so ändert sich das, als BoJack erfährt, dass sein einst bester Menschenfreund an Krebs erkrankt ist. Herb Kazzaz (Stimme: Stanley Tucci) schuf mit ihm zusammen «Horsin’ Around», doch als seine Homosexualität öffentlich wurde, liess ihn BoJack fallen. Jetzt versucht er, sich mit ihm zu versöhnen. Doch der Sterbende verweigert ihm das: «Du bekommst keine Versöhnung. Du musst mit den schlimmen Dingen leben, die du getan hast, bis an dein Lebensende.» In der Realität gibts keine Happy Ends wie bei «Horsin’ Around».

Zu sehen auf Netflix, Abo ab 11.90 Franken pro Monat